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Pharma : Teure Schwarz-Aktie läuft unbeirrt aufwärts

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Aktie von Schwarz Pharma Bild:

Die Aktie von Schwarz Pharma zählt im MDax zu den stärksten Werten. Sie ist zwar hoch bewertet, läuft aber unbeirrt aufwärts. Ein Erfolg in einem Rechtsstreit gegen den Konkurrenten Teva könnte ihre Triebkraft stützen.

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          Schwarz Pharma hat in der Vergangenheit den wesentlichen Teil seiner Umsätze mit einem nachgeahmten Magenmittel erzielt. Der Segen verwandelte sich aber binnen eines Jahres zum Fluch: Zuerst schossen die Erlöse nach oben, und im Herbst 2002 vollführte die Aktie einen fast unvergleichlichen Steilflug. Im Sommer 2003 aber ging es fast ebenso heftig abwärts, nachdem Schwarz bei den Medikament in Amerika unerwartet Konkurrenz hinnehmen mußte.

          Doch der Abwärtstrend dauert nur bis zum Jahresende 2003. Seitdem hat die Notiz des mittelständischen Arzneimittel-Herstellers, der Medikamente auch und gerade selbst entwickelt, deutlich verbessert, wenn auch nicht ununterbrochen. 2004 ist sie dem bullenstarken MDax sogar deutlich vorausgeeilt: Sie stieg um etwa 54 Prozent, während der Mittelwerte-Index um rund 20 Prozent schwerer wurde. Auch in den vergangenen vier Wochen ist die Schwarz Pharma-Aktie besser gelaufen als der MDax.

          Und die Chancen stehen gut, daß sich dies nicht ändern wird. Denn das Unternehmen ist in Amerika in einem Rechtsstreit gegen den großen israelischen Konkurrenten Teva wegen Patentverletzung erfolgreich gewesen. Daraus folgen Ansprüche auf Schadenersatz etwa gegen entgangene Umsätze. Davon dürfte der Titel profitieren, bei dem der Trend stimmt, nicht aber die Bewertung.

          Analysten: Bis zu 150 Millionen Euro als Ausgleich möglich

          Ein Gericht im amerikanischen Bundesstaat New Jersey hat Teva für schuldig befunden, ein sogenanntes Formulierungspatent bei einem Bluthochdruckmittel verletzt zu haben. Dafür kann Schwarz Pharma den Konkurrenten belangen. Wie das Analysehaus Independent Research (IR) anmerkt, hatte Schwarz die Klage schon im Oktober 2001 eingereicht, bevor Teva mit dem besagten Mittel in Amerika auf den Markt kam. Aufgrund dieses Schrittes ging der Umsatz des deutschen Unternehmen mit dem Bluthochdruckmedikament laut IR noch im Jahr 2003 auf 21 Millionen Dollar nach 45 Millionen Dollar im Jahr zuvor zurück. 2004 verringerte sich der Erlös auf ganze fünf Millionen Dollar. Teva hat im September den Vertrieb im Vorgriff auf das Gerichtsurteil eingestellt.

          „Schwarz Pharma hat auf ganzer Linie gegen Teva gewonnen“, kommentiert die DZ Bank das Urteil. Angesichts der rückläufigen Umsätze mit dem ehemdem erlösstarken Magenmittel seien die zu erwartenden Ausgleichszahlen durch Teva sehr wertvoll. Solange die genaue Summe, die Schwarz erhalten werde nicht klar sei, bleibt die DZ Bank aber bei ihren Ergebnisschätzungen. Den von ihr errechten fairen Wert von 34 Euro wird sie aber überprüfen, wie die Analysten Peter Spengler und Oliver Schlüter mitteilte.

          Die Schadenersatzansprüche machten im günstigsten Fall das Dreifache des Umsatzes aus, meint das Brokerhaus Equinet. „Nach unseren Berechnungen hat Schwarz Pharma rund 50 Millionen Euro Umsatz wegen der generischen Univasc-Version von Teva verloren“, so die Analysten. Dies könnte folglich zu Schadenersatzzahlungen von mehr als 150 Millionen Euro führen. Derzeit halte man aber an einer „konservativen Schätzung“ von Zahlungen in Höhe von 20 Millionen Euro vor Steuern fest. Ähnlich kommentiert auch die Landesbank Rheinland-Pfalz die Nachricht. „Wir kennen den genauen Umsatzrückgang auf Grund der Konkurrenz durch Teva nicht. Nach unserer Einschätzung kann ein Schadenersatz im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen“, schreibt Pharmaanalyst Alexander Groschke.

          Independent Research hebt Kursziel nach Urteil an

          Er hat den Titel auf „underperform“ eingestuft, erwartet also eine schlechtere Kursentwicklung als beim MDax. Das von ihm gesetzte Kursziel steht bei 26 Euro, während M.M. Warburg 30 Euro angibt und Sal.Oppenheim wie die DZ Bank 34 Euro. Hypo-Vereinsbank und WestLB sehen die Aktie mit 32 Euro als gut bezahlt an.

          Independent Research beteiligt sich nicht an den Spekulationen über die ausstehende Summe. Allerdings dürfte die Aktie von dem Gerichtsurteil und dessen Folgen profitieren, meint das Analysehaus. Deshalb hat es das Kursziel von 34 Euro auf 36,50 Euro angehoben und empfiehlt, den Titel zu akkumulieren, also aufzustocken.

          Gemessen am Mittelwert der Analystenschätzungen ist die Aktie von Schwarz Pharma mithin bei einem aktuellen Kurs von 33,06 Euro vernünftig bezahlt. Offen ist jedoch, ob außer IR auch andere Analysehäuser das von ihren gesteckte Kursziel erhöhen, was Anleger zum Kaufen verleiten könnte. Die Bewertung ist jedoch sicherlich kein Anreiz zuzugreifen: Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 50,9 für das abgelaufene und noch zu bilanzierende Jahr und 49,4 für 2005 ist der Titel auch im Branchenvergleich teuer. Dessenungeachtet stimmt der Trend, der aufwärts zeigt. Eine Halte-Position ist diese Aktie also allemal. Weiteres Kurspotential erschließt sie sich aus technischer Sicht bei einem Sprung über den Widerstand bei gut 35 Euro. In dieser Region liegen einige Zwischenhochs aus den Jahren 2002 und 2003.

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