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Orckit Communications : Wette auf die Ertragswende

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Produkte wie der CM-4000 von Corrigent Systems soll Ockrit aus der Verlustzone führen Bild: Corrigent Systems

Orckit Communications ist ein klassischer Vertreter der High-Tech-Branche in Israel. Allerdings hat auch diese Internet-Aktie in den vergangenen Jahren gelitten. Die Aktie bietet eine Wette auf die Ertragswende - allerdings mit Risiken.

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          Der Nahost-Konflikt verdeckt nur allzu leicht den Blick darauf, dass Israel zu einem der großen High-Tech-Länder der Welt aufgestiegen ist. Zuerst waren es die militärischen Bedürfnisse des Landes, die diese Branche in den sechziger und siebziger Jahren zu einem Boom verhalfen. Nachdem viele westliche Länder, wie beispielsweise Frankreich, Rüstungsexperte nach Israel einstellten, mussten viele Waffen und Waffensysteme selbst entwickelt werden.

          Die Eliteuniversität Technion in Haifa, die israelische Version des MIT, trug viel zum Aufschwung der Hochtechnologie in dem Land bei. Dann war es der Zuzug Tausender Ingenieure und Wissenschaftler aus der ehemaligen Sowjetunion, die in den neunziger Jahren die israelische High-Tech-Branche an die Weltspitze katapultierte.

          Intel und Microsoft betreiben heute in Israel ihre wahrscheinlich bedeutendsten Forschungszentren außerhalb der Vereinigten Staaten. „Silicon Wadi“ lautet das Schlagwort.

          Deutsche Telekom ist Großkunde

          Orckit Communications in Tel Aviv steht für die zweite Welle des High-Tech-Booms in Israel. 1990 wurde das Unternehmen gegründet, das rasch zu einem der führenden Anbieter von DSL-Lösungen wurde und später das Geschäftsmodell insgesamt auf Telekom-Ausrüstungen ausdehnte. Die Deutsche Telekom zählt zu den größten Kunden, der zeitweise 40 Prozent zum Orckit-Umsatz beitrug.

          Die Aktie wird nicht nur an der Börse Tel Aviv gehandelt, sondern - wie viele andere High-Tech-Unternehmen aus Israel - vor allem an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq.

          Der Kurs bietet ein Bild des Grauens

          Der Kursverlauf liest sich wie der viele anderer Technologietitel auch: Bis zum Jahr 2000 ging die Notierung steil nach oben, stürzte anschließend jäh ab und erlebte dann im Jahr 2005 eine Renaissance, die ebenfalls nicht von Dauer war. Am Montag notierte die Aktie, die auch an der Frankfurter Börse gehandelt wird, bei 4,24 Euro. Damit beträgt der heutige Kurs nur ein Bruchteil der Notierungen vor einigen Jahren, als die Orckit-Aktie zeitweise ein Hoch von 25 Euro in Frankfurt erreicht hatte.

          Der Kurssturz ist nicht verwunderlich, ist doch auch Orckit in die Verlustzone gestürzt. Nun scheint sich die Lage des Unternehmens zu stabilisieren. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal von 1,9 Millionen Dollar im Vorjahr auf 3,1 Millionen Dollar, nachdem das Unternehmen drei wichtige Neukunden gewinnen konnte. Den Verlust konnte die Unternehmensführung stabil halten bei 7,8 Millionen Dollar, nach 7,7 Millionen Dollar Mitte vergangenen Jahres.

          Hochspekulativer Titel

          Somit ist die Aktie auf jeden Fall eine spekulative Anlage, die sich nicht für Anleger eignet, die auf Sicherheit bedacht sind. Und sie ist eine Wette darauf, dass es dem Unternehmen gelingt, sich aus dieser Krise zu befreien. Der Ausblick von Orckit-Präsident Itzhak Tamir ist auch dementsprechend zurückhaltend. Einen geringeren Verlust verspricht er für das dritte Quartal zwar nicht.

          „Aber wir stellen eine wachsende Nachfrage fest“, sagte er bei der Vorlage der Quartalszahlen. Vor allem auf die im Jahr 2000 gegründete Gesellschaft Corrigent Systems, die im Bereich innerstädtischer Telekommunikationsnetzwerke aktiv ist, gründen sich die Hoffnung der Orckit-Führung.

          Verlust stärker gesenkt als prognostiziert

          Positiv ist immerhin, dass Orckit im zweiten Quartal den angepeilten Umsatz leicht übertreffen und den Verlust geringer als vorhergesagt halten konnte. Einen Verlust von 8,5 Millionen Dollar hatte Tamir noch Ende April für das zweite Quartal vorhergesagt.

          Auch die Analysteneinschätzungen hellen sich Orckit gegenüber auf: Daniel Meron von RBC Capital Markets gibt ein Kursziel von 8 Dollar, was der Aktie gegenüber dem aktuellen Kurs von 6,53 Dollar ein Potenzial von mehr als 20 Prozent einräumt. Analyst Ziv Tal von Oscar Gruss & Son setzt sein Kursziel bei 7 Dollar, was das Potenzial freilich nur auf gut 7 Prozent begrenzt. Das ist für eine solche Hoch-Risiko-Aktie aus der Hochtechnologie etwas wenig.

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