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Ostbörsen : Der kasachische Aktienmarkt kämpft gegen die Kreditkrise

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Trotz zahlreicher Naturwunder ist der Tourismus in Kasachstan noch nicht sehr ausgeprägt Bild: ddp

Das von Boomjahren verwöhnte Kasachstan hat neuerdings mit Problemen im Bau- und Bankensektor sowie einer hohen Inflation zu kämpfen. Die Aktienkurse haben zuletzt aber wieder angefangen, sich zu erholen.

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          Kasachstan ist zwar weitab vom Schuss. Die von Amerika ausgegangene Kreditkrise hat aber auch dort sehr deutliche Spuren hinterlassen. Besonders anfällig haben das Land im Falle einer weltweit sinkenden Risikoneigung, wie sie sich im Zuge der Kreditkrise ergeben hat, aber letztlich hausgemachte Probleme gemacht.

          Eine der größten Bürden stellt die starke Verschuldung der Banken dar. 2008 werden im Ausland aufgenommene Anleihen im Volumen von zwölf Milliarden Dollar fällig und wenn es nicht gelingt, diese Positionen zu vernünftigen Konditionen zu refinanzieren, kann es für den Sektor eng werden. Zumal dieser mit einer geplatzten Immobilienblase auch im Inland zu kämpfen hat. Viele der an Bauunternehmen vergebenen Kredite drohen notleidend zu werden, einige Banken haben auch bereits ihre Baukreditvergabe eingestellt.

          Wirtschaftsdynamik kühlt sich ab

          Überhitzungstendenzen gab es aber auch in anderen Bereichen der Wirtschaft, nachdem das Bruttoinlandsprodukt seit dem Jahr 2000 im Schnitt um stolze 10,5 Prozent jährlich gestiegen ist. Zum Ausdruck kommen diese auch in einer sehr hohen Inflationsrate. Diese hat sich im Januar gegenüber Dezember zwar verringert, ist mit 18,8 Prozent aber noch immer sehr hoch. Um die Teuerungsrate weiter zu senken, hat Präsident Nursultan Nasarbajew jüngst angeordnet, alle Ausgaben abseits der Sozialausgaben für 2008 einzufrieren.

          Bremsende Maßnahmen wie diese dürften zwar dabei helfen, die Inflation zurückzudrängen, gleichzeitig drosselt dies aber auch das Wirtschaftswachstum. Der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts hat sich 2007 schon von dem 2006 erreichten Plus von 10,2 Prozent auf 8,7 Prozent verringert und dürfte in diesem Jahr weiter bis auf ein Niveau um fünf Prozent nachlassen.

          Doch trotz des zurückgehenden Wachstumstempos hat es der zuvor deutlich gedrückte kasachische Aktienmarkt 2008 in einem schwierigen Umfeld für alle Weltbörsen zu stabilisieren. Der momentan bei 2.755 Punkten notierende KASE Index hat in diesem Jahr immerhin schon 4,5 Prozent zugelegt und 2007 konnte letztlich wenigstens ein Plus von 9,1 Prozent verteidigt werden. Und unter den schwer gebeutelten Bankaktien hat sich der Kurs des Branchenführers Kazkommertsbank, der im Vorjahr noch um mehr als 60 Prozent gefallen ist, in diesem Jahr auch getragen von Gerüchten über den Einstieg eines Großinvestors schon wieder verdoppelt.

          Bewertung im internationalen Vergleich günstig

          Zur Stabilisierung des stark von Rohstoff- (Gewichtung von 64 Prozent) und Bankaktien (32 Prozent) geprägten Marktes trägt unter anderem auch die Bewertung bei. Laut der Credit Suisse weisen die kasachischen Aktien im Schnitt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2008 von 8,4 auf. Gegenüber den anderen aufstrebenden Aktienmärkten in Osteuropa, dem Nahen Osten und Afrika stellt dies einen Abschlag von 23 Prozent dar. Noch vorteilhafter wird der Bewertungseindruck mit Blick auf das von der Credit Suisse für das laufende Jahr im Schnitt auf 29 Prozent bezifferte Gewinnwachstum und die hohe Eigenkapitalrendite von 33 Prozent. Auch diese Kennziffern sind deutlich besser als in den Vergleichsmärkten.

          Eine Kursstütze stellen aber auch die prall gefüllten Staatskassen dar (die Gold- und Devisenreserven sind im Jahr 2007 um 15,7 Prozent auf 38,4 Milliarden Dollar gestiegen). Dank des Ölreichtums der Region rund um das Kaspische Meer, dürfte es dem Land, das 3,3 Prozent der weltweit geprüften Ölreserven und zwei Prozent der Gasreserven besitzt, nicht schwer fallen, im Falle zunehmender Schwierigkeiten Banken- oder Bausektor zu stützen.

          So wurde der Baubranche jüngst schon durch den angekündigten staatlich finanzierten Kauf von 8.000 in Almaty im Bau befindlichen Apartments unter die Arme gegriffen, was einem Marktwert von 500 Millionen Dollar entsprechen dürfte. Außerdem hat Staatspräsident Nasarbajew schon mehrfach bekundet, dem Bankensektor im Bedarfsfall bei der Refinanzierung zu helfen. Gedacht ist an einen Stützungsfonds im Volumen von sieben bis acht Milliarden Dollar.

          Interessenten stehen mehrere Derivate-Produkte zur Auswahl

          Ausgestanden sind die Branchenprobleme damit aber derzeit wohl noch nicht. Pessimisten befürchten vielmehr, dass der Sektor in diesem Jahr schrumpfen könnte, während selbst die Optimisten mit einer Wachstumsverlangsamung auf 10 bis 15 Prozent rechnen, nach viel höheren Zuwachsraten von 47 und 96 Prozent in den Jahren 2007 und 2006. Und die Ratingagentur Standard & Poor´s hat unlängst vehement eine Reform des Sektors angemahnt.

          Wer krisenerprobt ist und an einen letztlich guten Ausgang der Krise glaubt, dem stehen als Anlagealternative Zertifikate zur Verfügung. Entsprechende Produkte im Angebot haben ABN Amro mit dem Kasachstan Total Return-Index-Zertifikat (Isin NL0000805869) und die Deutsche Bank mit einem Kasachstan-Top-Select-Zertifikat (Isin DE000DB1KAZ7). Außerdem haben die Erste Bank (Isin AT0000A05YX6), die Raiffeisen Centrobank (Isin AT0000A06004) und Goldman Sachs (Isin DE000GS0Q199) Zertifikate oder Calls auf den von der Wiener Börse lancierten KTX-Index aufgelegt. Außerdem hat die Raiffeisen Centrobank auch noch ein Discount-Zertifikat (Isin AT0000A06046) im Bestand.

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