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Pharma : Aktie von Novartis strategisch gut fundiert

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Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Aktie von Novartis in den vergangenen Jahren in Euro Bild:

Mit einem leichten Kursgewinn reagiert die Aktie von Novartis auf die Bekanntgabe einer neuen Übernahme im Generikabereich. Sie ist vernünftig bewertet und sollte langfristig von der eingeschlagenen Strategie profitieren können.

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          Die Pharmabranche hat es nicht leicht gehabt in den vergangenen Monaten. Auf der einen Seite wurde und wird die Entwicklung der Branche gehemmt durch die beinahe schon weltweiten Bemühungen um Kostendämpfung im Gesundheitswesen. Auf der anderen Seite sorgten zumindest in den Vereinigten Staaten einzelne umsatzträchtige Medikamente für Furore, da sie auf Grund von unerwarteten Nebenwirkungen wenigstens vorübergehend vom Markt genommen werden mußten.

          Auch wenn es nun so aussieht, als ob daraus abgeleitete Umsatz- und Schadenersatzsorgen überzogen gewesen sein mögen, die ursprünglich optimistischen Erwartungen dürften kaum zu erfüllen sein. Allerdings gibt es innerhalb der Branche weltweit jede Menge Bewegung. So gibt es beispielsweise in Japan Übernahme- und Fusionsgerüchte und -bestrebungen. Denn der Markt scheint dort noch stark fragmentiert zu sein. Unternehmen könnten von einer Konsolidierung profitieren, da sie auf diese Weise unter anderem die Fixkosten der immer teurer werdenden Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten senken könnten.

          Novartis weiterhin auf Einkaufstour im Generikabereich

          Auch in Europa gibt es Neuigkeiten. So hat der Schweizer Pharmariese Novartis bekannt gegeben, den Generikahersteller Hexal zu übernehmen und an der amerikanischen Eon Labs für insgesamt 5,65 Milliarden Euro einen Mehrheitsanteil von 67,7 Prozent zu erwerben. Damit wird der Schweizer Konzern nach eigenen Angaben vom Montag zum weltweit führenden Unternehmen für Nachahmerprodukte. Für die restlichen Aktien von Eon Labs will Novartis ein Kaufangebot zu 31,00 Dollar pro Aktie machen, hieß es weiter. An Kostensynergien werden 200 Millionen Dollar jährlich innerhalb von drei Jahren nach Abschluß der Tranksaktion erwartet, 50 Prozent davon sollen innerhalb von 18 Monaten realisiert werden, so Novartis weiter. Beide akquirierten Firmen sollen in die Novartis-Division Sandoz integriert werden. Die Transaktionen sollen innerhalb von zwölf Monaten nach Abschluß ertragswirksam werden.

          Der kombinierte Pro-forma-Umsatz von Sandoz werde sich im Jahr 2004 auf 5,1 Milliarden Dollar belaufen, so Novartis weiter. Das Portfolio enthalte über 600 Wirkstoffe in mehr als 5.000 Formulierungen und über 20.000 Mitarbeitenden. Der bisherige Spitzennreiter im Generikageschäft, Teva Pharmaceuticals ist damit auf Platz zwei verwiesen. Hexal hatte im Jahr 2004 einen Umsatz von 1,65 Milliarden Dollar erzielt, so Novartis. Insgesamt beschäftige Hexal 7.000 Mitarbeitende. Eon Labs verzeichnete im Jahr 2004 einen Umsatz von 431 Millionen Dollar, die Firma beschäftigt rund 500 Mitarbeitende. Die bisherigen Hexal-Eigentümer Andreas und Thomas Strüngmann sowie ihre Familien hielten über eine Holding eine Beteiligung von 67,7 Prozent an Eon Labs. Eon Labs hatte mit Hexal schon zuvor eine strategische Partnerschaft unterhalten, hieß es weiter. Die wichtigsten Hexal-Produkte sind die Nachahmerprodukte des Magenmittels Prilosec des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca und der Cholesterinsenker Zocor, ursprünglich von der Pharmafirma Merck.

          Unternehmen stebt breite, starke Marktstellung an

          Damit bestätigt sich die Strategie von Novartis immer mehr, sich auf Grund einer breiten Produktpipeline bei originären Produkten, aber auch im Bereich der Generika eine starke Marktstellung insgesamt zu erarbeiten. Novartis kauft für fast das Dreifache des Umsatzes zu. Dieser Preis liegt nach Ansicht eines Analysten von Lombard Odier Darier Hentsch am oberen Rand der Erwartungen. Das Geschäft sei ein strategischer Schritt, der allerdings sinnvoll sei. Und das ist genau das, was der Markt mittel- und längerfristig erkenne dürfte. Denn die kombinierte Strategie - starkes Originalgeschäft und eine ebenso starkes Generikageschäft dürfte die bestmögliche Strategie sein, die man in dieser Branche verfolgen dürften könnte.

          Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 17,9 und 16 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr ist die Aktie vernünftig bewertet. Eine Dividendenrendite von 1,83 Prozent ist auch nicht völlig zu verachten. Immerhin kauft das Unternehmen gleichzeitig ständig eigene Aktien zurück und verfügt selbst nach den Akquisitionen noch über einen satten Liquiditätsbestand. Mittelfristig befindet sich die Aktie in einem Aufwärtstrend, der in den vergangenen Monaten aber immer zwischen 50 und 60 Franken gedeckelt war. Insgesamt dürfte die Rückschlagsgefahr in der Aktie begrenzt sein. Gleichzeitig dürfte sie in einem anhaltend positiven Umfeld Kurspotential haben. Vor allem dann, wenn es gelingen sollte, die bisherige Widerstandszone bei 61 Franken nach oben zu überwinden.

          Möglicherweise lassen sich aber interessantere Aktien dort finden, wo größere Pharmaunternehmen künftig noch zugreifen könnten. Das zeigt sich am Montag an einem Kursplus von 7,7 Prozent bei Stada. Denn auch hier gibt es immer wieder eine gewisse Übernahmephantasie. Möglicherweise könnten Anleger aber auch in Asien fündig werden.

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