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Pakistan : Die Wirtschaft leidet, die Börse steigt

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Pakistanische Händler freuen sich über die deutlichen Kursgewinne Bild: dpa

Mehr als 30 Prozent hat die Börse in Pakistan in den vergangenen Wochen zugelegt. Die Wirtschaft leidet dagegen unter dem Krieg.

          2 Min.

          Der pakistanische Aktienmarkt und die Währung sind im Aufwind, angetrieben durch Kapitalrückflüsse und von der Hoffnung auf neue Finanzhilfen in Millionenhöhe von Weltbank und IWF. Der Karachi-Stock-Exchange-Index gewann fast 30 Prozent im vergangenen Monat und entwickelte sich damit zur zweitbesten Börse bei den von Bloomberg verfolgten Aktienindizes.

          Die Rupiah, die seit den Atomtests im Mai 1998 rund zweifünftel ihres Außenwertes eingebüßt hatte, gewann seit den Anschlägen am 11. September 4,6 Prozent. Die Devisenreserven entsprechen mit zwei Milliarden Dollar einem Rekordniveau. Dies entspricht dem Importwert von zehn Wochen.

          Ein Großteil des Booms resultiert daher, dass Investoren ihre Gelder wieder zurück ins Inland holen aus Angst vor amerikanischen Ermittlungen im Zusammenhang mit den Terroranschlägen. Die Anleger nutzen dazu nun hauptsächlich Banken und keine informellen Kanäle mehr für die Devisengeschäfte.

          "Hawala-System" im Abschwung

          Zuvor hatte viele Pakistaner Geld in ihre Heimat an den Banken vorbei nach Pakistan tranferiert, mittels dem so genannten "Hawala-System". So gibt es auch zwei Wechselkurse für die Rupiah, eine für offizielle Banktransaktionen und eine für inoffizielle. Anfang September noch lag der inoffizielle Wechselkurs drei Rupiah höher als der offizielle. Jetzt ist der offizielle Wechselkurs eine Rupiah höher.

          Ein Großteil der fünf bis sieben Milliarden Dollar, die gewöhnlich über Hawala flössen, kämen dieses Jahr über die Banken, sagt Ishrat Hussain, Gouverneur der Zentralbank. Neben dem besseren Wechselkurs und dem nachlassenden Interesse am Hawala-System hätten zudem die Banken ihre Abwicklung von internationalen Bankgeschäften verbessert. „Die Zeit war immer ein Pluspunkt für das Hawala-System. Aber dieser Vorteil ist nicht mehr da", sagt Zakir Mehmood, Präsident der staatlichen Habib Bank.

          Wirtschaft leidet unter Krieg

          Für die Wirtschaft rechnen Beobachter jedoch mit einer Abkühlung auf Grund des Krieges. Das Finanzministerium hat seine Wachstumsprognose auf 3,7 Prozent von zuvor vier Prozent gekürzt, die Zentralbank geht sogar nur von 2,5 Prozent aus. Als direkte Auswirkung dürften die Steuereinnahmen 250 Millionen Dollar geringer ausfallen, schätzt Ashfaque Khan, oberster Berater des Finanzministers.

          Die ausländischen Investitionen dürften nur ein Drittel der geplanten 600 Millionen Dollar umfassen, die das Ministerium noch im Juni erwartet hatte. Zudem ist die Privatisierung der Telefongesellschaft, einer Bank und Ölfirmen bis Ende 2002 auf Eis gelegt. „Ein weiterführender Krieg würde die Situation verschlimmern und riesige Verluste für die Wirtschaft bedeuten“, Notenbanker Hussain.

          Trotz Kursgewinne führt Pakistan ein Schattendasein

          Der Aktienmarkt und die Währung haben dagegen mehr Dampf, mein Sakib Sherani, Analyst bei der ABN Amro in Islamabad. Aber der Aufschwung ist hauptsächlich vom Sentiment getrieben. Auch wenn ausländische Investoren 25 Millionen Dollar in pakistanische Aktien investiert haben, tauche der Karachi-Stock-Index nicht auf den Bildschirmen der meisten institutionellen Investoren auf, so Mohammad Soahil, Head of Research bei invest Capital Securities in Karachi.

          Die pakistanische Börse ist gerade einmal 1/300 so groß wie die japanische, dem zweitgrößten Aktienmarkt nach der Wall Street. Sogar die Marktkapitalisierung von Neuseeland, einer der kleinsten asiatischen Märkte ist doppelt so groß wie die pakistanische.

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