https://www.faz.net/-gv6-qcml

Ölkonzerne : Statoil-Aktie läßt mit neuem Rekordhoch aufmerken

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt den Kursverlauf der Statoil-Aktie Bild:

Die Aktie des norwegischen Ölkonzerns Statoil reagiert empfindlich auf die Ölpreisentwicklung. Doch anders als die Notierung für das „schwarze Gold“ hat der Titel gerade ein Rekordhoch erklommen - und ein Kaufsignal gesendet.

          2 Min.

          Die Preise für Rohöl liegen an der New Yorker Mercantile Exchange zwar jenseits der 50-Dollar-Marke, aber doch recht deutlich unter ihrem zu Anfang April erreichten Rekordwert von 58,28 Dollar. Gleiches gilt für die Kurse europäischer Ölkonzern-Aktie wie BP, OMV, Repsol, Royal Dutch/Shell oder Total. Aus der Riege der entsprechenden Notizen ragt in diesen Tagen der Titel von Statoil heraus.

          Die Aktie des mehrheitlich im Besitz des norwegischen Staates befindlichen Konzerns ist am Freitag an der Heimatbörse von Oslo und auch auf dem deutschen Markt auf ein neues Rekordhoch gelaufen. In Norwegen ging sie mit 115 Kronen aus dem Handel, in Frankfurt mit einem Plus von gut zwei Prozent auf 14,15 Euro, nachdem sie im Verlauf schon die Marke von 14,27 Euro erreicht hatte. Mit dem Sprung über den hartnäckigen Widerstand bei 14 Euro hat sie gleichsam ein technisches Kaufsignal gesendet. Dies ging mit überdurchschnittlich hohen Umsätzen einher.

          Herausragende Dividendenrendite wegen Bonus

          Drei Tage zuvor hatte Statoil ein sehr gutes Quartalsergebnis vorgelegt und dabei beim operativen Gewinn die Analystenschätzungen übertroffen. Übrigens ohne daß der Aktienkurs darauf umgehend reagiert hätte. Mit Blick auf die Zukunft äußerte sich der Vorstand recht zuversichtlich. Er erwartet weiter hohe Ölpreise und hat seine Langfrist-Prognose für die Notierungen des Rohstoffs etwas hochgeschraubt.

          Ein Magnet für Anlagekapital könnte Statoil in diesen Wochen auch sein, weil für Ende Mai die Dividendenzahlung ansteht. Diese ist dieses Jahr wegen einer Bonusausschüttung besonders attraktiv: Die Dividende steigt umgerechnet von 35 Cent auf gut 63 Cent. Daraus errechnet sich eine Dividendenrendite von rund 4,4 Prozent. Das ist für Öl-Aktien ein außergewöhnlich hoher Wert; mit 3,8 Prozent kommt ihm die italienische Eni am nächsten.

          Die besten jemals vorgelegten Quartalszahlen

          Der Konzern hat im ersten Quartal den Nettogewinn um 44 Prozent auf 6,773 Milliarden Kronen gesteigert. Das Ergebnis lag damit über den Prognosen der Analysten, die mit 5,923 Milliarden Kronen gerechnet hatten. Operativ verdiente Statoil 21,5 Milliarden Kronen, während Analysten mit 21,2 Milliarden Kronen gerechnet hatten. Das Gewinnwachstum gehe vor allem auf höhere Öl- und Gaspreise, eine günstige Margenentwicklung im Raffineriebereich und die gute Kostenkontrolle zurück, sagte der Vorstandsvorsitzende Helge Lund. Nach seinen Angaben sind die Zahlen die besten, die das Unternehmen operativ je vorgelegt hat.

          Statoil pumpte mehr Öl und Gas, als das durchschnittliche Tagesziel für das Jahr vorsieht. Allerdings hatten Analysten höhere Gewinne beim Verkauf von Erdgas erwartet. Während der Wettbewerber Norsk Hydro einen Kubikmeterpreis von 1,47 Kronen erzielt habe, habe dieser bei Statoil nur bei 1,32 Kronen gelegen, sagte Analyst Lars Marius Furu von Fondsfinans. Dies sei enttäuschend, auch wenn die Statoil-Zahlen insgesamt „okay“ seien. Furu empfiehlt die Aktie zum Kauf, während Credit Suisse First Boston in dem Titel eine Halteposition sieht.

          Statoil bestätigte das Investitionsprogramm von 35 Milliarden Kronen für das laufende Jahr. Man sei auf einem guten Weg, die Ziele für 2007 zu erreichen, hieß es weiter.

          Aktie auch im Branchenvergleich nicht teuer

          Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,9 für dieses Jahr ist die Aktie auch im Branchenvergleich nicht hoch bewertet. Von den genannten Öl-Werten ist nur OMV mit einem KGV von 9,8 etwas günstiger, BP (12,4), ENI (11,1), Royal Dutch/Shell (14,5) und Total (10,8) sind teurer. Morgan Stanley hebt regelmäßig hervor, daß Statoil besonders von einem hohem Ölpreis profitiert. Wenn dies also auch weiter der Fall sein sollte, dürfte die Aktie weiter (fast) wie geschmiert laufen - und zuletzt haben Analysten die Ölpreisdynamik fast immer unterschätzt, die Notierungen also zu niedrig prognostiziert.

          Die charttechnische Lage ist sehr gut. Schließlich hat der Titel keine Widerstände mehr vor Augen, sofern er den Sprung auf das Rekordhoch bestätigt. Die hohe Dividendenrendite sollte dabei als guter Puffer dienen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nahostkonflikt : Israels Militär droht Hamas mit gezielten Tötungen

          Israels Raketen zerstören ein Hochhaus mit Journalistenbüros im Gazastreifen. Der Armeesprecher kündigt weitere Angriffe auf die Führungsriege der Hamas an. Iran stellt sich hinter sie. Und US-Präsident Biden telefoniert — mit Israels Regierungschef Netanjahu und Palästinenserpräsident Abbas.
          Grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock

          Grüne : Baerbock will als Kanzlerin Flugreisen verteuern

          Solaranlagenpflicht für Neubau, Kurzstreckenflüge sollen obsolet werden: Annalena Baerbock kündigt ein „Klimaschutzsofortprogramm“ an, sollte die Grüne im September Kanzlerin werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.