https://www.faz.net/-gv6-qz6l

Ölindustrie : Öl-Dienstleister profitieren vom Rohstoffboom

  • -Aktualisiert am

Der Ölpreis steigt Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die hohen Ölpreise lenken den Blick auf eine Branche, die hierzulande wenig bekannt ist: Unternehmen, die Ölgesellschaften mit einem breiten Spektrum an Dienstleistungen bei der Exploration und Förderung von Öl- und Gasvorkommen unterstützen.

          3 Min.

          Die wachsenden Investitionen der Ölkonzerne haben Prospektionsfirmen, Ingenieurbüros und anderen Dienstleistern einen Aufschwung beschert. Abhängig davon, wie stark die Rohölpreise und dementsprechend die Investitionen der Ölgesellschaften steigen, sieht Goldman Sachs für die Aktienkurse der Öldienstleister im kommenden Jahr ein Aufwärtspotential von bis zu 20 Prozent.

          Daher wird jetzt die Analyse von neun börsennotierten Service-Anbietern aufgenommen, darunter die französische Geophysique, die niederländische SBM-Gruppe und die norwegische Stolt Offshore mit dem Anlageurteil "outperform". Der Sektor insgesamt erhält die Einstufung "attraktiv".

          Schwankende Rentabilität

          Die Branche umfaßt vielfältige Dienstleistungen auf allen Stufen der Öl- und Gasförderung. Die Ermittlung und Auswertung seismischer Daten für die Erforschung von vermuteten neuen Ölvorkommen gehört dazu ebenso wie die Konstruktion, der Bau und der Betrieb von Ölförderanlagen. Der Markt ist zersplittert: Einige Unternehmen haben sich auf bestimmte Hochtechnologie-Nischen spezialisiert. Andere bieten sämtliche Dienstleistungen entlang der Wertschöpfungskette an.

          Die europäischen Öldienstleister konzentrieren sich überwiegend auf Konstruktion und Bau von Ölförderanlagen. Dazu gehören insbesondere die sogenannten FPSO-Schiffe, die bei der Hochseeförderung in großen Meerestiefen eingesetzt werden. In der Branche herrscht intensiver Wettbewerb.

          Die Rentabilität und die Börsenbewertung des Sektors weisen eine hohe Schwankungsanfälligkeit auf. Ursache sind die ebenfalls großen Schwankungen der Ölpreise. Das Auf und Ab hat sich in der Vergangenheit immer wieder in Überkapazitäten niedergeschlagen. Die operativen Gewinnmargen des Sektors bewegten sich im jüngsten Konjunkturzyklus zwischen drei und acht Prozent; die Barrenditen schwankten zwischen knapp acht und elf Prozent.

          Im konjunkturellen Hoch

          Aufgrund der hohen Schwankungsanfälligkeit sind einige Öldienstleister wie etwa die norwegischen Firmen Aker Kvaerner, Petroleum Geo-Services (PGS) und Stolt in den vergangenen Jahren in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Wiederholt haben größere Anbieter bedrängte kleine Mitbewerber übernommen, wenn deren Aktienkurse auf einen Tiefstand gefallen waren. Die Konsolidierung des Sektors wird sich voraussichtlich beim nächsten Abschwung fortsetzen.

          Derzeit befindet sich die Branche aber in einem konjunkturellen Hoch. Bei Ölpreisen, die aktuell gut 60 Dollar pro Barrel (159 Litern) betragen und auf längere Sicht immer noch mehr als 50 Dollar erreichen dürften, werden die Investitionen der Ölindustrie auch im kommenden Jahr zunehmen. Wegen der steigenden Nachfrage verzeichnet der Sektor eine hohe Auslastung der Kapazitäten. Der Mangel an Reservekapazitäten insbesondere bei FPSO-Schiffen gibt den Anbietern wieder größeren Spielraum bei der Preisgestaltung. Gleichzeitig leidet die Branche unter Personalknappheit; es gibt nicht genügend qualifizierte Ingenieure, um die gegenwärtige Auftragsflut zu bewältigen.

          Aufgrund der zunehmenden Kapazitätsengpässe wird erwartet, daß die operativen Margen der Öldienstleister dieses Jahr im Durchschnitt 7,9 Prozent betragen und 2006 auf 8,2 Prozent steigen. Die Barrenditen auf das investierte Kapital, die sich 2005 auf 10,9 Prozent belaufen werden, erreichen im kommenden Jahr voraussichtlich im Durchschnitt 11,6 Prozent. Der Aufschwung des Sektors wird 2006 fortdauern; bei weiter steigenden Rohölpreisen könnte er sich sogar bis 2007 fortsetzen.

          Frankreich, Holland, Norwegen

          Die französische Geophysique ist der einzige europäische Öldienstleister, der sich auf die Ermittlung seismischer Daten für die Ölexploration spezialisiert hat. Im Festlandsgeschäft erzielt Geophysique derzeit zwar Verluste, und auch die Offshore-Sparte ist momentan nicht sehr ertragsstark. Dennoch wird erwartet, daß die Barrenditen aufgrund des sehr attraktiven, marktführenden Produktegeschäfts der Tochtergesellschaft Sercel höher ausfallen als bei den Mitbewerbern. Der faire Wert der Aktie wird daher auf 90 Euro beziffert; dies impliziert ein Aufwärtspotential des Börsenkurses von 14 Prozent.

          Die holländische SMB Offshore ist Marktführer beim Bau und Betrieb von geleasten FPSO-Schiffen. Das Unternehmen erzeugt stabile Barrenditen, die im oberen Viertel der Sektorwerte liegen. SMB ist vor allem in der Tiefseeförderung engagiert, wo das Wachstum besonders groß ist und eine Vielzahl neuer Aufträge zu erwarten ist. Der faire Wert der SMB-Aktie wird daher bei 75 Euro gesehen; dies entspricht einem Kurspotential von 24 Prozent.

          Die norwegische Stolt Offshore ist als Nischenanbieter ebenfalls im wachstums- und ertragsstarken Tiefseegeschäft tätig. Unseres Erachtens spiegelt die aktuelle Börsenbewertung noch nicht die überdurchschnittlich hohen Barrenditen und guten geschäftlichen Perspektiven des Unternehmens wider. Stolt könnte ein attraktives Übernahmeziel für einen der größeren integrierten Öldienstleister sein.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Noch breit, aber schon sehr flach: der Rio Paraná am Flusstrand von Rosana

          Klimawandel in Brasilien : Rote Sandwüsten am Rio Paraná

          Eines Tages werde man den zweitgrößten Fluss Südamerikas zu Fuß überqueren können, prophezeite ihm ein Fischer. Der Bootsfahrer Queiroz wollte das nicht glauben. Bis jetzt.
          Scheut und bockt: Manchmal ist das Pferd ein Esel.

          Fraktur : Der Mann, den sie Zugpferd nannten

          Unglaublich – die Junge Union hat Söder abgehalftert. Da dürfen sich die Rampensäue nicht wundern, dass er nun bockt.
          Geschlossene Check-In-Schalter am internationalen Flughafen von Hongkong in einer Aufnahme vom 2. Februar 2021

          Chinas Covid-Politik : Kontakt mit dem Ausland ist ansteckend

          Chinas Führung hält an einer strengen No-Covid-Politik fest. Das hat nicht nur mit der Seuche zu tun. Der Kampf gegen Covid dient als Grund für Abschottung und noch mehr Kontrolle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.