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Photovoltaik : Börsenneuling Centrosolar im Sog sinkender Solar-Aktien

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Solaraktien brennen heiß. Derzeit verbrennen einige den Anlegern das Depot. Auch das erste von drei neuen Listings, die Aktie von Centrosolar, kann sich dem kälteren Sentiment nicht entziehen.

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          Plötzlich sehr eilig hatte es Centrotec. Ursprünglich hatte der Lüftungstechnik-Anbieter seine Solar-Tochter Centrosolar erst im Oktober im Freiverkehr listen lassen wollen.Jetzt soll der Handel bereits am heutigen Donnerstag aufgenommen werden.

          Möglicherweise hängt dies ja mit der Kursentwicklung der Solar-Aktien zusammen. Die haben exorbitante Kursanstiege hinter sich. Dabei nimmt sich der annualisierte Kursanstieg der Solar-Fabrik vom Tiefst- zum Höchstkurs um 118 Prozent (also mehr als eine Verdopplung pro Jahr) regelrecht mickrig aus. Die Aktie von Reinecke + Pohl hat sich auf annualisierter Basis verelffacht und die des Stars Solarworld versechsfacht (vergleiche Infografik).

          Solaraktien fliegen tiefer

          Doch mittlerweile fliegen die Aktien alle deutlich tiefer, nicht zuletzt aufgrund des plötzlichen Rennens zum Parkett. Neben dem Listing von Centrosolar, kommen mit Ersol und Q-Cells zwei Debütanten auf den Markt. Auf diese Weise brachen Solarworld am Mittwoch nach dem Allzeithoch vom Dienstag um fast 20 Prozent ein, auch Phönix Sonnenstrom verloren nach dem Dienstagshoch fast acht Prozent. Und am Donnerstag geht es allem Anschein nach weiter nach unten.

          Diejenigen Solaraktien, die ihre Höchstkurse schon vor längerer Zeit erreicht haben, konsolidieren gleichfalls. S.A.G. Solarstrom haben seit März mittlerweile rund ein Drittel ihres Wertes abgegeben, Sunways seit April ein knappes Viertel. Für die Aktien der Börsendebütanten sind das unheilvolle Vorzeichen.

          Dabei sind diese daran eigentlich Schuld. Nicht nur, daß sich das Angebot auf diese Weise stark erhöht hat, auch die Preispolitik machte auf die aufgestauten Risiken der Anlageklasse erst so richtig aufmerksam.

          Hohe Bewertung dringt ins Bewußtsein

          Wer die Aktien von Ersol zeichnen wollte, sollte ein Konto bei der Deutschen Bank, bei der Privatbank Sal. Oppenheim, der Hypo-Vereinsbank oder bei der Bremer Sparkasse haben. Kunden aller anderen Kreditinstitute haben keine Chance, während der Zeichnung zum Zuge zu kommen. Das sei bei kleinvolumigen Börsengängen so üblich, sagte ein Sprecher des Konsortialführers Deutsche Bank. Die Dresdner Bank hat „Anweisung vom Vorstand, keine Zeichnungen anzunehmen, bei denen wir nicht im Konsortium sind“, sagt ein Berater der Dresdner Bank.

          Und Q-Cells hoben wegen der starken Nachfrage schnell mal die Preisspanne auf 35 bis 38 Euro von 29 bis 34 Euro an. Zwar verzeichneten die auf den außerbörslichen Handel spezialisierten Brokerhäuser DKM und Lang & Schwarz keinen Einbruch der Kurse. Doch nach Aussage von DKM-Händler Florian Weber kam etwas Druck auf die Aktien der beiden Solarwerte. „Einigen Anlegern wird nun offenbar bewußt, daß die Solarbranche an der Börse relativ hoch bewertet ist“, sagte Weber.

          Genau das scheint der Fall zu sein. Und genau deswegen hat es Centrotec auch wohl so eilig. Einen Kurseinbruch zur Notierungsaufnahme konnte man damit aber nicht vermeiden.Vielmehr geriet Centrosolar gleich in den Verkaufssog und stürzten binnen kürzester Zeit von 18,80 Euro auf mittlerweile 14,76 Euro.

          Centrosolar startet mit Verkaufsdruck

          Centrosolar wird durch die Solaraktivitäten von Centrotec, der Ubbink Solar Modules, der Ubbink Econergy Solar sowie der auf Solarglas spezialisierten Centrosolar Glas gebildet. Mit den vor Börsengang von Investoren eingebrachten Barmitteln in Höhe von 25,65 Millionen Euro sollen kurzfristig zwei weitere Unternehmen, die sich mit der Systemintegration von Solaranlagen beschäftigen, übernommen werden.

          Zum Handel zugelassen sind derzeit 5,73 Millionen Aktien. Zuzüglich der Einbringung der Centrotec Solaraktivitäten in das Unternehmen erhöhe sich deren Zahl auf 10,2 Millionen Stück. Die ungenannten Investoren halten davon 26,5 Prozent an Centrosolar, auf Centrotec entfielen 43,8 Prozent der Anteile. Die restlichen Anteile befinden sich in den Händen von Aufsichtsratsmitglied und Firmengründer Guido Krass.

          Für 2006 rechnet Centrosolar inklusive geplanter Zukäufe mit einem Umsatz von 100 Millionen Euro. Vor Zinsen und Steuern werde eine Gewinnmarge von fünf bis zehn Prozent anvisiert. Grob geschätzt ergab sich zum Erstkurs auf dieser Basis eine Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis jedenfalls jenseits der 20, das im schlechtesten Fall bis über 60 liegen könnte. Das ist bei der derzeit umgeschlagenen Stimmung für Solaraktien einfach zuviel.

          Solaraktien brennen noch heißer in den Depots

          Hinzukommt, daß Centrotec mit dem Börsengang dem Interesse der in den vergangenen Monaten gewonnenen Pre-IPO-Investoren an einer frei handelbaren Beteiligung entspreche, wie es heißt. Allein dies zeigt, daß offenbar Kasse machen von vornherein auf der Agenda stand. Der Börsenwert der Investorenbeteiligung stand zur Börseneröffnung bei 50,8 Millionen Euro. Investiert wurden 25,65 Millionen. Verkauft man die 2,7 Millionen Aktien zu durchschnittlich zehn Euro, so steht unter dem Strich eine Bruttorendite von 5,38 Pozent. Insofern besteht bei Centrosolar ein latentes Kursrisiko, dem man sich als Anleger nicht unbedingt aussetzen muß.

          Auch bei anderen Solarwerten ist jetzt nicht gerade Kaufenszeit. So steht zu befürchten, daß es auch bei Ersol und Q-Cells nicht zu den erhofften Kurssprüngen kommt oder die Zugewinne nicht lange Bestand haben, da Erstzeichner möglicherweise auf Nummer Sicher gehen.

          Auf der anderen Seite gibt es Hoffnungszeichen. So erstrecken sich die Kursverluste am Donnerstag vor allem auf die hoch bewerteten Highflyer wie Solarworld, Conergy und Reinecke + Pohl. Phönix Sonnenstrom, die vergleichsweise moderat bewertet waren, verzeichnen indes ein geringfügiges Plus, ebenso S.A.G. Solarstrom. Dies spricht dafür, daß es sich um eine bewertungsorientierte Rotation bei den Werten handelt und nicht um eine Spekulationsblase. Dennoch: ein Neueinstieg bei Solaraktien ist in den vergangenen Tagen noch heißer geworden als bisher.

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