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PC-Aktien : Dells Höhenflug dürfte zu Ende sein

Der PC-Absatz boomt nicht mehr wie einst Bild: dpa

Wieder einmal hatte sich die Dell-Aktie angeschickt, neue Höchstkurse zu erreichen. Doch nach einem schwachen Quartal und Ausblick ist das wohl nicht mehr drin.

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          Noch ist umstritten, ob es einen Klimawandel gibt und ob dieser zu einer Häufung von Naturkatastrophen führt. Geht man davon aus , dass dem so ist, so geben die Ergebnisse, die jüngst besonders aus der Computer-Industrie vorgelegt wurden, einen Vorgeschmack darauf, wie dies in den kommenden Jahrzehnten massiven Einfluss auf die Erträge von Unternehmen haben wird.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Computerkonzern Dell etwa hat gerade schwache Ergebnisse für das vierte Quartal vorgelegt. Dank des Servicegeschäfts wuchs der Umsatz in den drei Monaten bis Anfang Februar zwar noch um 2 Prozent auf 16,0 Milliarden Dollar (12,1 Milliarden Euro). Der Gewinn fiel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aber um 18 Prozent auf 764 Millionen Dollar. Damit blieb Dell deutlich unter den Erwatungen der Analysten, die im Durchschnitt 852 Millionen Dollar erwartet hatten.

          Überschwemmungen in Thailand trüben Erfolgsrechnung

          Als einen der Hauptgründe nannte Dell dabei Lieferengpässe bei Festplatten infolge der Überschwemmungen in Thailand, die zuletzt schon die Ergebnisse der Speicher-Hersteller Western Digital und Seagate belastet hatten. Dell habe verstärkt Festplatten mit einer geringeren Leistung verbaut. Das zehrte an den Gewinnen.

          Entspannen dürfte sich die Lage in den kommenden Wochen nicht. Finanzvorstand Brian Gladden geht davon aus, dass die Probleme sogar bis in das dritte Quartal hinein anhalten werden. Das Unternehmen rechnet im ersten Quartal mit einem um 7 Prozent auf 14,91 Milliarden Dollar sinkenden Umsatz. Analysten hatten bislang mit 15,1 Milliarden Dollar deutlich mehr erwartet. Dell rechnet 2012 mit einem höheren bereinigten Gewinn, im vergangenen Jahr waren es 2,13 Dollar je Aktie. Das übertrifft wiederum die Erwartungen der Analysten, die von einem auf 2,09 Dollar fallenden Überschuss ausgehen.

          Der langsame Abschied aus dem PC-Geschäft

          Aber diese eher kurzfristigen Lieferprobleme sind nicht Dells einzige Sorge. Der Konzern befindet sich im Umbau. Schon lange gehen die Erträge im PC-Geschäft zurück und so will Dell sich nach dem einst von IBM vorgezeichneten Weg, verstärkt das Servicegeschäft auszubauen, und verstärkt Speicher-, Netzwerk- und Sicherheitssysteme zu verkaufen. Die Servicesparte sorgte auch im Berichtsquartal für den Umsatzanstieg.

          Das PC-Geschäft leidet zudem unter der fortgesetzten schwachen Nachfrage durch die öffentliche Hand. Auch stärkere Verkäufe an Firmenkunden konnten diesen Nachfrageeinbruch im Gesamtjahr nicht ausgleichen. „Es wird noch Zeit in Anspruch nehmen, bis Dell den Tanker herumreißt“, sagte Isi-Group-Analyst Brian Marshall. Er könne bisher noch keine Anzeichen einer Verbesserung erkennen. Dell benötige weitere Umsatzquellen.

          Aktie derzeit wenig attraktiv

          Nachbörslich fiel der Aktienkurs bei hohen Volumina um mehr als 5 Prozent auf Talfahrt. Auch in Deutschland steht der Kurs am Mittwoch deutlich unter Druck. Die Notierung hat damit die jüngsten Kursgewinne abgegeben und ist unter die 2011 und 2010 markierten Hochs zurückgefallen. Das spricht nicht für einen weiteren Ausbruchsversuch, sondern eher dafür, dass die Notierung in die auch 2011 größtenteils gültige Spanne zwischen 14 und 16 Dollar zurückrutscht.

          Zurück in die Handelsspanne
          Zurück in die Handelsspanne : Bild: FAZ

          Daran dürfte auch der Umstand nichts ändern, dass die Bewertung der Aktie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von rund 8,5 für das laufende Jahr derzeit vordergründig attraktiv erscheint. Doch sind die Zeiten des boomenden PC-Geschäfts vorbei, Dell arbeitet an einer Neu-Aufstellung, die so rasch nicht zu bewerkstelligen ist. Da ändert auch ein einstelliges KGV nicht viel dran.

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