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Ölkonzerne : Statoil-Aktie macht sich als Dividendentitel interessanter

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Statoil: Hohe Ölpreise bedeuten sprudelnde Gewinne Bild: dpa

Statoil hat mehr verdient als erwartet und will mehr Öl pumpen. Die Aktionäre sollen mit der um 80 Prozent höheren Dividende vom Gewinnsprung profitieren. Auch Bewertung und Trend stimmen. Einen Risikofaktor stellt der Ölpreis dar.

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          Im inoffiziellen „Jahr der Dividende“ schauen viele Anleger auf die Höhe der Ausschüttung und deren Verhältnis zum Aktienkurs. Denn den Aktienmärkten wird nur ein moderates Kursplus von rund zehn Prozent in diesem Jahr zugetraut - angesichts dessen wiegt eine hohe Dividendenrendite schwer. Vor diesem Hintergrund sollten Aktionäre bei Statoil genauer hinsehen. Denn das norwegische Ölunternehmen erhöht seine Dividende um 8,4 Prozent und zahlt eine Sonderleistung wegen stark gestiegener Gewinne. Dadurch steigt die Dividende um 80 Prozent.

          Die daraus folgende Rendite liegt bei knapp fünf Prozent. Das kann sich auch und gerade im Branchenvergleich sehen lassen. Andere Größen unter den europäischen Ölkonzernen kommen bei dieser Kennziffer längst nicht auf einen solchen Wert. Dabei ist Statoil moderat bewertet und bewegt sich knapp unter dem Rekordhoch. Auf dem Frankfurter Parkett wird der Titel zu 12,75 Euro gehandelt; der bisherige Spitzenwert liegt bei 12,90 Euro.

          Dividende steigt umgerechnet von 35 Cent auf gut 63 Cent

          Statoil hat mit einem Nettoergebnis von zehn Milliarden norwegischen Kronen im vierten Quartal 2004 die Markterwartungen übertroffen. Analysten hatten mit einem Nettoergebnis von 7,138 Milliarden Kronen gerechnet. Im Gesamtjahr 2004 sei das Nettoergebnis auf 24,9 Milliarden Kronen von 16,6 Milliarden Kronen gestiegen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Das operative Ergebnis habe im Schlußquartal bei 18,7 Milliarden Kronen nach 12,7 Milliarden Kronen und das Ergebnis je Aktie bei 4,64 Kronen nach 1,98 Kronen gelegen. Die gesamte Öl- und Gasförderung habe 1,202 Millionen Barrell Öl oder entsprechende Mangen Gas täglich erreicht.

          Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Statoil.
          Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Statoil. :

          Als Grund für den Gewinnanstieg nannte Statoil am Montag den höheren Ölpreis. Die gesicherten Reserven hätten zum Jahresende 2004 bei 4,289 Millionen Barrell gelegen nach 4,264 Millionen Barrell im Vorjahr. Im abgelaufenen Jahr seien neue Reserven von 455 Millionen Barrell gebucht worden; davor waren es 392 Millionen Barrell gewesen. Wegen der Snorre-Plattform habe sich die Förderung von Statoil im vergangenen Jahr um 4.000 Barrell ermäßigt. Die Plattform habe wegen eines Gas-Lecks geschlossen werden müssen. Aber seit Januar diesen Jahres werde hier nun wieder Öl gefördert.

          Für das abgelaufene Geschäftsjahr schlage der Board eine Dividende von 3,20 Kronen je Aktie vor. Zudem soll 2,10 Kronen je Anteilsschein als Sonderausschüttung an die Aktionäre gehen. Grund hierfür ist laut Statoil der Gewinnanstieg wegen des höheren Ölpreises. 2003 hatte Statoil eine Dividende von 2,95 Kronen je Aktie gezahlt.

          Analysten uneins über Ertragsaussichten und Einstufung

          Für dieses Geschäftsjahr äußerte sich Statoil-Chef Helge Lund zuversichtlich: „Gemessen am bisherigen Verlauf sieht es danach aus, als ob der Schwung durch das starke Wachstum in China und Indien anhält“, sagte er laut Bloomberg News. Von Analystenseite gab es Lob: „Die Öl- und Gasproduktion bei Statoil sieht sehr gut aus, gleiches gilt für die Aussichten bei den Preisen“, so John Olaisen, Analyst bei Carnegie in Oslo. Er hat die Statoil-Aktie mit „outperform“ eingestuft, erwartet also überdurchschnittliche Kurssteigerungen. Derzeit sei die Aktie aber ausreichend bewertet.

          Gleiches gilt für Lehman Brothers, die indes die Prognose des Gewinns je Akte für dieses Jahr von 8,44 Kronen auf 8,09 Kronen gesenkt haben und auch 2006 sinkende Erträge erwarten. Dagegen hat Goldman Sachs die Ergebnisschätzung von 8,92 Kronen auf 9,20 Kronen hochgeschraubt, sieht die Aktie aber als „underperformer“. Begründung: Die starken Wachstumsaussichten seien eingepreist. UBS hat das Kursziel von 92 auf 100 Kronen angehoben; allerdings ist die Notiz schon darüber hinausgelaufen. Morgan Stanley bewertet Statoil mit „equal-weight“, merkt aber an, daß diese Unternehmen im Vergleich mit Wettbewerbern am meisten von festen Ölpreisen profitiere.

          Günstiger als Shell und BP, teurer als Repsol und OMV

          Die Aussichten für den Ölpreis dürften die wichtigste Einflußgröße für die Kursentwicklung darstellen: Als das „schwarze Gold“ im Herbst billiger wurde, gab auch der Statoil-Kurs nach. Seitdem Öl wieder teurer wird, steigt auch der Kurs des Papiers, das sich binnen Jahresfrist um gut 45 Prozent und in den jüngsten drei Monaten um 16 Prozent verteuert hat. Damit hat es sich zuletzt besser entwickelt als BP, Eni, OMV, Repsol oder Royal Durch/Shell. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 11,3 ist Statoil im Branchenvergleich unauffällig gepreist: OMV und Repsol sind etwas günstiger, BP, Eni und Royal Dutch teurer.

          Der Trend spricht für Statoil. Der Titel hat seine Kursdelle vom Herbst ausgebügelt und bewegt sich im Aufwärtstrend knapp unter dem Rekordhoch. Ob er dieses ausbauen und technische Kaufsignale senden kann, dürfte wie erwähnt auch und gerade von den Ölpreisen abhängen. Die nahende warme Jahreszeit läßt Entspannung auf dem Ölmarkt erwarten, was gegen einen Einstieg spräche. Doch ist der Ölpeis nicht allein vom Wetter abhängig: Wenn es im Irak und in anderen Förderländern wie Nigeria unruhig wird, zieht er meistens an. Dessenungeachtet dürfte die hohe Dividendenrendite den Kurs recht gut nach unten absichern. Nicht von ungefähr ist Statoil eine Spitzenposition im erfolgreichen DWS-Fonds Top Dividende.

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