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Pharma : Für die Schering-Aktie wird die Luft dünner

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Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Schering. Bild:

Mit durchwachsenen Umsatz- und Gewinnwahlen wartet Schering auf. Die Ausschüttung je Aktie soll steigen, aber die Dividendenrendite ist schwach, der Ausblick verhalten zuversichtlich - der Titel ambitioniert bewertet.

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          Mit gemischten Zahlen wartet Schering am Aschermittwoch auf. Etwaige Kopfschmerzen bei närrischen Anlegern dürften die Zahlen zwar nicht verstärken, aber um das Gemüt deutloch aufzuhellen, erscheinen sie nicht gut genug. Nach einem Gewinnrückgang im Vorjahr hat der Berliner Pharmakonzern Schering wie von Analysten erwartet 2004 den Gewinn kräftig gesteigert und ein Rekordergebnis erzielt. Nur Während der Konzerngewinn leicht über den Schätzungen der Analysten liegt, sind das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) und der Umsatz etwas schwächer als erwartet ausgefallen.

          Gut ankommen dürfte am Markt die zu erwartetende höhere Dividende. Schering will künftig einen Euro je Aktie ausschütten, also 7,5 Prozent mehr. Im inoffiziellen „Jahr der Dividende“ ist das grundsätzlich eine gute Nachricht, zumal die Steigerungsrate die Prognosen von Analysten trifft. Die daraus folgende Dividendenrendite von gut 18 Prozent ist aber im Vergleich zum Dax-Durchschnitt und zu anderen Branchenvertretern wie Altana, Bayer sowie GlaxoSmithKline unterdurchschnittlich.

          Der Ausblick ist verhalten zuversichtlich. Schering will den Umsatz in lokalen Währungen um einen mittleren einstelligen Prozentsatz steigern und die operative Marge, also das Verhältnis von Ebit zum Umsatz, von zuletzt 15,5 Prozent auf 18 Prozent im Jahr 2006 steigern. Angesichts dieser Gemengelage reagiert die Schering-Aktie im frühen Handel mit einem Minus von 0,5 Prozent auf 54,20 Euro, nachdem sie am Dienstag mit einem leichten Abschlag von knapp 0,3 Prozent bei 54,48 Prozent aus dem Handel gegangen war.

          Analyst: Zahlen unter dem Strich „in-line“

          Nach vorläufigen Zahlen beträgt der Betriebsgewinn 761 Millionen Euro. Das liegt im Rahmen der Schätzungen von Reuters befragter Analysten und übertrifft das Vorjahresniveau um elf Prozent. Das Ergebnis vor Steuern ist mit 752 Millionen Euro etwas schwächer ausgefallen als von Analysten erwartet; die Prognose lag bei 760 Millionen Euro. Unter dem Strich hat Schering 503 Millionen Euro verdient, sechs Millionen mehr als erwartet. Der Umsatz beläuft sich auf gut 4,9 Milliarden Euro und liegt damit etwas unter dem Rekordwert von 2002, was vor allem auf den schwachen Dollar zurückzuführen sein dürfte, sowie knapp unter der Konsensprgnose von 4,92 Milliarden Euro.

          Die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein lobt die Schering-Zahlen als „sehr solide“. Alexander Groschke von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) hat sich zurückhaltender geäußert. Er bestätigt Schering nach den Zahlen zunächst als „Marketperformer“. Die Ergebnisse seien unter dem Strich „in line“, so der Analyst zu Dow Jones Newswires. Auch der Ausblick liege im Rahmen der Erwartungen. Wichtig für die weitere Einschätzung würden erste klinische Ergebnisse zum Krebsmedikament PTK/ZK, das Schering gemeinsam mit Novartis entwickle. Das Krebsmedikament sei derzeit der große Hoffnungsträger mit Blockbuster-Potential in der Pipeline.

          Schwierigkeiten mit Krebsmittel

          Finanzvorstand Jörg Spiekerkötter sagte laut Reuters, Schering sei weiter auf dem Weg, 2006 einen Betriebsgewinn von 18 Prozent vom Umsatz zu erreichen. Dresdner Kleinwort Wasserstein sieht das genauso Das wichtigste Präparat des Konzerns, das Multiple-Sklerose-Medikament Betaferon, solle trotz stärkerer Konkurrenz vor allem auf dem amerikanischen Markt seinen Absatz weiter verbessern, so Spiekerkötter.

          Ein anderer Hoffnungsträger läßt indes auf sich warten: das Krebsmittel hat die Zulassung auf dem amerikanischen Markt doch noch nicht erhalten. Wie Anfang Januar bekannt geworden war, hat die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA habe noch Klärungsbedarf. Diese Nachricht ließ den Kurs der Aktie seinerzeit vom Zweieinvierteljahreshoch bei 56,65 Euro um gut fünf Prozent absacken. Dieses Niveau hat der Titel noch nicht erreicht.

          Trotz der Schwierigkeiten mit Bonefos will der Marktführer bei Verhütungsmitteln mit seinem „Focus"-Programm weiter die operative Marge steigern. Dabei setzt er aber nicht nur auf Innovationen bei Medikamenten, sondern setzt wie etwa die Deutsche Bank auch Mitarbeiter auf die Straße: Schering will die Hälfte seiner Produktionsstätten schließen und insgesamt 2.000 Stellen streichen. Der Konzern will sich mehr auf den margenstarken amerikanischen Markt konzentrieren.

          Aktie auch im Branchenvergleich für 2005 ambitioniert bewertet

          Analysten beurteilen die Aktie unterschiedlich. Während Groschke von der LRP in dem Titel eine Halteposition sieht, empfiehlt das Bankhaus Metzler den Titel mit dem Kursziel 60 Euro zum Kauf. Independent Research wiederum sieht die Aktie mit 48,50 Euro als gut bezahlt an und rät, den Titel zu reduzieren - der „als zu hoch“ eingeschätzten Bewertung wegen. Mit der gleichen Begründung sieht Helaba Trust das Papier als Verkauf an.

          In der Tat ist Schering mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 18 für dieses Jahr und 14,7 für 2005 höher bewertet als Altana (15,2/13,8), Sanofi-Aventis (15,2/13,4) oder GlaxoSmithKline (14,8/13,3); lediglich Bayer ist teurer. Die charttechnische Lage spricht indes grundsätzlich für Schering. Zwar ist der langfristige, seit Herbst 2000 ausgebildete langfristige Abwärtstrend noch nicht überwunden, doch bewegt sich die Notiz seit März 2004 mit Unterbrechungen verstärkt nach oben und hat den Kurstaucher von Anfang Januar insofern verkraftet, als sie den kurzfristigen Abwärtstrend rasch überwunden hat. Ein Kaufsignal würde sie aber erst bei einem Sprung über das Jahreshoch bei 56,65 Euro senden.

          Nachdem sie gemessen an der Kursentwicklung einer der Spitzentitel des Jahres 2004 im Dax war, ist sie in diesem Jahr einer der Verlierer. Angesichts des Ausblicks dürfte der Titel zwar noch etwas Potential haben, der Kurs aber nicht so stark steigen wie im vergangenen Jahr. Zumindest solange von der Zulassungs- und Forschungsfront keine neuen guten Nachrichten kommen. Mehr als eine Halteposition scheint Schering mithin derzeit nicht zu sein.

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