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Pharmazie : Übernahme bietet Aktionären von Schwarz Pharma schönen Abschluß

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Tabletten von Schwarz konmmen künftig von UCB Bild: dpa/dpaweb

Wer in den vergangenen Monaten auf eine Übernahme der Monheimer Schwarz Pharma spekuliert hat, wird jetzt belohnt. Schwarz fusioniert mit der deutlich größeren belgischen UCB. Gut für die Schwarz-, weniger gut für die UCB-Aktionäre.

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          Monatelang trieben Spekulationen den Kurs der Monheimer Schwarz Pharma auf Höhen, die die Aktie zu den besten Zeiten des Unternehmens nicht gesehen hatte. Schon Mitte des vergangenen Jahres kletterte der Kurs auf ein Allzeithoch bei über 40 Euro, und seitdem verdoppelte sich der Kurs bis Juli noch einmal.

          Offenbar wurden die Anleger dann aber unsicher, ob das Unternehmen eine solche Bewertung würde noch rechtfertigen, respektive bei einem Verkauf würde erzielen können, denn der Kurs begann zu schwächeln und begann sich im Bereich über 70 Euro einzupendeln.

          Seit Jahren im Übergang

          Denn das Unternehmen kämpfte länger schon mit einem schwachen Umsatz und rutschte 2004 in die Verlustzone, dem sich ein tiefrotes Jahr 2005 anschloß. Schwarz Pharma hatte den wesentlichen Teil seiner Umsätze nämlich mit einem generischen Magenmittel in den Vereinigten Staaten erzielt und 2003 noch einen besonderen Einmal-Erfolg damit verbucht, konnte aber eine verschlechterte Konkurrenzsituation nicht kompensieren.

          2005 wurde allerdings nach Einschätzung des Unternehmens ein Übergangsjahr, in dem sich der Konzern auf die Entwicklung seiner neuen Medikamente konzentrierte. Immerhin zeigte sich das Betriebsergebnis im ersten Halbjahr mit rund einer Verdopplung deutlich gestärkt. Allerdings kam diese vor allem durch eine Abschlagszahlung von Pfizer für den Erwerb der Lizenzrechte für das Medikament Fesoterodin gegen Blasenhyperaktivität zustande.

          Gleichzeitig sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 1,1 Prozent auf 483,4 Millionen Euro und bereinigt um Währungseinflüsse sogar um 3,2 Prozent. Insofern müßte für ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 756,5 für das laufende und 135,3 für das kommende Jahr der Vertrauensvorschuß schon sehr hoch gewesen sein.

          Fusion mehr oder weniger in trockenen Tüchern

          Wer also - wie offenbar viele - heftig auf eine Übernahme spekulierte, der wird derzeit belohnt. Denn Schwarz Pharma und die belgische Pharmafirma UCB haben sich in der Nacht zum Montag auf die Bedingungen einer Fusion geeinigt. Danach wird das Brüsseler Unternehmen allen Schwarz-Pharma-Aktionären ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot machen. Neben 50 Euro in bar werden allen Aktionären je Titel 0,8735 Aktien der UCB SA angeboten.

          Daraus ergäbe sich ein Gesamtwert der Transaktion von etwa 4,4 Milliarden Euro oder 91,10 Euro je Schwarz-Pharma-Aktie, lege man den Schlußkurs für UCB-Aktien vom vergangenem Freitag zugrunde. Das Angebot entspreche einer Prämie von 20,4 Prozent auf den Schlußkurs von Schwarz Pharma vom vergangenen Freitag und von 25,9 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate.

          Die Großaktionärin Schwarz Vermögensverwaltung GmbH & Co KG, die ungefähr 60 Prozent der Schwarz-Pharma-Anteile hält, hat sich UCB gegenüber unwiderruflich verpflichtet, das Übernahmeangebot anzunehmen.

          „Perfekte“ Kombination

          Nach Darstellung von UCB-CEO Roch Doliveux passen beide Unternehmen „perfekt zusammen“. Für UCB sei die Übernahme „ein Sprung nach vorn bei der Transformation in ein global führendes biopharmazeutisches Unternehmen, das sich auf ausgewählte Krankheitsfelder wie Neurologie, Entzündungserkrankungen und Onkologie konzentriert“.

          Schwarz-Pharma-Vorstandvorsitzender Patrick Schwarz-Schütte erklärte, mit der Übernahme würden sich „die kommerziellen Aussichten für unsere Pipeline im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium deutlich verbessern“. Außerdem habe die Transaktion ein erhebliches Wachstumspotential.

          UCB erklärte, die Übernahme habe ein Synergiepotential von mehr als 300 Millionen Euro. Zusammen würden Schwarz Pharma und UCB auf einen Jahresumsatz von 3,3 Milliarden Euro kommen. Unter Berücksichtigung der Synergien und Goodwill-Abschreibungen dürfte die Übernahme nach zwei Jahren einen positiven Ergebnisbeitrag liefern.

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