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Pharmazie : Aktie von Schwarz Pharma spekulativ getrieben

  • Aktualisiert am

Tablettenproduktion bei Schwarz Pharma Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Schwarz Pharma ist eine der Aktien, die eine starke Fan-Gemeinde hat. Anders läßt sich nicht erklären, daß die Aktie auf ihrem Weg nach oben jeder Bewertung spottet.

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          Manche Aktien sind phänomenal. Die Aktie von Schwarz Pharma etwa läuft seit Oktober 2004 unbeirrt nach oben und hat den Kurs seitdem bereits verdoppelt. Jetzt steuert sie allmählich ihr Allzeithoch bei 40,70 Euro an.

          Am Freitag sorgte das Unternehmen erst einmal für Schlagzeilen durch die Meldung, daß es die vollständigen Rechte am Wirkstoff „Rotigotin“ der amerikanischen Aderis Pharmaceuticals und damit dessen wichtigsten Vermögensgegenstand sowie „bestimmte finanzielle Rechte“ in Bezug auf Aderis' andere Vermögensgegenstände erwirbt.

          Kampf gegen Parkinson hat Zukunft

          Rotigotin ist ein sogenannter Dopamin-Agonist, der die Symptome der Parkinsonschen Krankheit signifikant reduzieren kann. Dopamin ist ein Neurotransmitter des vegetativen Nervensystemes, der für eine Vielzahl lebensnotwendiger Steuerungs- und Regelungsvorgänge benötigt wird. Der Mangel an Dopamin gilt als eine der Hauptursachen der Parkinsonschen Erkrankung. Rotigotin wird einmal täglich als Pflaster auf die Haut aufgebracht und konstant über 24 Stunden freigesetzt.

          Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Schwarz Pharma in den vergangenen zwölf Monaten.

          In Europa und den Vereinigten Staaten hat Schwarz Pharma bereits im September 2004 Zulassungsanträge für Rotigotin zur Behandlung von Parkinson-Patienten im frühen Stadium eingereicht. Die Partnerschaft zwischen Aderis und Schwarz Pharma besteht schon längere Zeit. Bereits 1998 hatte das Monheimer Unternehmen die weltweiten Entwicklungs- und Marketingrechte für Rigotin von Aderis übernommen. Schwarz Pharma ist der drittgrößte Aktionär der nicht-börsennotierten Aderis Pharmaceuticals.

          Schwache Entwicklung setzt sich fort

          Durch die Transaktion fällt bei Schwarz Pharma eine Einmalaufwendung von 58 Millionen Euro an, die aus den liquiden Mitteln bestritten wird, die im ersten Quartal 182,8 Millionen Euro betrugen. Infolge dessen wird das Jahresergebnis, das eigentlich ausgeglichen hätte sein sollen um genau denselben Betrag ins Minus rutschen.

          Das Unternehmen kämpft schon länger mit sinkenden Umsätzen und einer schwachen Gewinnentwicklung. Bereits im vergangenen Geschäftsjahr erlebten die Zahlen bei Schwarz Pharma einen deutlichen Einbruch, als der Umsatz um über ein Drittel auf 946,6 Millionen Euro und das Nettoergebnis um 98,7 Prozent auf 1,8 Millionen Euro fiel.

          Schwarz Pharma hatte den wesentlichen Teil seiner Umsätze nämlich mit einem generischen Magenmittel in den Vereinigten Staaten erzielt und damit 2003 ein besonderen Einmal-Erfolg gehabt. Doch auch 2002 war der Umsatz noch immerhin 1,75 Prozent höher gewesen und es war ein Nettoergebnis von immerhin 48,4 Millionen Euro erzielt worden.

          Schwarz Pharma ist der Ausgleich für die verschlechterte Konkurrenzsituation bislang immer noch nicht gelungen. Daran änderte auch der Sieg auf der ganzen Linie gegen den Generika-Hersteller Teva Pharmaceuticals nicht, der mit einem Konkurrenzprodukt in unlauterer Weise das Schwarz-Geschäft mit dem Bluthochdruckmittel Univasc unter Druck gebracht hatte und dieses wieder vom Markt nehmen mußte.

          Lücken nicht gefüllt

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