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16. Oktober 1989 : Der erste und größte Crash des Dax’

Bild: dpa

Seinen größten Kurssturz erlebte der Dax kurz nach der Geburt: Am 16.Oktober 1989 ging es um 13 Prozent abwärts. Grund waren Sorgen um ein Ende des damaligen Fusionsfiebers.

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          Die Achtziger Jahre waren eine Zeit der zügellosen Jagd nach Unternehmen: Kaufen, fremdfinanzieren, abstoßen. 1988 erreichte das Volumen der kreditfinanzierten Firmenübernahmen (Leveraged Buy-Out, LBO) in den Vereinigten Staaten den Rekordwert von 94,5 Milliarden Dollar, der erst 2006 wieder übertroffen wurde. Das Verhältnis von Schulden zum Cashflow  Schuldenquote des durchschnittlichen LBO lag Ende der achtziger Jahre bei mehr als 10. Selbst 2006 hatte er nur knapp 7 erreicht.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch im Sommer 1989 machte sich Unbehagen breit: „Tatsache ist, dass eine ganze Reihe amerikanischer Unternehmen jetzt hoch verschuldet ist“, schrieb die FAZ am 10.08.1989. Das könne sie in Nöte bringen, wenn wegen einer Rezession ihre Erlöse fallen oder die Zinsen steigen - und erst recht, wenn bei einer Stagflation beides zusammenkommt. Erst kürzlich habe ein Gouverneur der amerikanischen Notenbank die Befürchtung geäußert, dass es dann in einer Kettenreaktion zu einer allgemeinen Liquiditäts- und Vertrauenskrise kommen könnte.

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          30 Jahre Dax : Der bewegte Index Bild: FAZ.NET

          Am 13. Oktober 1989 war es soweit. Als die Nachricht die Runde machte, dass die Verhandlungen über die Finanzierung der geplanten Übernahme von United Airlines geplatzt seien, zogen viele Marktteilnehmer den Schluss, dass auch andere Übernahmen an der mangelnden Finanzierungsbereitschaft der Banken scheitern könnten. Zuerst wurden Aktien von Übernahmekandidaten verkauft.

          Da sich aber bald keine Käufer mehr fanden, wurden wenig später im Bemühen, sich Liquidität zu verschaffen, auch andere Aktien auf den Markt geworfen und der Dow Jones fiel um knapp 7 Prozent.

          Den jungen Dax erwischte es am darauffolgenden Montag noch härter: er fiel um 12,8 Prozent. Das ist bis heute der stärkste Kurssturz, den der Index an einem Tag erlebte. Die Frankfurter Börse erlebte eine Verkaufswelle, wie sie selbst am „Schwarzen Montag“, dem Börsenkrach vom Oktober 1987, nicht beobachtet worden war. Karstadt etwa fielen um knapp 20 Prozent.

          Verkauft hatten zuerst vor allem Privatanleger, deren Aufträge großteils erst gegen Mittag, zur Kasse, wirksam wurden, weil es noch den Mindestschluss gab, wonach kleinere Aufträge nur einmal täglich abgewickelt wurden. Sie hatten ihre Banken am Morgen mit Verkaufsaufträgen überflutet. Die Welle war so stark, dass sich die erste Berechnung des Dax‘ bis 12.34 Uhr verzögerte.

          Vorangegangen war auch ein Kurseinbruch am Markt für amerikanische „Junkbonds“, die häufig eingesetzt worden waren, um Unternehmensaufkäufe zu finanzieren. Später wurde klar, dass das Geschäft unter anderem an überzogenen Forderungen der Aufkäufer gescheitert war.

          „Von den fundamentalen Werten her betrachtet, ist dieser Kurssturz nicht berechtigt“, sagte ein Händler, „Die privaten Anleger haben in Erinnerung an den letzten „Schwarzen Montag“ die Nerven verloren.“ Gemeint war der Kurssturz des Jahres 1987. Am darauffolgenden Dienstag stieg der Dax dann auch um 6,5 Prozent – immerhin das dreizehntgrößte Plus des Index‘ an einem einzigen Tag.

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