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Pharma : Hoffnung auf Dax-Aufstieg stützt die Merck-Aktie

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Erleuchtet: Darf Merck in den Dax? Bild: AP

Der Chemie- und Pharmakonzern Merck gilt neuerdings als erster Kandidat für einen Aufstieg in den Dax. Diese Aussicht könnte die Notiz zwar kurzfristig beflügeln, mittelfristig spricht aber die hohe Bewertung gegen zu viel Kurselan.

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          Der Aktienkurs des Chemie- und Pharmakonzerns Merck KGaA konnte am Montag seine seit gut einem Monat zu beobachtende Kurserholung fortsetzen. Der Titel legte in einem leichteren Gesamtmarktumfeld im Xetra-Handel um 0,45 Prozent auf 75,77 Euro zu, wobei zwischenzeitlich in der Spitze sogar ein Tagesplus von fast zwei Prozent zu Buche stand.

          Gestützt wurde die Kursentwicklung von der Meldung, wonach sich der MDax-Vertreter inzwischen unter den dafür in Frage kommenden Kandidaten die besten Chancen auf einen Aufstieg in den Dax ausrechnen kann.

          Analystin Anke Platzek von der Landesbank Rheinland-Pfalz schrieb dazu in einer aktuellen Studie: „Sollte es der Postbank nicht gelingen, den Rückstand beim Börsenumsatz aufzuholen, könnte doch noch Merck das Rennen für sich entscheiden.“ Die Postbank-Aktie verlor daraufhin 1,20 Prozent auf 59,89 Euro. Die endgültige Entscheidung, wer Schering im deutschen Leitindex ersetzt, fällt am 15. September.

          Erster Nachrückkandidat für Schering

          Laut aktuellen Daten der Deutschen Börse liege Merck derzeit bei Handelsumsatz und Marktkapitalisierung mindestens auf Rang 35. Damit erfüllt das Unternehmen als einziges die Dax-Aufstiegskriterien. Kommt es tatsächlich zu einem Dax-Aufstieg von Merck, würde dies gewisse ironische Züge tragen. Denn dann würde Merck mit Schering ausgerechnet jenes Unternehmen ersetzen, mit dem sich die Darmstädter zusammen mit Bayer einen heißen Bieterwettkampf geliefert haben, und dabei letztlich den Kürzeren gezogen hat.

          Die Aussicht auf einen Aufstieg in einen bedeutenden Index wie dem Dax erweist sich im Vorfeld deshalb meistens als kursstützend, weil dadurch viele indexorientierte Fonds gezwungen sind, Positionen in dem betroffenen Papier aufzustocken. Wie die Erfahrung lehrt, hat sich der positive Effekt aber spätestens mit der effektiven Aufnahme erschöpft und dann zählen wieder nur die Bewertungskennzahlen darüber, ob eine Aktie steigt oder fällt.

          Hohe Bewertung spricht gegen neue Kursdynamik

          Und in dieser Hinsicht erweist sich Merck nicht unbedingt als heißer Kaufkandidat. Analysten rechnen zwar in diesem und im nächsten Jahr mit Verbesserungen beim Gewinn. Der im Schnitt für 2006 prognostizierte Gewinnanstieg von 3,45 Euro auf 3,88 Euro, bedeutet aber auch dann noch ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,5. Und diese Kennziffer bleibt mit gut 17 selbst dann noch relativ hoch, wenn man den für 2007 erhofften Gewinn je Aktie von 4,45 Euro als Grundlage heranzieht. Auch die Dividendenrendite von geschätzten 1,4 Prozent fällt nicht gerade üppig aus.

          Solche Bewertungskennziffern sprechen eher dagegen, daß der Titel den Aufwärtstrend der Jahre 2003 bis 2005 bald wieder aufnehmen kann. Vielmehr scheint es so, als ob mit den da verbuchten fulminanten Kursgewinnen der Neubewertungsprozeß weitgehend abgeschlossen wurde.

          Die Umstrukturierung des Chemie- und Pharmakonzerns ist mit dem bisherigen Verkauf von Sparten und Randaktivitäten zwar noch nicht abgeschlossen und beinhaltet folglich noch eine gewisse Phantasie. Aber was die Produktpipeline angeht, ist die Gesellschaft auf der Pharmaseite nicht allzu üppig besetzt. Unter dem Strich sollten sich Anleger trotz der Dax-Perspektive deshalb nicht zu einem voreiligen Engagement in der Merck-Aktie verleiten lassen.

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