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Pharma : Aktie von Sanofi-Aventis braucht neue gute Nachrichten

  • Aktualisiert am

Werk von Sanofi-Aventis im ungarischen Ujpest Bild: Sanofi-Aventis

Sanofi-Aventis hat im Schlußquartal 2005 etwas weniger verdient als erwartet, aber die Gewinnprognose fürs Gesamtjahr angehoben. Aussagen für 2006 stehen indes noch aus. Mithin dürfte die bisher solide laufende Aktie keine großen Sprüngen machen.

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          Zum Wochenauftakt kann sich die Aktie von Sanofi-Aventis der Schwerkraft nicht entziehen. An der Heimatbörse in Paris fällt die Notiz um knapp ein Prozent auf 74,90 Euro und mithin etwas deutlicher als der CAC 40-Index. Dies dürfte im Falle des Pharmariesen weniger als beim Index mit Gewinnmitnahmen zu tun haben als mit den neuen Nachrichten aus dem Unternehmen.

          Der französische Pharmakonzern hat im vierten Quartal seinen Umsatz gesteigert, aber nicht ganz so viele Euro erlöst wie erwartet. Positiv: Sanofi-Aventis hat gleichzeitig die Gewinnprognose für das Jahr 2005 angehoben. Letzteres reicht aber nicht, um der Aktie neue Kraft zu geben. Denn Analysten und Investoren warten auf neue Aussagen zum Umsatztreiber „Plavix“ und dem neuen Hoffnungsträger „Acomplia“, einem Mittel, das auf die Vorbeugung und Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen und Stoffwechselstörungen bei Fettleibigkeit zielt und dessen Zulassung für dieses Jahr erwartet wird. Gleiches gilt für das Medikament „Dronedarone“, das gegen Herzrhythmusstörungen eingesetzt wird.

          Umsatzsprung bei Impfstoffen

          Für das abgelaufene Quartal gab Sanofi-Aventis einen Umsatzzuwachs von 4,8 Prozent auf 7,007 Milliarden Euro bekannt. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt 7,093 Milliarden Euro erwartet, von Dow Jones konsultierte Experten 7,25 Milliarden Euro. Positiv auf den Umsatz hat sich den Angaben zufolge die hohe Nachfrage nach Impfstoffen und Blutverdünnern ausgewirkt. Bei Impfstoffen wuchsen die Umsätze demnach um 50 Prozent, da der Absatz in Amerika so stark war wie noch nie, wie es hieß. Mit dem Gerinnungshemmer „Plavix“ hat der Konzern 17 Prozent mehr erlöst als vor Jahresfrist.

          Indes seien die Umsätze durch schwächere Geschäfte mit solchen Medikamenten belastet worden, für die es Konkurrenz durch Nachahmer-Medikamente gebe, etwa bei beim Allergiemittel „Allegra“. Bereinigt um Währungseffekte habe der Umsatzzuwachs sieben Prozent betragen.

          Mit Blick auf das Allergiemittel hat Sanofi-Aventis vergangene Woche eine unangenehme Nachricht hinnehmen müssen: Das Bezirksgericht in New Jersey hat es abgelehnt, die Vermarktung der Nachahmerversion von „Allegra“ zu untersagen, teilte die amerikanische Pharmafirma Barr am Freitag mit. Barr hat im September in Amerika die Erlaubnis erhalten, ein Generikum zu vertreiben. Sanofi-Aventis will den Verkauf von Kopien aber bis zum Patentauslauf verhindern. Das letzte dieser Patente erlischt im Jahr 2017. Zudem steht für April ein Prozeß zu „Plavix“ in den Vereinigten Staaten an.

          Obwohl der Konzernumsatz etwas unter den Prognosen geblieben ist, steht es um die Ertragskraft gut: Der bereinigte Gewinn je Aktie ist demnach im abgelaufenen Jahr voraussichtlich um einen Wert „nahe 25 Prozent“ gestiegen. Bislang hatte der Konzern einen Zuwachs von mindestens 20 Prozent vorhergesagt.

          Aktie günstiger als Konkurrenztitel

          Die Umsatzentwicklung von Sanofi-Aventis ist nach Ansicht von KBC im vierten Quartal enttäuschend ausgefallen. Analyst Christophe Vanvaeck ist zudem wenig überrascht von der angehobenen Unternehmensprognose. Traditionell sei der Vorstand bei seinen Ausblicken konservativ. Als einziges positives Element macht er die gute Entwicklung des Impfstoffgeschäfts aus. KBC bestätigt die Einstufung „neutral“ und das Kursziel von 76 Euro.

          Dagegen empfiehlt Thomas Brenning vom Helaba Trust das Papier weiter zum Kauf, ohne ein Kursziel zu nennen. Die Umsatzzahlen seien nicht so dramatisch, sagte er zu FAZ.NET. Der grundsätzliche Trend bei der Ertragskraft ist aus seiner Sicht bei dem Konzern, der in diesem Jahr rund 1,6 Milliarden Euro sparen will, intakt. Und die Chancen, so bald kein Generikum zu dem bis 2011 geschützten „Plavix“ in Amerika hinnehmen zu müssen, bewertet der Analyst als gut. Die Forschungs-Pipeline nennt er solide.

          Für die Aktie spricht sicherlich die Bewertung. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,6 ist der Titel günstiger als AstraZeneca (14,7), GlaxoSmithKline (16,5) und Novartis (17,8) und angesichts des Ergebniswachstum nicht teuer. Unter den europäischen Pharmawerten sei Sanofi im Hinblick auf das KGV die preiswerteste Aktie, bestätigen Lehman Brothers. Bei der Dividendenrendite liegen die Franzosen indes mit einem erwarteten Wert von 2,1 Prozent hinter AstraZeneca (2,85) und GlaxoSmithKline (3,2), aber vor Novartis (1,9).

          Besser bis Ende Februar warten

          Zudem stimmt der übergeordnete Trend. Um den kurzfristigen, seit Ende Oktober ausgebildeten Aufwärtstrend, aus dem sie vergangene Woche schon einmal kurz gerutscht war, muß die Aktie aber kämpfen. Charttechnisch unterstützt ist sie bei knapp 74 Euro. Sollte diese Marke nicht halten, wäre bei etwa 72 Euro der nächste mögliche Haltepunkt.

          Angesichts des Mangels an neuen Nachrichten zur Zukunft drängt sich der Titel derzeit nicht auf, ist aber eine komfortable Halte-Position. Wer mit dem Papier liebäugelt, sollte noch gut drei Wochen warten: Am 24. Februar will der Konzern den Jahresabschluß vorlegen. An diesem Tag dürften auch Neuigkeiten zu „Plavix“ & Co. auftauchen.

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