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Photovoltaik : Die Q-Cells-Aktie ist deutlich unterbelichtet

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Der Gründer und Vorstandsvorsitzende der Q-Cells AG, Anton Milner, macht Dampf. Q-Cells soll weiter stark wachsen. Auch für 2008 visiert er 50 Prozent plus an. Bild: dpa

Q-Cells hat sich 2007 hervorragend entwickelt. Doch der Kurs der Aktie ist mehr als 30 Prozent eingebrochen. Das war übertrieben. Denn der größte Produzent von Solarzellen auf der Welt wird in den kommenden Jahren weiter stark wachsen.

          Der Aktienkurs von Q-Cells sieht derzeit gar nicht gut aus. Von den Höchstkursen um 100 Euro ist der Kurs zeitweise um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Derzeit sind es immer noch mehr als 30 Prozent, wobei die Kursentwicklung der vergangenen Tage nicht gerade Grund gibt, optimistisch zu sein. Daraus ist allenfalls eine Seitwärtsbewegung ablesbar.

          Ein schlechtes Zeichen ist in der Regel auch, wenn starke Trends gebrochen werden. Auch das ist bei Q-Cells festzustellen. Der steile Aufwärtstrend seit Mitte 2007 Jahr ist Geschichte, genauso wie die etwas flachere Aufwärtsbewegung des vergangenen Jahres. Ein neuer Trend ist derzeit nicht absehbar, es sei denn man würde den mittelfristigen, flachen Aufwärtstrend seit Börsengang als solchen ansehen. In diesem Fall könnte die Aktie noch bis auf 40 Euro zurückfallen.

          Aktie ist mindestens fair bewertet

          Dies jedoch wäre erst recht ungerechtfertigt. Schon heute ist die Aktie - vorsichtig betrachtet - mit Blick auf dieses Jahr fair bewertet. Dafür könnte man den zu erwartenden Aufwärtstrend der Branche zugrunde legen. Wachstumsraten von 30 Prozent sind da im Durchschnitt zu erwarten. Doch Q-Cells will den Branchenschnitt auch künftig toppen. Gemessen an den Ausbauplänen sind also auch 2008 mehr als 50 Prozent Plus drin. So betrachtet wäre die Aktie aktuell schon unterbewertet. Das gilt erst recht für 2009 - sowohl mit Blick auf das Branchenwachstum und noch mehr, wenn man nur auf die Perspektiven von Q-Cells schaut.

          Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) eröffnete Ende Oktober in Thalheim mit Q-Cells-Chef Anton Milner eine weitere Fabrik, in der Solarzellen hergestellt werden.

          Die Zahlen für 2007 haben jedenfalls den Wachstums- und Gewinnpfad des Unternehmens eindrucksvoll bestätigt. Im vergangenen Jahr hat die Gesellschaft aus Thalheim sogar den bisherigen Marktführer Sharp aus Japan überholt. Q-Cells war nach Berechnungen des Fachmagazins „Photon“ erstmals der größte Produzent von Solarzellen in der Welt. Und die Expansion geht in hohem Tempo weiter, wie das Unternehmen heute ankündigte.

          Neben dem Bau einer sechsten Produktionslinie am Stammsitz Thalheim in Sachsen-Anhalt wird auch in Malaysia eine neue Fabrik gebaut. Geplant sei ein Werk für die Herstellung von multikristallinen Solarzellen, das über mehrere Ausbauphasen eine Produktionskapazität von mehr als 300 Megawattpeak (MWp) erreichen soll. Damit will sich Q-Cells besser gegen Währungsschwankungen absichern und neue Märkte erschließen. Die Nachfrage nach Solarzellen und - modulen werde zunehmend vom Ausland getrieben, da einige Länder nach dem deutschen Vorbild Förderprogramme aufgelegt hätten. Konkurrent Solarworld produziert auch bereits in den Vereinigten Staaten.

          Neue Fabrik in Malaysia

          Baubeginn für die neue Fabrik in Malaysia soll im kommenden Quartal sein. Nach Informationen von dpa-AFX prüft das Unternehmen, noch mindestens ein weiteres Werk außerhalb von Deutschland zu bauen.

          Mit solchen Erweiterungen legt Vorstandschef Anton Milner den Grundstein für weiteres Wachstum. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet er bereits mit einem Umsatz von 1,2 Milliarden Euro und einem Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 240 Millionen Euro. Nicht mit eingerechnet ist dabei der Ergebnisbeitrag aus der Beteiligung an dem Solarkonzern REC, der sich für dieses Jahr auf rund 30 Millionen Euro belaufen soll. Für 2009 stellte Milner einen Umsatz von rund 1,7 Milliarden Euro in Aussicht.

          Im vergangenen Jahr verbuchte Q-Cells einen Gewinnschub, blieb beim Überschuss mit 148,2 Millionen Euro aber hinter dem selbst gesteckten Ziel zurück. Grund war ein geringerer Beitrag der REC-Beteiligung, deren Ergebnisbeitrag aufgrund einer komplexen Konstruktion schlecht vorhersagbar ist. 2007 waren weitere Abschreibungen nötig gewesen, die in dieser Weise nicht vorhersehbar waren.

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