https://www.faz.net/-gv6-o0dq

Pharmaziebranche : Amerikanische Pharmabranche unter Dauerdruck

  • Aktualisiert am

Auch Viagra kann Pfizer derzeit nicht helfen Bild: picture-alliance / dpa

Amerikanische Pharmawerte sorgten in den vergangenen Monaten größtenteils für schlechte Nachrichten. Die Branche steht wirtschaftlich und politisch unter hohem Druck.

          5 Min.

          Was waren das noch für Zeiten, als eine kleine blaue Pille bei der Pfizer-Aktie für einen steilen Aufwärtstrend sorgte. Doch die Wirkung von Viagra ist längst abgeklungen. Seit nunmehr fünf Jahren geht es mit dem Papier abwärts. Und die jüngsten Ergebnisse geben keine Veranlassung zu glauben, daß sich das ändern könnte.

          Denn im dritten Quartal verbuchte der weltgrößte Pharmakonzern einen drastischen Gewinnrückgang. Gegenüber dem Vorjahr halbierte sich der Gewinn auf 1,6 Milliarden Dollar oder 22 Cents je Aktie. Auch der Umsatz sank um fünf Prozent auf 12,2 Milliarden Dollar. Der Neunmonatsumsatz stagnierte mit 37,7 Milliarden Dollar, wohingegen der Gewinn für diesen Zeitabschnitt um 37 Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar oder 0,72 (Vorjahr: 1,12) Dollar fiel. Pfizer hat außerdem auch eine vorsichtige Geschäftsprognose für das Schlußquartal abgegeben und machte keine Prognosen für 2006 und 2007.

          Pfizer unter Druck von allen Seiten

          Was dem Unternehmen zu schaffen macht, ist eine Häufung branchentypischer Probleme. Nachdem der Patenschutz für das Antibiotikum Neurontin ablief, nagen Generika-Hersteller am Umsatz, der im vergleich zum Vorjahr um 80 Prozent fiel. Der Patentschutz für wichtige Medikamente lief ab, der Umsatz mit dem Rheumamittel Celebrex geht weiter stark zurück, nachdem die Gesundheitsbehörden einen Warnhinweis wegen Risiken für das Herz auf dem Beipackzettel verordnet hatten. Das Alternativ-Präparat Bextra mußte ganz vom Markt genommen werden.

          Umsatz geht am Stock: Pfizers Rheumamittel Celebrex

          Außerdem steht der Konzern wegen Viagra chronisch unter Druck, dessen Umsatz ebenfalls um vier Prozent zurückging. Auch hier hatte Pfizer einen zusätzlichen Warnhinweis wegen eines Erblindungsrisikos anbringen müssen - doch Verbraucherschützern reicht das nicht. Sie wollen einen Warnhinweis, vergleichbar mit dem auf europäischen Zigarettenschachteln.

          Pfizer ist in der amerikanischen Pharmabrachen kein Einzelfall. Unter Dauerdruck stehen auch Merck & Co. wegen des Schmerzmittels Vioxx, das der Konzern im vergangenen Jahr vom Markt nehmen mußte, nachdem sich Herzinfarkte im Zusammenhang mit der Anwendung gehäuft hatten. Derzeit versucht Merck in einem Verfahren, das 6.500 frühere Anwender gegen den Konzern angestrengt haben, die Ungefährlichkeit von Vioxx nachzuweisen.

          Merck im Vioxx-Strudel

          In einem ersten Verfahren in Texas im August wurde Merck bereits zu Entschädigungszahlungen von 253 Millionen Dollar verurteilt. Allerdings muß Merck davon nur 25 Millionen bezahlen, da Texas nach dem Texaco-Urteil eine Deckelung auf Schadensersatzforderungen an Unternehmen eingeführt hat.

          Als ob das nicht genug wäre, wurde vor kurzem auch das Diabetes-Medikament Pargluva verzögert, das Merck gemeinsam mit Bristol-Myers Squibb entwickelt, weil die Gesundheitsbehörden (FDA) weitere Informationen zu Risiken verlangen. Obendrein verlor das Unternehmen vor dem Supreme Court eine Klage gegen den zehn Jahre früher als geplanten Patentablauf beim Umsatzbringer Fosamax, einem Osteoporose-Medikament.

          Die Liste läßt sich praktisch beliebig fortsetzen. Abbott Laboratories erfuhren einen heftigen Rückschlag, nachdem die FDA vor wenigen Tagen die Zulassung von Xinlay, eines Medikaments gegen Prostatakrebs wegen Bedenken gegen dessen Sicherheit und Effektivität ablehnte. Auch bei Abbott fiel der Nettogewinn im vergangenen Quartal deutlich um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 680,7 Millionen Dollar - nicht zuletzt wegen der Kosten von Entlassungen.

          Eli Lilly kämpft sich durch

          In der Restrukturierung befinden sich auch Eli Lilly, die indes den Quartalsgewinn dank gewachsener Nachfrage nach Medikamenten gegen Depressionen und Impotenz um fünf Prozent auf 794 Millionen Dollar steigern konnten. Eli Lilly hat in den Vereinigten Staaten Schwierigkeiten mit seinem Schizophrenie-Medikament Zyprexa. Starke Konkurrenz und Sorgen um eine Gewichtszunahme durch das Mittel ließen den Umsatz abermals um zehn Prozent auf 503,9 Millionen Dollar sinken. Außerdem soll das Medikament Diabetes begünstigen. Allein dieser Rückschlag zwang Eli Lilly zur Kostenreduzierung und Entlassungen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Reicht der Platz? Während der Sommerpause 2019 wurde der Plenarsaal des Bundestags renoviert.

          Mehr als 800 Abgeordnete : Erst die Partei, dann der Staat?

          Die Regierungsparteien können sehr gut damit leben, wenn es immer mehr Abgeordnete gibt. Deshalb bleiben alle Vorschläge für eine Reform so schnell stecken.

          Zweites Selenskyj-Protokoll : Trumps Entlastungsangriff durch Geplänkel

          Das Telefonat, das Trump im Juli mit dem ukrainischen Präsidenten führte, ist schwer zu verteidigen. Also veröffentlichte das Weiße Haus das Protokoll eines früheren Gesprächs. Da ging es um leckeres Essen und schöne Ukrainerinnen.
          Verfasste laut Dokumenten aus der Stasi-Unterlagenbehörde über zwölf Berichte zu Kameraden: der neue Verleger der „Berliner Zeitung“ Holger Friedrich

          Verleger der „Berliner Zeitung“ : Holger Friedrich war Stasi-Spitzel

          Der neue Besitzer des Berliner Verlags hat für die Stasi NVA-Kameraden observiert. Dem geplanten Bericht der „Welt am Sonntag“ kam der Unternehmer Holger Friedrich mit einer „Stellungnahme in eigener Sache“ zuvor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.