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Pharma/Spezialchemie : Milde Medizin für schwächelnde Merck-Aktie

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Nach mehreren schlechten Meldungen liefert Merck nun eine gute Nachricht: Der Pharma- und Spezialchemiekonzern hat deutlich mehr verdient als erwartet. Die Aktie kann milde Medizin aber auch gebrauchen.

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          Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat seine Aktionäre und die Beobachter in den vergangenen Monaten in Atem gehalten. Allerdings meist mit wenig vorteilhaften bis schlechten Nachrichten. Nach dem Kurswechsel in der Forschung und Entwicklung weg von der Diabetes und hin zu Krebs, der Ende Mai bekanntgegeben wurde, mußte Merck einen Fehlschlag ausgerechnet bei einem Krebs-Mittel berichten: Ein Impfstoff gegen Brustkrebs hatte die Hoffnungen nicht erfüllt. Zwei Wochen später vermeldete der Konzern eine Kapitalerhöhung - auch dieser Schritt wirkte sich kursbelastend aus.

          So kam es, daß sich die Merck-Aktie im Gegensatz zu anderem Pharma- und Chemietiteln wie Altana, Stada, Bayer oder Celanese nicht vorteilhaft entwickelt, sondern deutliche Kursverluste eingesteckt hat. Angesichts dessen dürften die neuesten Nachrichten aus dem Hause Merck den Aktionären wohl tun: Der Konzern hat zwar weniger umgesetzt, aber deutlich mehr verdient als von Analysten erwartet. Prognosen getoppt - so etwas mag die Börse. Die Merck-Aktie legt im vorbörslichen Handel um 2,5 Prozent zu. Sie kann milde Medizin aber auch gut gebrauchen. Denn von gesunden Zeiten ist sie noch entfernt.

          Lizenzgebühren und Kostenabbau befördern Gewinn

          Die Merck KGaA, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen amerikanischen Unternehmen, hat im zweiten Quartal sein operatives Ergebnis stärker gesteigert als von Analysten erwartet. Gründe waren unter anderem die Gewinnbeteiligung an einem Magenmedikament des Konkurrenten Schwarz Pharma in Amerika sowie ein Wachstum beim zuvor wegen Nachahmermitteln unter Druck geratenen Diabetesmedikaments Glucophage.

          "Merck hat seine solide Leistung im zweiten Quartal stabilisieren können, und wir sind auf gutem Wege zu einem erfolgreichen Geschäftsjahr", kommentierte Konzernchef Bernhard Scheuble am Donnerstag laut Reuters den Zwischenbericht. Der Umsatz ging zwar aufgrund des starken Euro von 1,865 auf 1,8 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis nahm aber im Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 35 Prozent auf 191 Millionen Euro zu. Analysten hatten nach einer Reuters-Prognose im Schnitt mit nur 182 Millionen Euro gerechnet. Und beim Nettogewinn hat Merck die Erwartungen deutlich überfüllt mit 83,7 nach 61,6 Millionen Euro vor einem Jahr; Analysten hatten mit 68 Millionen Euro gerechnet. Der Konzern hat also um 23 Prozent besser abgeschnitten.

          Höheres operatives Ergebnis erwartet

          Günstig auf das Ergebnis ausgewirkt hat sich, daß Merck die Verwaltungskosten gesenkt hat. Die Schwäche des Dollars hat - in Euro umgerechnet - die Ausgaben in den Vereinigten Staaten sinken lassen.

          Ausblickend erklärte Scheuble, Merck erwarte für das Gesamtjahr ein höheres operatives Ergebnis als im Vorjahr. Der Umsatz werde dagegen wohl prozentual einstellig zurückgehen. Die Prognose gelte allerdings unter der Annahme, daß der Euro auf seinem gegenwärtigen Niveau bleibe.

          Aktie zwar recht günstig bewertet, aber im Abwärtstrend

          Diese Worte dürften ebenso wie die jüngsten Zahlen der Aktie, die seit Mitte Juni fast 19 Prozent an Wert verloren hat, helfen - zumindest kurzfristig. Aus dem gemischten Ausblick läßt sich indes nur wenig Kursphantasie ziehen. Dabei ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14,9 im Branchenvergleich eher günstig bewertet: Altana kommt auf ein KGV von 17,7, Bayer auf eines von 15,5, und Schering ist mit 15,9 bewertet. Schwerer als die Bewertung dürfte allerdings der negative Trend wiegen. Der seit Anfang 2001 aufgebaute Abwärtstrend ist intakt und seit Mitte Juni bekräftigt.

          Aus diesem Tal dürfte Merck erst dann wieder kommen, wenn die Gewinne weniger aus Lizenzgebühren fließen und auf Kostenreduzierungen zurückzuführen sind, sondern auf steigende Umsätze eigener Produkte. Zudem muß der Konzern erst beweisen, daß sein Schwenk in der Forschung sich auch auszahlt. Insofern sollten Anleger von diesem Titel derzeit Abstand nehmen.

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