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Pharma : Pfizer-Aktie beunruhigt den Pharmasektor erneut

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt die Kursentwicklung von Pfizer in den vergangenen Jarhren in Dollar Bild:

Das Arthritis-Medikament Celebrex, das der Konzern Pfizer an Krebspatienten testete, erhöht offensichtlich das Herzinfarktrisiko. Die Versuche wurden gestoppt. Die Aktie des Konzerns steht massiv unter Druck.

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          Es hatte alles so schön ausgesehen in den vergangenen Tagen an der Börsen. Sie zeigten zwar keine sonderlich starke Dynamik, aber nach und nach krochen die großen Indizes angeführt von der Wallstreet immer weiter nach oben.

          Im Dow Jones Industrial und auch im S&P 500 legten in den vergangenen Tagen vor allem die Pharmawerte deutlich zu und zogen vergleichbare Werte weltweit mit nach oben. Auf Sicht von fünf Tagen legten die Aktien von Merck mehr als zehn Prozent zu, jene von Pfizer etwa sieben Prozent und die Papiere von Johnson&Johnson um etwas mehr als fünf Prozent.

          Pharmabranche begann sich gerade vom Vioxx-Skandal zu erholen ...

          Für diese Entwicklung dürfte einerseits die Übernahme- und Fusionsphantasie eine Rolle spielen, die nach dem Übernahme von Guidant durch Johnson&Johnson wieder aufgekommen war. Denn einerseits laufen den Unternehmen die rasch steigenden Forschungskosten davon, auf der anderen werden die Ausgaben für ihre Produkte in weiten Teilen der Welt auf Grund demographischer und fiskalischer Probleme immer öfter gedeckelt. Aus diesem Grund versuchen die Untenehmen einerseits, ihre Fixkosten immer weiter zu senken. Andererseits werfen sich natürlich ein Auge auf jene Segmente, die noch Wachstum verzeichnen. Aus diesen Gründen dürfte der Strukturwandel weiter anhalten.

          Nach zum Teil dramatischen Kursrückschlägen bei Merck auf Grund des vom Markt zurückgezogenen, umsatzstarken Medikaments Vioxx schien die Aktie langsam wieder das Vertrauen der Anleger zu Gewinnen und die zwischenzeitlich aufgekommene Verunsicherung mit Blick auf den Zulassungsprozeß von Medikamenten schien sich so langsam wieder zu legen. Immerhin kann die Aktie von Merck zumindest auf Basis der jüngsten Ausschüttung mit einer für amerikanische Verhältnisse hohen Dividendenrendite glänzen.

          ... nun kommt der Celebrex-Schock bei Pfizer

          Am Freitag gibt es allerdings eine neue Hiobsbotschaft für die Branche, vor allem aber für Pfizer, das größte Pharmaunternehmen weltweit. Denn eine Studie weist kardiovaskuläre Risiken beim Schmerzmittel Celebrex hin. Die Untersuchung zeigt bei Patienten, die täglich Dosen von 400 und 800 Milligramm des Medikaments einnahmen, die zweieinhalbfache Häufigkeit von tödlichen oder auch nicht tödlichen Herzbeschwerden an, im Vergleich mit Placebogaben. Das durchführende Institut habe auf Basis dieser Erkenntnis die Studie abgebrochen, teilte Pfizer mit. Die Aktie steht im frühen Handel massiv unter Druck und verliert bis zu 24 Prozent auf 21,99 Dollar im bisherigen Tagestief.

          Diese Entwicklung wirft die Aktie wieder deutlich zurück. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von elf und zehn auf Basis der recht hohen Gewinnschätzungen der Analysten für das laufende und das kommende Jahr wäre die Aktie zwar vergleichsweise günstig. Die Frage ist allerdings, ob sich die Prognosen nach dem Ausfall des Medikaments und dem möglicherweise langsam aufkommenden Mißtrauen gegenüber der Branche überhaupt noch realisieren lassen. Die Analysten von Goldman Sachs würden die Gewinnschätzung je Aktie für das kommende Jahr bei einem Rückzug des Medikaments um 41 Cents je Aktie reduzieren. Das würde den Wert der Aktie theoretisch um 5,25 Dollar reduzieren. Auf dieser Basis scheint der bisherige Kursverlust nicht übertrieben zu sein.

          Charttechnisch wirkt sich der aktuelle Kursverlust verheerend aus. Denn nach vergeblichen Erholungsversuchen in den vergangenen Tagen ist die Aktie nun aus dem schon Jahre anhaltenden Seitwärtstrend nach unten ausgebrochen und auf den tiefsten Stand seit gut sieben Jahren gefallen. Das sollte Anleger zu einer gewissen Skepsis verleiten. Die Branche, aber auch die Aufsichtsbehörden dürften ihren nun angeschlagenen Ruf erst einmal wieder nachhaltig reparieren müssen., bevor sie wieder auf das Vertrauen der Anleger treffen werden.

          Denn mit dem Risiko jederzeit möglicher, überraschender und massiver Kursverluste lassen sich Pharmaaktien längst nicht mehr zu den defensiven Werten zählen. Im Gegenteil, rein subjektiv und kurzfristig betrachtet mag mancher die Risiken höher einschätzen, als die Chancen.

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