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Ölbranche : „TotalFina als hungriger Löwe“

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Die Ölbranche ist noch mit sich selbst beschäftigt Bild: AP GraphicsBank

Analysten halten es für wenig wahrscheinlich, dass Ölfirmen in den Elektrizitätsmarkt eintreten könnten. Die Margen im Kerngeschäft seien zu hoch.

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          Im Zusammenhang mit der Expansion von E.ON in den USA hatten manche Analysten auch die Vermutung angedeutet, es können nicht nur zu einer Konsolidierung innerhalb der Versorger-Branche kommen, sondern letztendlich sei ein Einsstieg der großen Ölmultis nicht völlig ausgeschlossen. Immerhin säßen diese auf hohen Reserven und müssten überlegen, was sie damit anfangen könnten. Die vertikale Integration sei dabei nicht uninteressant, war zu hören.

          Dieser Meinung schließt sich allerdings Angus Mc Phail von S&P Equity Research nicht an. Während Exxon Mobile und BP Amoco momentan auf organisches Wachstum fixiert seien und noch damit beschäftigt seien, Übernahmen und Fusionen zu verdauen, verfüge Royal Dutch Shell über einen freien Cash Flow von 15 Milliarden Dollar pro Jahr. Außerdem sei der Verschuldungsgrad nicht sehr hoch, so dass das Unternehmen unter Umständen noch weitere fünf bis sechs Milliarden Dollar aufnehmen könnte.

          Ölfirmen treten kaum in den Strommarkt ein

          „Auch wenn ich sicher bin, dass die Ölfirmen sich in den nächsten zehn bis 15 Jahren zu Energieunternehmen wandeln werden, halte ich es für relativ unwahrscheinlich, dass sie direkt in den Elektrizitätsmarkt eintreten werden“, sagt McPhail. So müsse Shell zunächst sicherstellen, das notwendige Volumenwachstum zu erreichen. Da habe es auf Grund einer Investitionszurückhaltung in den Jahren 1998 und 1999 eine Lücke, die das Unternehmen wohl durch kleinere Akquisitionen im Gasbereich zu schließen versuchen werde. Denn dort seien die Margen höher als im Stromgeschäft. Sie werden versuchen, die gesamte Energiekette abzudecken und dafür Unternehmen wie BG oder BOC im Blick haben.

          Ähnlich sieht es Clay Smith von Commerzbank Securities. Ein großer Teil des Geldes werde verwendet werden für die Operationen, die bereits liefen. So gebe es ein Angebot an die Aktionäre von Barrett Resources in Kanada in Höhe von 2,2 Milliarden Dollar und für Fletcher Challenge Energy in Neuseeland. Daneben sollen Woodside Petroleum in Australien Mittel zugeführt werden. Im Gespräch sei auch eine Übernahme der Anteile an Equilon und Motiva in den USA, nachdem das ursprünglich beteiligte Unternehmen Texaco mit Chevron fusioniert hat. Dafür seien allein fünf bis sechs Milliarden Dollar denkbar. In Europa sei von Shell keine größere Akquisition zu erwarten.

          TotalFina als hungriger Löwe

          BP hat in einem Statement klar gemacht, für die kommenden zwölf Monate keine Übernahme in Europa zu planen. So bleibt die Frage, „ob TotalFina der hungrige Löwe am europäischen Markt bleiben wird - neben ENI“, sagt Smith. Ziele könnten die noch verbliebenen Öl- und Gasunternehmen sein, das wären die spanische Repsol und die britische BG-Gruppe. Während ENI ein mögliches Engagement auf vier Milliarden Dollar einschränkt, sei TotalFina weiterhin aggressiv. „Ob dabei an eine Übernahme oder an eine Fusion gedacht ist, ist völlig unklar“, sagt Clay Smith. Auch wenn die „Assets“ von Repsol für TotalFina attraktiv sein dürften, seien die Preise im gegenwärtigen Ölpreiszyklus teuer, im Falle einer feindlichen Übernahme. Von daher sei die im gegenwärtigen Stadium relativ unwahrscheinlich.

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