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PC-Hersteller : Nur vereinzelt Chancen

PC-Bauers Schrecken Bild: AFP

Nach der Gewinnwarnung von HP waren die Sorgen um die Ergebnisse der PC-Herstellet groß. Dell zeigte mit seiner Ergebnisvorlage, dass es nicht unter Druck steht. Indes sind die Aussichten der Branche recht gemischt.

          4 Min.

          Manchmal braucht man neue Begriffe. Die Abkürzung PC, also „Personal Computer“, stand erst nur für ortsgebundene Rechner, dann schloss sie Notebooks mit ein, doch nun beginnt sich mit den Tablet-Computern eine weitere Spielart des „Persönlichen Rechners“ zu etablieren.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Bedeutung dieser Entwicklung zeigen die jüngsten Zahlen, die das Marktforschungsinstitut Gartner über den PC-Absatz in Westeuropa veröffentlichte. Demnach ist der Absatz im ersten Quartal im Jahresvergleich um 17,8 Prozent auf 14,7 Millionen Geräte gefallen.

          Acer am stärksten unter Tablet-Druck

          Zwar lag das auch daran, dass Verbraucher mit der Anschaffung eines neuen PCs länger warten, aber eben auch der Kauf von Tablet-Computern war eine Ursache. Deren Absatz wird aber in den Gartner-Zahlen nicht berücksichtigt.

          Bild: F.A.Z.

          Die großen Hersteller mussten massive Einbrüche einstecken. Am schwersten traf es Acer mit einem Minus von 30 Prozent. Der Dell-Absatz fiel um 22 Prozent, bei Asus gab es ein Minus von 12 Prozent. Der Markt war so schwach, dass Hewlett-Packard mit einem Absatzrückgang von 15,9 Prozent die Marktführung noch ausbauen konnte - von 22,8 auf 23,4 Prozent Marktanteil.

          Und es ist kein westeuropäischer Trend allein. Weltweit sank im ersten Quartal der PC-Absatz um 1 Prozent. Größter Verlierer waren auch da Acer mit einem Minus von mehr als 12 Prozent. Die Taiwanesen leiden besonders stark, weil die Tablets vor allem den Mini-Notebooks Konkurrenz machen, bei denen das Unternehmen führend ist. Größter Gewinner war die chinesische Lenovo mit einem Plus von einem Sechstel. Grundlage des Erfolgs ist schlicht der Preis.

          Hewlett-Packard unter Druck, Dell glänzt

          Da passte es, dass der Marktführer Hewlett-Packard seine Umsatzprognose für das laufende Jahr um eine Milliarde Dollar auf 129 Milliarden senkte und für das laufende Quartal einen gewinn von 1,08 Dollar je Aktie in Aussicht stellt, während Analysten noch mit 1,23 Dollar rechneten.

          Das hatte auch Sorgen hinsichtlich der bevorstehenden Zahlenvorlage von Dell ausgelöst, doch die zerstreuten sich, sobald die Daten vorlagen. Im ersten Quartal seines Geschäftsjahres 2011/2012 hat Dell mit 945 Millionen Dollar dank einer starken Nachfrage von Unternehmenskunden und vorteilhafter Komponentenpreise fast mehr als dreimal so viel verdient wie im Vorjahreszeitraum. Die Bruttomarge verbesserte sich deutlich auf 22,9 Prozent von 16,9 Prozent.

          Der Umsatz wuchs unerwartet sogar um 1 Prozent auf 15,02 Milliarden Dollar. Dell selbst hatte noch im Februar einen leichten Rückgang im Vergleich zum Vorquartal in Aussicht gestellt.

          Zudem erhöhte Dell die Prognosen: Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern nun ein Umsatzwachstum zwischen 5 und 9 Prozent. Der Betriebsgewinn soll um 12 bis 18 Prozent steigen. Vorher hatte Dell ein Gewinnplus von 6 bis 12 Prozent in Aussicht gestellt. Das Umsatzplus im laufenden Quartal werde in einer mittleren einstelligen Spanne liegen. Besonders die Nachfrage von Behörden werde hier den Umsatz treiben.

          Spezielle HP-Probleme

          Das zeigt, dass der Tablet-PC nicht per se den Niedergang der Branche eingeläutet hat, auch wenn er ihr nicht eben das Leben erleichtert. Im Gegenteil: Apples PC-Absatz in Westeuropa stieg im ersten Quartal um 10 Prozent. Besonders stark legten die Apple-Notebooks mit einem Sprung von 32 Prozent zu. Möglicherweise ist dies eine Sogwirkung des iPads, wobei Apple in Deutschland einen starken Absatzrückgang verzeichnete.

          Vielmehr sehen Analysten die wesentlichen Probleme bei Hewlett-Packard in der Dienstleistungssparte. Hier müsse der Konzern beweisen, dass er in der Lage sei, seinen Kunden den Übergang zum sogenannten „Cloud Computing“, der dezentralisierten Auslagerung von Daten und Anwendungen auf externe Rechenzentren, zu erleichtern.

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