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Pharma & Spezialchemie : Risiko für Altana-Aktie derzeit nicht abzuschätzen

  • Aktualisiert am

Altana: Pharma made in Germany Bild: dpa

Um mehr als zehn Prozent bricht die Aktie des Pharma-Konzerns Altana am Freitag ein. Die Auflösung einer Kooperation mit Pfizer wird nicht ohne Grund offenbar als Katastrophe interpretiert.

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          Mit einem Minus von 11,2 Prozent eröffnete der Dax-Wert Altana am Freitag den Handel. Bereits vor Börsenöffnung war bei den Analysehäusern hektische Betriebsamkeit ausgebrochen. Sie überprüfen derzeit ihre Umsatz- und Gewinnprognosen. Eines der Häuser sagte vorab der Nachrichtenagentur VWD, die neuesten Entwicklungen um das Unternehmen könnten der Aktie fünf bis sieben Euro (das sind zehn bis 15 Prozent des Kurses) kosten.

          Am Morgen hatte der Bad Homburger Pharmakonzern bekanntgegeben, daß die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Pharmariesen Pfizer für das in der Entwicklung befindliche Medikament Daxas (mit dem Wirkstoff Roflumilast) zur Behandlung von chronisch obstruktiver Bronchitis und Asthma beendet werde. Pfizer gebe alle bezüglich Daxas bestehenden Rechte an Altana zurück. Altana werde die Entwicklung von Daxas fortsetzen und übernehme dabei die alleinige Verantwortung, insbesondere für die laufenden Studien. Der Zulassungsantrag für Daxas in Europa wird laut Altana aktuell von den zuständigen Behörden bearbeitet.

          Rätselraten um die Gründe

          Eine Begründung nannte Altana nicht. Es sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag zu Dow Jones Newswires. Das öffnet natürlich der Spekulation Tür und Tor. Wenn zwei Pharmafirmen die Partnerschaft für ein Medikament beenden, kann dies persönliche, sachliche und wirtschaftliche Gründe haben.

          Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Altana in den vergangenen fünf Jahren.
          Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Altana in den vergangenen fünf Jahren. :

          Die beiden letzteren gehören dabei eng zusammen. Als sachliche Gründe kommen in Frage, daß die Ergebnisse der Studien keine hinreichende Wirksamkeit ergeben haben, so daß dies den wirtschaftlichen Erfolg des Medikaments in Frage stellt. Oder es zeichnet sich ab, daß weitere Entwicklungsarbeit notwendig ist, und das Medikament dadurch unrentabel wird oder die Entwicklungskosten davonlaufen.

          Die Tatsache, daß Altana die Rechte an Daxas wieder übernimmt, spricht dafür, daß die Initiative zum Ausstieg von Pfizer ausgeht. Da bei der Größe des amerikanischen Unternehmens Finanzierungsprobleme eher unwahrscheinlich sind, bleibt als Vermutung die mangelnde Wirtschaftlichkeit. Man steigt nicht aus der Entwicklung eines erfolgreichen Medikamentes einfach so aus.

          Prognosebestätigung wenig bedeutsam

          Möglicherweise könnte Altana Pfizer auch herausgekauft haben. Selbst wenn das der Fall ist, so kommen auf Altana doch kurzfristig erhöhte Belastungen zu. Erstens muß die künftige Entwicklungsarbeit allein geschultert werden, zweitens bedeutete dies unbekannte Kompensationen für Pfizer.

          Dagegen spricht, daß der Effekt auf die Öffentlichkeit und Börse sicherlich weniger negativ wäre, wenn die Hintergründe eines Herauskaufens veröffentlicht würden und somit für alle klargestellt wäre, daß Altana von Daxas vollkomen überzeugt ist.

          Die Tatsache, daß Altana die Prognose für das laufende Geschäftsjahr bestätigt hat, ist dagegen eher als weniger bedeutsam einzuschätzen. Das Unternehmen hat bereits eingeräumt, daß die Ausgaben für Forschung und Entwicklung im laufenden Jahr höher als ursprünglich geplant ausfallen werden, da Altana die Entwicklung nun alleine stemmen wird. Es gibt viele Wege, die Finanzziele trotzdem zu erreichen, wenn man die Mehrkosten gut managt. Außerdem waren die Ergebnisziele schon bei Vorlage der Zahlen für das erste Quartal leicht nach unten revidiert worden.

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