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Pharmawerte : Schwarz Pharma dürfte bald an Kursgrenzen stoßen

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Noch ist die Neubewertung von Schwarz Pharma nicht abgeschlossen. Allmählich wird die Luft für den Titel aber dünner.

          Gleich doppelt erfreulich sind die neuesten Nachrichten von Schwarz Pharma: Nicht nur fiel der Gewinn zum dritten Quartal besser als die Prognosen aus. Auch wird das wichtige Generikum Omeprazol offenbar früher ergebniswirksam, als viele erwartet hatten. Angesichts dessen fällt der Zuwachs der Aktie bis zum Mittag mit 3,18 Prozent auf 29,85 Euro fast noch bescheiden aus.

          Aber die Aktie hat schon einen beispiellosen Parforceritt hinter sich: Seit dem unerwarteten Prozesserfolg im Patentstreit um die Omeprazol-Formulierung Mitte Oktober (vgl. Link) hat der Titel bereits über 180 Prozent an Wert gewonnen, ohne eine nennenswerte Verschnaufpause einzulegen.

          Omeprazol-Einführung noch dieses Jahr

          Das Konzernergebnis kletterte in der Zeit von Juli bis September um 153 Prozent auf 5,7 (2,3) Millionen Euro, in den ersten neun Monaten summierte es sich auf 15,1 (14,1) Millionen Euro und übertraf damit klar die Analysten-Prognose von 12,8 Millionen Euro. Beim Neunmonatsumsatz lag Schwarz Pharma mit 591 (566) Millionen Euro im Rahmen der Erwartungen.

          Das aussichtsreiche Magenmittel Omeprazol spielte in diesen Zahlen noch keine Rolle, soll aber schon im vierten Quartal einen nennenswerten Umsatz- und Ergebnisbeitrag liefern. „Wir rechnen mit einem baldigen Markteintritt des Omeprazol-Generikums in den USA", teilte Schwarz Pharma-Chef Patrick Schwarz-Schütte mit. Die Schwarz Pharma-Tochter Kudco ist laut dem Gerichtsurteil das einzige Unternehmen, dessen Formulierung für den Magen-Darm-Wirkstoff die Formulierungspatente von Astra Zeneca nicht verletzt. Allerdings muss Schwarz einen Teil des Gewinns aus Omeprazol an die Merck-Tochter Genpharm und den US-Pharmahersteller Andrx abtreten. Mit dem Originalpräparat Prilosec, dem zweitmeist verkauften Medikament in den USA, hat AstraZeneca im vergangenen Jahr weltweit fast sechs Milliarden Dollar umgesetzt.

          Deutliche Gewinnsteigerungen erwartet

          Entsprechend optimistisch der neue Ausblick von Schwarz Pharma: Der Gewinn werde in diesem Jahr im Vergleich zum bereinigten Jahresüberschuss 2001 von 16,1 Millionen Euro voraussichtlich mit einer deutlich zweistelligen Prozentrate steigen. Da das Generikum von Schwarz Pharma als einziger Wettbewerber auf den bislang durch das Patent geschützten US-Markt komme, werde der Marktanteil bei 50 Prozent liegen, eventuell sogar leicht darüber, so Schwarz-Schütte. Für das Jahr 2003 sei durch Omeprazol ein zusätzlicher Vorsteuergewinn von rund 380 Millionen Dollar und ein zusätzlicher Umsatz von 760 Millionen Dollar „vorstellbar“, sagte eine Sprecherin. Zuvor hatte das Unternehmen nur von einem Ergebnis „über Vorjahr“ gesprochen.

          Damit dürfte auch die Analystenschar ihre Gewinnschätzungen für den Titel deutlich weiter nach oben schrauben. Noch sind in den vom Finanzinformationsdienst IBES gesammelten Analystenschätzungen teilweise Prognosen enthalten, die zeitlich vor dem Omeprazol-Urteil lagen, was zu optisch hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 74,4 für dieses und 60,4 für nächstes Jahr führt.

          Neubewertung bald abgeschlossen

          Aber auch wenn sich diese Relation noch deutlich verbessert, stellt sich allmählich die Frage, wann sich die Aktie wieder den rauhen Gesetzen der Pharmabranche unterwerfen muss. Nach den jüngsten Zuwächsen drohen der Aktie zudem verstärkt Gewinnmitnahmen. Insgesamt nähert sich die Neubewertung der Aktie ihrem Ende, was eher eine Seitwärtsbewegung als weiteres hohes Kurspotenzial erwarten lässt.

          Ein Stachel in den derzeitigen hochfliegenden Plänen ist die jüngst von AstraZeneca eingereichte Berufungsklage. Diese könnte Schwarz Pharma zu einer Entschädigungszahlung verpflichten, meinen die Merrill-Lynch-Analysten. Und auch wenn die übrige Produktpipeline etwa mit dem Epilepsie-Wirkstoff Harkoseride als aussichtsreich gilt, wird das künftige Geschäft von Schwarz sehr stark Omeprazol-lastig sein - mit den damit verbundenen Risiken.

          Abgesehen von den gewöhnlichen Gefahren des Pharmageschäfts droht auch Ungemach aus dem geplanten „Vorschaltgesetz“ in der Krankenversicherung. Am Dienstag hatte sich Schwarz Pharma mit deutlichen Worten gegen die Pläne der Bundesregierung gewandt und erklärt, die beabsichtigte Preissenkung von sechs Prozent auf patentgeschützte Arzneimittel führe bei der Schwarz Pharma Deutschland GmbH „zu erheblichen Verlusten“.

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