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Pharma : Börse gibt Schwarz Pharma satten Vertrauensvorschuß

  • Aktualisiert am

Produktion bei Schwarz Pharma Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Aktie von Schwarz Pharma befindet sich in einem eindrucksvollen Aufwärtstrend. Allerdings ist das Papier angesichts der vorgelegten und in den kommenden Monaten zu erwartenden Erträgen und denkbarer Risiken teuer.

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          Mit „Schwarz Pharma rutscht 2005 tief in die Verlustzone“ überschreiben manche Agenturen am Freitag die Meldung über die Umsatz- und Ertragszahlen des vergangenen Jahres. Grundsätzlich stimmt das auch, denn der Arzneimittelhersteller hat im vergangenen Jahr wegen anhaltend hoher Forschungskosten und Sonderbelastungen seinen Verlust ausgeweitet.

          Allerdings wird die relativ harsche Headline in einem Nachsatz relativiert: „Schwarz Pharma rutschte operativ weniger tief in die roten Zahlen als von Analysten erwartet“ hieß es dann und machte damit deutlich, daß die Überschrift wohl mißverständlich aufgenommen werden kann.

          Verlust wegen starken Investitionen

          Wegen des Erwerbs der vollständigen Lizenzrechte für den Parkinson-Wirkstoff Rotigotin sei ein Betriebsverlust von 17 Millionen Euro entstanden, teilte Schwarz Pharma mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem Betriebsverlust von 28,5 Millionen Euro gerechnet. Unter dem Strich habe sogar ein Verlust von 54,1 Millionen Euro gestanden, weil der Erwerb der vollständigen Rechte an dem Wirkstoff Rotigotin die Kasse von Schwarz Pharma im Sommer einmalig mit mehr als 50 Millionen Euro belastet hatte. Dafür entfallen künftige Lizenzzahlungen. Dagegen stieg der Umsatz um 4,6 Prozent auf 990,6 Millionen Euro und lag damit deutlich über den Analystenerwartungen von 955,4 Millionen Euro. Die Aktionäre sollen eine stabile Dividende von 20 Cent je Aktie erhalten.

          Für das laufende Jahr stellte Schwarz Pharma einen Umsatz von nur noch 900 Millionen Euro in Aussicht. Trotz der mit der Markteinführung des Parkinsonpflasters Neupro und der Weiterentwicklung der Entwicklungsprojekte verbundenen hohen Kosten werde aber ein ausgeglichenes Jahresergebnis angestrebt.

          Für Schwarz Pharma war das Jahr 2005 nach eigener Einschätzung ein Übergangsjahr, in dem sich der Konzern auf die Entwicklung seiner neuen Medikamente konzentrierte. Für den Hoffnungsträger Neupro zur Behandlung der Parkinson-Erkrankung im frühen Stadium laufen bereits die Zulassungsverfahren in Europa und in den Vereinigten Staaten. Neupro ist einer der größten Hoffnungsträger der Monheimer Firma mit erwarteten Spitzenumsätzen von rund 350 Millionen Euro im Jahr. Die Zulassung in Europa erwartet Schwarz Pharma noch für das erste Quartal.

          Aktie mit Blick auf die Gewinnschätzungen völlig überbewertet

          Ende März soll die Zulassung für das Medikament Fesoterodin gegen Inkontinenz beantragt werden. Die Zulassungsanträge würden bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA und bei der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA gestellt, teilte Schwarz Pharma am Freitag mit. Schwarz Pharma traut Fesoterodin gegen Inkontinenz ein Umsatzpotential von 450 Millionen Euro im Jahr zu.

          Solche Nachrichten hören sich gut an. Die Börsianer scheinen sich davon beeindrucken zu lassen, auch wenn die Fakten bisher alles andere als hart sind. Immerhin befindet sich die Aktie des Unternehmens schon seit Monaten in einem Aufwärtstrend und hat ausgehend von einem Zwischentief bei 16,90 Euro im Oktober des Jahres 2003 inzwischen knapp 240 Prozent auf zuletzt 57,28 Euro zugelegt. So etwas kann man einen satten Vertrauensvorschuß nennen.

          Immerhin ist die das Kurs-Gewinnverhältnis des vergangenen Jahres negativ und für das laufende Jahr liegt es auf Basis von Konsensschätzungen bei 400. Das heißt, künftig muß schon vieles sehr gut laufen, um solche Kurse zu rechtfertigen. Wer auch immer die Papiere im Depot liegen hat, sollte Absicherungsstrategien wohl nicht vergessen.

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