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Pharma : Aktie von Bayer unter Druck

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Pharmawerte gelten gemeinhin als defensive Werte. Allerdings gibt es unternehmensspezifische Ausnahmen. Derzeit zählt die Aktie der Bayer AG dazu.

          Pharmawerte gelten gemeinhin als defensive Werte. Ihre Kurse entwickeln sich im Rahmen von Krisen und damit verbundenen Verkaufswellen an den Börsen in der Regel vergleichsweise robust, die die Nachfrage nach ihren Produkten üblicherweise unabhängig von konjunkturellen Schwankungen ist.

          Allerdings gibt es unternehmensspezifische Ausnahmen. So zählte die Aktie der Bayer AG in den vergangenen Monaten zu den schwächeren Werten im Dax und im F.A.Z.-Index. Am Dienstag ist sie mit Kursverlusten von bis zu 13,4 Prozent auf 35,4 Euro eindeutig die schlechteste Aktie im Markt, nachdem sie seit Jahresbeginn knapp 35 Prozent ihres vorherigen Wertes verloren hatte.

          Enttäuschung bei „Umsazthoffnungsträger“?

          Für die aktuelle Kursschwäche sind Meldungen verantwortlich, nach welchen bei seinem Hoffnungsträgerprodukt Xarelto womöglich einen Rückschritt in den Vereinigten Staaten hinnehmen muss. Es mangele an Beweisen, dass der Gerinnungshemmer zur Prävention von Schlaganfällen bei Patienten mit Vorhofflimmern „den gewünschten Effekt“ habe, erklärte ein am Dienstag auf der Homepage der amerikanischen Gesundheitsbehörde Food and Druck Administration (FDA) veröffentlichtes Dokument, das die Analyse interner Experten wiedergibt. Zudem gebe es „ungenügende Informationen“ zur Sicherheit des Mittels. Als größtes Risiko gelten Blutungen, heißt es weiter.

          Das Schreiben dient einem Gremium externer Berater der FDA als Diskussionsgrundlage, wenn es am Donnerstag über eine Empfehlung für Xarelto in dieser Indikation berät. Die FDA ist in ihrer endgültigen Entscheidung über die Zulassung des Medikaments nicht an diese Empfehlung gebunden, folgt ihr aber in der Regel. Eine Zulassung als „Zweit- oder Drittlinientherapie“ halten die FDA-Experten dabei jedoch für möglich. Ein Bayer-Sprecher sagte, der Konzern sei von den Daten von Xarelto nach wie vor überzeugt. Jetzt müsse abgewartet werden, ob das Beratergremium der FDA gegebenenfalls noch weitere Informationen anfordere. Bayer sei aber weiterhin optimistisch, eine Zulassungsempfehlung zu erhalten.

          Xarelto hatte sich in einer Studie zur Prävention von Schlaganfällen bei Patienten mit Vorhofflimmern der Standardtherapie mit „Warfarin“ bei einem ausgeglichenen Sicherheitsprofil überlegen gezeigt. Sollte das Beratergremium empfehlen, weitere Informationen von Bayer zu verlangen, könnte dies die Markteinführung von Xarelto verzögern. Die FDA will über eine Zulassung Anfang November entscheiden.

          Allerdings besteht nicht nur ein Zulassungsrisiko, sondern auch mit zunehmender Konkurrenz ist zu rechnen. Denn neben dem von Bayer und Johnson & Johnson gemeinsam zu vermarktenden Produkt werden demnächst weitere Gerinnungshemmende Medikament von Boehringer Ingelheim, Pfizer und Bristol-Myers Squibb auf den Markt kommen, die vom Markt teilweise als überlegen betrachtet werden könnten, wie es heißt.

          Aktie optisch günstig - Vorsicht vor fallendem Messer

          Trotzdem könnten die Erlöse mit dem Verkauf von Xarelto alleine in den Vereinigten Staaten bis zum Jahr 2015 auf bis zu 1,2 Milliarden Dollar steigen, erklären Analysten. In Europa ist das Medikament schon seit dem Jahr 2008 auf dem Markt. Es könne künftig Spitzenumsätze von insgesamt bis zu sechs Milliarden Euro oder bis zu 15 Prozent der Gesamterlöse von Bayer einbringen, heißt es weiter. Auf dieser Basis wäre eine Verzögerung oder gar Ablehnung der Zulassung nachteilig für die Zukunftsperspektiven des Unternehmens.

          Auf der anderen Seite jedoch haben die Aktien des Unternehmens in den vergangenen Tagen und Wochen schon einen großen Teil der möglicherweise enttäuschenden operativen Entwicklung vorweggenommen. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 7,8 und 7,2 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr und einer Dividendenrendite von vier Prozent sehen die Papiere zumindest optisch attraktiv aus. Allerdings empfiehlt sich der Kauf der Papiere erst dann, wenn sich die Ungewissheiten bezüglich der Produktpipeline verzogen haben und wenn sich die Lage an den Aktienmärkten beruhigt haben wird. Börsenweisheiten warnen vor dem Griff in „fallende Messer“.

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