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Pharma : Schering-Aktie mit eingeschränkt guten Aussichten

  • Aktualisiert am

Der starke Dollar belastet Schering Bild: dpa

Für den Schering-Kurs ist entscheidend, dass die Aktie ihren langfristigen Aufwärtstrend nicht noch einmal unterschreitet.

          2 Min.

          An der Börse werden Zukunftserwartungen gehandelt. Deshalb verzeihen die Aktionäre am Freitag dem Pharmakonzern Schering, dass er Quartalsergebnisse unter den Erwartungen einiger Analysten abgeliefert hat. Schließlich hat Schering seine Wachstumsprognosen für das Gesamtjahr noch einmal bekräftigt: Betriebs- und Konzerngewinn sollen zweistellig wachsen, der Umsatz im hohen einstelligen Bereich steigen. Der Konzern sei „auf dem Weg in ein neues Rekordjahr“, melden die Agenturen.

          Das ist es, was an der Börse zählt. Im Xetra-Handel startete die Schering-Aktie mit einem Plus von fast drei Prozent in den Tag. Um 10.36 Uhr notiert der Titel bei 47,40 Euro immerhin noch mit 1,8 Prozent über dem Vortageskurs. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des geschätzten Gewinns liegt für das laufende Geschäftsjahr bei 19, für 2003 bei 16,5.

          Wechselkurseffekte und Preisreduzierungen belasten

          Schering hat seinen Betriebsgewinn im zweiten Quartal 2002 um sieben Prozent auf 185 Millionen Euro gesteigert. Analysten hatten im Durchschnitt einen Anstieg um fast 13 Prozent erwartet. Auch beim Umsatz hatten Analysten sich mehr erhofft als die erzielten 1,298 Milliarden Euro.

          Wechselkurseffekte haben den Schering-Umsatz nach unten gedrückt. Dennoch wuchs der Absatz des Konzerns auf dem weltweit wichtigsten Pharmamarkt USA im ersten Halbjahr um ein Fünftel und soll weiter zunehmen. Auch in Europa, dem wichtigsten Absatzmarkt für das Unternehmen, wuchs Schering. In Japan hingegen litt Schering unter Preisreduzierungen und Wechselkurseffekten, in Lateinamerika unter der Argentinien-Krise.

          Analysten nur halb zufrieden

          Analysten zeigten sich mit den vorgelegten Zahlen nur halb zufrieden. „Das Ergebnis liegt am unteren Ende der Erwartungen“, sagte Karl-Heinz Scheunemann vom Bankhaus Metzler. Die Analystin Meng Si von der Bankgesellschaft Berlin sagte: „Der Währungseinfluss war stärker als angenommen. Das operative Geschäft läuft aber gut, vor allem in den USA.“

          Andreas Theisen von der WestLB sagt, aus seiner Sicht habe Schering im ersten Halbjahr nicht enttäuscht. „Sie haben noch nicht zwischen den Zeilen gelesen“, so der Analyst zu anders lautenden Einschätzungen aus dem Handel. Die Währungseinflüsse, die Einmaleffekte und das unterschwellige Geschäft entwickeln sich seiner Meinung nach solide. Theisen sieht Erholungspotenzial für die Aktie.

          Für Merrill Lynch zeigen die Halbjahresergebnisse einen positiven Trend. Die Analysten gehen von einer Erholung der Aktie aus. Besonders das starke Wachstum der Betaferonverkäufe sollte die Ängste der Investoren beruhigen, heißt es. Das Multiple-Sklerose-Präparat ist weiterhin der wichtigste Umsatzträger von Schering. Das Medikament hat in den USA allerdings einen neuen Konkurrenten bekommen, seit im März das Produkt „Rebif“ der Serono die Zulassung erhalten hat. Stabile Umsätze soll künftig auch die neue Anti-Baby-Pille Yasmin bringen. Der Konzern wertete die Markteinführung des Präparats als sehr erfolgreich.

          Sorge um Hormonpräparate drückt den Kurs

          Der Schering-Kurs war während der Talfahrt der Märkte in den vergangenen beiden Jahren vergleichsweise stabil und behauptete sich sogar besser als andere Pharma-Kurse - bis er vor ungefähr zwei Wochen plötzlich einbrach. Damals verunsicherten Berichte über ein erhöhtes Krebsrisiko durch Hormonersatzprodukte den Markt.

          Seither ist das Schering-Papier von fast 65 Euro auf in der Spitze 46,15 Euro abgestürzt, noch unter das vergangenen September erreichte Tief von 46,61 Euro. Das entspricht einem Verlust von mehr als einem Viertel des Wertes. „Sollte der Kurs noch einmal unter das Septembertief fallen, könnte es zu einem Absinken bis 40 Euro kommen“, urteilt Alfred Kaiser, technischer Analyst bei Nols. Undenkbar ist das nicht: Bereits am Mittwoch gab der Schering-Kurs im Tagesverlauf auf 44,60 Euro nach und sank damit unter den langfristigen Aufwärtstrend, der bereits seit 1996 anhält. Um den schlingernden Kurs zu stützen, hat das Unternehmen am Freitag mitgeteilt, eigene Aktien im Wert von 250 Millionen Euro zurück kaufen zu wollen.

          Kann sich die Aktie aber innerhalb des Trends behaupten, hat der Wert durchaus Kurspotenzial. Anleger, die mit dem Gedanken spielen, Schering zu kaufen, sollten deshalb - neben der Entwicklung des Dollars - vor allem den Kurstrend im Auge behalten.

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