https://www.faz.net/-gv6-qfqa

Photovoltaik : Conergy-Aktie im Sog der schlechten Nachrichten

  • Aktualisiert am

Geschasster „Unternehmer des Jahres”: Conergy-Gründer Hans-Martin Rüter Bild: ddp

Die schlechten Nachrichten aus dem Hause Conergy reißen nicht ab. Nunmehr wird es 2007 auch keinen Betriebsgewinn mehr geben, zudem muss das Unternehmen mittels Entlassungen und Verkäufen saniert werden.

          3 Min.

          Dass bei Conergy nicht alles in Ordnung ist, war schon längst bekannt. Schon im Oktober stürzte der Aktienkurs an einem Tag um 35 Prozent ab, nachdem der Solarkonzern nach enttäuschend verlaufenen ersten neun Monaten seine Ergebnis- und Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2007 gesenkt hatte

          Als sei das nicht genug gewesen, zeigte sich das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt auf der Kommunikationsebene nicht gerade von seiner starken Seit und zog sich so die Missbilligung vieler Anleger zu. Erst gut zwei Wochen vor der Gewinnwarnung hatte ein Firmensprecher noch gesagt, dass man „keinerlei Anlass sehe, an den Jahreszielen etwas zu ändern“.

          Neuerliche Gewinnwarnung

          Befürchtungen hatte es schon vorher gegeben, nachdem Finanzvorstand Heiko Piossek überraschend abgelöst wurde und Conergy dies nicht schlüssig erklären konnte. Kurz darauf musste auch noch der Gründer und Vorstandsvorsitzende Hans-Martin Rüter seinen Hut nehmen, der im Börsenfernsehen die Jahresprognosen noch bestätigt hatte, obwohl bekannt worden war, dass er in einer Rund-Mail die Mitarbeiter aufgefordert hatte, auf Effizienz und Erträge zu achten, was natürlich negativ interpretiert worden war.

          Am Mittwoch zeigt sich nun, was viele befürchtet hatten und was Ende November andere nicht wahrhaben wollten, die den Aktienkurs um 60 Prozent auf 27,98 Euro nach oben getrieben hatten, vor allem weil der Milliardär Otto Happel seinen Anteil am Unternehmen auf über fünf Prozent erhöht hatte und Conergy als gutes Investment beurteilte. Indes ist die Frage, ob die Nachkäufer unter einem „langfristigen“ Engagement das Gleiche verstehen wie Happel.

          Jedenfalls begibt das angeschlagene Solarunternehmen nunmehr die zweite Gewinnwarnung innerhalb von nur zwei Monaten. Der Betriebsverlust werde im laufenden Jahr 150 Millionen bis 200 Millionen Euro für das zu Ende gehende Geschäftsjahr an. Ende Oktober hatte Conergy nach der ersten Gewinnwarnung noch einen Gewinn von 40 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Auch das bereits reduzierte Umsatzziel von über einer Milliarde Euro werde im laufenden Jahr nun nicht erreicht.

          „Schlimmste Befürchtungen bestätigt“

          Als ob das nicht genug sei, kündigte Conergy zudem den Abbau von 500 Stellen an, was einem Fünftel der Belegschaft entspricht. Zudem will die Firma sich auf das Solarstromgeschäft konzentrieren und die Bereiche Biomasse, Solarthermie und Wärmepumpen verkaufen. „Der neue Vorstand hat sich für eine Zäsur entschieden, die Conergy binnen kurzem wieder auf Erfolgskurs bringen wird“, erklärte Vorstandschef Dieter Ammer.

          Als Grund für die erneute Gewinnwarnung nannte Conergy ein deutlich schlechteres operatives Ergebnis sowie die Abwertung von Beständen und die Kosten des Sanierungsplanes. So ändert Conergy die Bewertungsmethodik für Großprojekte, ferner werden die Wertansätze einzelner Aktiva angepasst.

          Erst im Oktober hatte Conergy mitgeteilt, dass wegen Lieferengpässen ein Jahresverlust möglich sei. Der Umsatz im dritten Quartal war nur auf 223 Millionen Euro gewachsen, erwartet worden waren 130 Millionen Euro mehr.

          Karsten von Blumenthal, Analyst bei SES Research, sieht in der erneuten Gewinnwarnung von Conergy jedoch die „schlimmsten Befürchtungen“ bestätigt. Neben der operativen Schwäche und den Restrukturierungsaufwendungen seien dafür auch eine Änderung der Wertansätze verantwortlich. Offenbar habe Conergy in der Bilanz bei den Vorratsposten oder Forderungen deutliche Abschreibungen vorgenommen. Das Unternehmen steht nach Einschätzung des Analysten „am Rande des Abgrunds“.

          Erfolge erst einmal abwarten

          Die eingeleiteten Gegenmaßnahmen beurteilt Blumenthal indes positiv. Insbesondere die Trennung von den nicht-strategischen Aktivitäten in den Bereichen Biomasse und Solarthermie sei begrüßenswert. Der Erfolg dieser Schritte bleibe aber erst einmal abzuwarten.

          Vor allem das erste Quartal könne schwierig werden, denn typischerweise sei dann der Bedarf an Betriebskapital besonders hoch, zugleich fielen die Umsätze eher gering aus. Es sei nicht auszuschließen, dass Conergy versuchen werde, sich über eine Kapitalerhöhung frische Liquidität zu erschließen. Zusätzliche Kreditlinien durch die Banken hält von Blumenthal für unwahrscheinlich.

          Mit Blick auf mögliche Übernahmespekulationen äußert sich der Analyst zurückhaltend. Zum derzeitigen Zeitpunkt sei es hierfür schlicht zu früh. Ob die Wende gelingen werde, werde sich ohnehin erst im zweiten Halbjahr zeigen. SES Research stuft die Aktie mit „verkaufen“ ein und nennt ein Kursziel von 10 Euro.

          Auch Hartmut Moers, Analyst bei Sal. Oppenheim hält weitere schlechte Nachrichten für möglich, die WestLB senkte das Urteil von „hold“ auf „reduce“ und das Kursziel von 20 auf 17 Euro.

          Hohe Bewertung

          Analyst Henning Wagener von AC Research senkte das Urteil ebenfalls, und zwar von „reduzieren“ auf „verkaufen“. Beim Schlusskurs von 25,95 Euro am Dienstag erscheine das Unternehmen vor dem Hintergrund der derzeit schwierigen operativen Lage relativ ambitioniert bewertet. Die jüngsten Analystenprognosen für das kommende Jahr gehen im Schnitt von einem Gewinn von 0,80 Euro je Aktie, einem Betriebsgewinn von 63 Millionen Euro und einem Umsatzanstieg um ein Drittel auf 1,32 Milliarden Euro aus. Es erscheint noch nicht ausgemacht, dass dies auch erreicht wird, insbesondere mit einer reduzierten Mitarbeiterzahl, der Trennung von Geschäftsbereichen und neuen Bewertungen.

          Aber selbst wenn diese Zahlen erreicht würden, betrüge das Kurs-Gewinn-Verhältnis immer noch knapp 30 - und das scheint wirklich ambitioniert. Nichtsdestoweniger gibt es immer noch genügend Anleger, die sich nicht unterkriegen lassen. nach dem ursprünglichen Kursverlust von 22 Prozent zu Handelsbeginn, konnte sich der Aktienkurs bis auf ein Minus von 3,7 Prozent wieder erholen. Das ist angesichts der unklaren Zukunft nicht sehr verständlich und zeugt entweder von sehr viel Mut oder sehr viel Beharrungsvermögen. Vielleicht ist es sogar von Erfolg gekrönt - darauf wetten sollte man aber auch nicht unbedingt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Mann wird im Klinikum Schwabing in München auf der Isolierstation versorgt.

          Deutscher Coronavirus-Fall : Behörden prüfen 40 Kontaktpersonen

          Dem Erkrankten aus Starnberg geht es laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit „recht gut“. Er hat sich wohl bei einer Kollegin aus China angesteckt. Nun wird überprüft, ob sich weitere Personen infiziert haben könnten.
          Ein Kuss sagt mehr als 1000 Worte: Die britische Prinzessin Eugenie bei ihrer Hochzeit im Oktober 2018 mit Ehemann Jack Brooksbank.

          Ein wahres Feuerwerk : Was im Gehirn passiert, wenn wir uns küssen

          Wenn sich Lippen berühren, bricht im Gehirn ein Feuerwerk aus. Nervenzellen und Synapsen befinden sich im Ausnahmezustand. Mit Hilfe moderner Technik können Wissenschaftler die Leidenschaft nun abbilden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.