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Pharmazie : Novartis-Aktie dürfte erst längerfristig wieder interessant werden

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Bild: obs/Novartis Behring

Mit durchwachsenen Geschäftszahlen und einem eher verhaltenen Ausblick für die kommenden Monate kann Novartis am Donnerstag die Anleger nicht positiv stimmen. Erst in der zweiten Jahreshälfte soll es wieder deutlich aufwärts gehen.

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          Pharmawerte gehören zu den Aktien, die in unruhigen Zeiten am meisten gesucht sind, das sie als sogenannte defensive Investments gelten. Handelt es sich dazu noch um Schweizer Unternehmen, gilt das bisweilen erst recht.

          Das gilt aber nur dann, wenn das Unternehmen dem Ruf auch gerecht wird und die Nachrichtenlage entsprechend positiv ist. Das war bei Novartis in den vergangenen Tagen nicht unbedingt der Fall. Die Schließung von Forschungseinrichtungen in Japan und Wien, die nicht eben ruhig vonstatten zu gehen scheint und Nachrichten über verstärkte Konkurrenz durch Nachahmermedikamente (Generika) bewirkten Abgaben, die die kurzfristige Erholung zu Jahresbeginn zunichte machte.

          Veräußerungsgewinne verbessern die Zahlen

          Keine Besserung bringen am Donnerstag auch die Zahlen, die das Unternehmen für das abgelaufene Geschäftsjahr vorlegte. Entgegen einem festen Schweizer Markt gibt der Kurs um 3,1 Prozent auf 59,35 Franken nach.

          Denn die Konkurrenz durch Generika und die schwache Entwicklung in den Vereinigten Staaten haben das Ergebnis des Pharmakonzerns im abgelaufenen Geschäftsjahr belastet. Unter dem Strich sank der Gewinn in Dollar um 4 Prozent auf 6,54 Milliarden Dollar. Nur dank der Veräußerung von Unternehmensteilen, die einen Profit von 5,2 Milliarden Dollar erbrachten, erzielten die Schweizer einen Rekordgewinn von 12 Milliarden Dollar.

          Während der Pharmaumsatz 2007 in lokalen Währungen mit plus zwei Prozent nur marginal zulegen konnte, profitierte Novartis vom Umsatzanstieg der Generika-Tochter Sandoz von 13 Prozent und vom Geschäft mit Impfstoffe, das um 47 Prozent wuchs. In lokalen Währungen stieg der Nettoumsatz um 6 Prozent auf 38,072 Milliarden Dollar.

          Schwaches viertes Quartal

          Schlecht war allerdings das vierte Quartal gelaufen, in dem Novartis neben einem Umsatzrückgang einen Gewinneinbruch von 42 Prozent auf 931 Millionen Dollar erlitt. Vor allem in den Vereinigten Staaten sank aufgrund der Generikakonkurrenz für die vier Produkte Lotrel, Lamisil, Triptal und Famvir der Umsatz um 21 Prozent. Analysten hatten 1,35 Milliarden Dollar erwartet.

          Hinzu kamen im vergangenen Geschäftsjahr zahlreiche Sonderbelastungen. So verbuchte Novartis Aufwendungen von rund einer Milliarde Dollar für eine Erhöhung der Rückstellungen für Umweltsanierungen um 590 Millionen Dollar sowie einen Restrukturierungsaufwand von 444 Millionen Dollar für das Kostensenkungs- und Effizienzprogramm „Forward“.

          Zudem übt sich der Konzern in Optimismus. 2008 würden wieder Rekordwerte erzielt: „Ich bin zuversichtlich, dass Novartis auch 2008 wieder Rekordergebnisse erzielen wird“, sagte Novartis-Präsident und Delegierter des Verwaltungsrates Daniel Vasella am Donnerstag in Basel.

          Optimistischer Vorstand

          Vasella begründet seine Zuversicht mit den guten Wachstumsaussichten für die Generikasparte Sandoz, das Impfstoffgeschäft und die Sparten Diagnostica und Consumer Health. Im ersten Halbjahr dürften die Resultate der Division Pharmaceuticals aber weiterhin von Nettoumsatzeinbußen in den Vereinigten Staaten beeinträchtigt sein. Novartis rechnet auf Konzernebene mit einem Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich und in der Division Pharma mit einem Erlösplus im unteren einstelligen Bereich in lokalen Währungen.

          Konkret rechnet Vasella im ersten Quartal 2008 mit einem schwierigen Geschäftsgang. Das zweite Quartal erwartet er „neutral“, während das dritte Quartal bereits „positiv“ und die letzten Monate „sehr positiv“ verlaufen sollten, sagte der Novartis-Chef am Donnerstag in Basel.

          Für 2007 will der Novartis-Verwaltungsrat den Aktionären die elfte Dividendenerhöhung seit Gründung des weltweit viertgrößten Pharmakonzerns 1996 vorschlagen. Zudem kündigte Vasella mit dem neuen Aktienrückkaufprogramm im Umfang von bis zu 10 Milliarden Schweizer Franken den bisher größten Rückkauf eigener Titel an.

          Negativer Trend könnte sich mittelfristig stabilisieren

          Das alles schien die Börsianer dennoch nicht für den Titel zu begeistern. Auch wenn man mit einem tendenziell schwächeren Jahresergebnis gerechnet hatte, so waren die Abgaben doch recht deutlich und schließen an den schwachen Trend an, in dem sich der Aktienkurs seit nunmehr mehr als einem Jahr befindet, als die Notierung mit einem neuen Allzeithoch von 76,80 Franken das des Jahres 2001 endlich knackte.

          Nachdem dieses aber keine vier Wochen Bestand hatte, kippte der Trend. Abgaben drückten den Kurs bis auf ein Tief bei 58,05 Franken im November. Angesichts der Abgaben vom Tage und der recht steilen Korrektur seit einer Woche ist ein Test dieses Tiefs nicht unwahrscheinlich.

          Sollte dieses durchbrochen werden, sollte dies aber noch kein Drama sein, da zwischen 55 und 60 Euro eine recht stabile Unterstützungszone liegt. Zudem ist der Titel mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 14,2 für das laufende und 12,3 für das kommende Jahr momentan bereits vergleichsweise günstig bewertet.

          Neuerliche Abgaben könnten in interessant machen. Indes empfiehlt es sich, auf eine Bodenbildung zu warten und dem Titel vor allem in der Zeit vor dem Ausweis zum zweiten Quartal mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Sollte sich die Erholung bestätigen, könnte sich dies im Kurs positiv bemerkbar machen.

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