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PC-Aktien : Große Hersteller im Umbruch

Bild: AFP

Der Markt für klassische PCs schrumpft. Acer kämpft gegen Verluste, Dell ist gedanklich schon anderswo, HP sucht einen Weg und Lenovo macht das Rest-Geschäft.

          Das Zeitalter des PCs neigt sich dem Ende zu. Diesen Eindruck gewinnt man wenigstens dann, wenn man auf die jüngsten Ergebnisveröffentlichungen der PC-Hersteller blickt. Am Dienstag vermeldete Hewlett-Packard (HP), dass der Gewinn des Unternehmens im vierten Geschäftsquartal nur noch 239 Millionen Dollar betrug, nachdem HP im Vorjahr noch 2,538 Milliarden Dollar verdient hatte. Der Umsatz ging um drei Prozent auf 32,12 Milliarden Dollar zurück. Im Gesamtjahr sank der Gewinn um 19 Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar, der Umsatz stieg nur leicht um ein Prozent auf 127,2 Milliarden Dollar.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dell verzeichnete im dritten Geschäftsquartal einen stagnierenden Umsatz von 15,4 Milliarden Dollar und nur dank Einsparungen konnte der Konzern den Gewinn um 9 Prozent auf 893 Millionen Dollar steigern.

          Hoffnungsträger Ultrabooks

          Acer verzeichnete im dritten Quartal trotz eines um 15 Prozent höheren Absatzes einen Verlust von 1,1 Milliarden Taiwan-Dollar (knapp 27 Millionen Euro), nach einem Verlust von 6,8 Milliarden Taiwan-Dollar im zweiten Quartal. Im vierten Quartal soll wieder ein Gewinn anfallen. Besser lief es diesmal für Asustek, die bei einem Umsatzanstieg von 24 Prozent den Reingewinn um 11 Prozent auf 4,7 Taiwan-Dollar (114 Millionen Euro) steigern konnten.

          Indes reißen die Spekulationen um deutliche Geschäftsrückgänge nicht ab. Asus und Acer hatten sich viel von ihren neuen Notebook-Reihe, den „Ultrabooks“ versprochen. Dieses besonders kleine und leichte Notebook mit Intel-Prozessor soll mit langer Batterielaufzeit, und dem Tablet-PC nachempfunden Eigenschaften diesem sowie Apples Macbook Air und Netbooks Konkurrenz machen. Doch die ersten Bestellungen blieben weit unter den Erwartungen. Beide Hersteller werden jeweils bis zum Jahresende 100.000 Ultrabooks ausliefern, erwartet wurden 200.000 bis 300.000. Als Grund wird ein zu hoher Preis gegenüber dem Macbook Air genannt, wobei dies aber dem Vernehmen nach nicht überhöhten Gewinnspannen, sondern hohen Kosten geschuldet sei.

          Allerdings beruht diese Hiobsbotschaft auf Meldungen der umtriebigen taiwanesischen Digitimes, die sich aber häufig als nicht zutreffend erweisen haben. Die Marktforscher von IHS-iSuppli prognostizierten vor zwei Wochen den Ultrabooks bis 2015 einen Marktanteil von mehr als 40 Prozent bei Laptops. Derzeit liegt dieser bei 2 Prozent.

          Weiter gegen Tablet-Windmühlen

          Dementiert wurde zumindest teilweise auch eine weitere Meldung der Digitmes, wonach Asus, Dell und Acer sich aus dem Tablet-Markt zurückziehen wollten. Asus und Dell bestritten entsprechende Pläne, Acer dementierte dieser gegenüber der FAZ ebenfalls. Erfolgreich aber sind die Produkte alle bisher nicht. Lediglich Amazons Kindle Fire kann sich gegenüber Apples iPad behaupten, doch zu einem hohen Preis. Externen Schätzungen zufolge legte Amazon je Gerät 10 Dollar drauf.

          Dell hat sich mit dem Zukauf von nicht weniger als neun Firmen in den vergangenen 12 Monaten den Herausforderungen zu stellen. Das Unternehmen setzt auf Speicherlösungen und Cloud Computing und kann sich derzeit so jenseits eines schwachen PC-Geschäfts behaupten.

          Das wird sich wohl auch frühere Zuwachsraten nicht mehr erreichen. Die Marktforschungsfirma Gartner hat ihre Prognosen für das PC-Geschäft deutlich gesenkt. Dell ist mittlerweile nur noch die Nummer drei hinter HP und Lenovo.

          Hektische Betriebsamkeit bei HP

          Derweil ist bei HP hektische Betriebsamkeit ausgebrochen. Der kurzzeitige HP-Chef Léo Apotheker hatte Mitte August die Trennung vom PC-Geschäft erwogen und den Bau des Tablet-Computers Touchpad eingestellt. Er wurde gefeuert, und seine Nachfolgerin Meg Whitman ruderte sofort zurück. Analysten honorieren den Richtungswechsel allerdings. Die Zahlen stellten eine Stabilisierung dar, hieß es, andere sehen HP in einer Übergangssituation.

          Letztlich gilt dies für alle klassischen PC-Hersteller, die alle unter dem Druck eines sich rasch verändernden Marktes stehen, in dem Apple bisher das Tempo bestimmt. Selbst dem chinesischen Computerbauer Lenovo, der sich bislang Kostenvorteile zunutze machen konnte, empfehlen Marketingstrategen wie Al Ries von Ries & Ries einen Strategiewechsel, nachdem die Reingewinnmarge des Unternehmens seit 2005 auf ein Viertel geschrumpft ist.

          Lenovo macht das Basis-Geschäft

          Indes steht der neue Vorstandsvorsitzende Yang Yuanqing, der erst zu Monatsbeginn dem Gründer Liu Chuanzhi nachfolgte, zum klassischen PC-Geschäft. Auch Analysten sehen gerade in China noch Wachstumspotential für preiswerte traditionelle PCs. Immerhin hat Lenovo im September endenden zweiten Geschäftsjahresquartal den Gewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 88 Prozent auf 144 Millionen Dollar steigern können, obgleich die Umsätze nur um 35 Prozent stiegen.

          Die Branchen-Unternehmen befinden sich derzeit in einer schwierigen Situation, soweit sie Grundversorgungsgüter für die entwickelten Märkte produzieren, wozu man herkömmliche Laptops und vor allem PCs zählen muss. Insofern sagen die Bewertungen der Aktien mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen für das laufende und kommende Jahr von 6 (HP) bis 9 (Asustek) bzw. 5,7 bis 8,2 wenig aus. Die Bewertungsreihenfolge von teuer nach niedrig Asustek, HP, Dell scheint gerechtfertigt. Acer kämpft um die Rückkehr in die Gewinnzone.

          Lenovo ist mittlerweile bei einer Bewertung der Aktie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von rund 15 für das laufende und 12,6 für das kommende Jahr bestenfalls fair bewertet. Apple bringt es dagegen auf KGVs von nur 10,6 und 9,5. Damit erscheint die Aktie immer noch kaufenswert.

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