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Ölausrüster : SBO-Aktie weiterhin stabil im Aufwärtstrend

  • Aktualisiert am

Die Suche nach Öl bleibt ein Wachstumsmarkt Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Schoeller-Bleckmann (SBO) aus Österreich verdient immer mehr Geld mit Ölfelddienstleistungen. Der Branche geht es prima, die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Die Aktie ist teurer geworden, dürfte aber noch Potential haben.

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          „Die Titel haben noch Potential“, schrieb FAZ.NET im Januar, als die Aktien von Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment (SBO) mal wieder ein neues Rekordhoch erreicht hatten. Knapp 36 Euro kosteten die Aktien des österreichischen Lieferanten von Hochpräzisionsteilen für die Ölförderindustrie damals. Die Rekordfahrt setzte sich fort: Mitte April erreichten die Titel bei 48,50 Euro einen neuen Höchststand.

          Danach aber korrigierten sie kräftig: Mitte Mai waren die Aktien zeitweise nur noch 42 Euro wert. Inzwischen hat sich der Kurs wieder etwas erholt, am Dienstag gingen die Aktien in Wien bei 46 Euro aus dem Handel. Am Mittwochmorgen legte die Aktie weiter zu, in Frankfurt zum Beispiel betrug das Plus 1,4 Prozent auf 46,65 Euro (Isin AT0000946652).

          Gewinn steigt stärker als der Umsatz

          Die Geschäfte des Öldienstleisters entwickeln sich seit Jahren hervorragend: In den vergangenen vier Geschäftsjahren hat sich der Umsatz um knapp 80 Prozent auf 239,5 Millionen Euro erhöht. Der Nettogewinn hat sich im gleichen Zeitraum auf 34 Millionen Euro mehr als verfünffacht.

          Bild: FAZ.NET

          Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres, für das SBO am Mittwoch kurz vor Börseneröffnung Zahlen bekannt gab, konnte das Unternehmen das Ergebnis abermals überproportional steigern: So stieg das Konzernergebnis um 77 Prozent auf 11,5 (6,5) Millionen Euro und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 70 Prozent auf 15,9 (9,4) Millionen Euro. Der Umsatz verbesserte sich in den ersten drei Monaten des Jahres demgegenüber um 35 Prozent auf 70,8 (52,6) Millionen Euro.

          SBO: Kein Ende des Booms in Sicht

          Dieses Ergebnis sei im Wesentlichen auf Produktionssteigerungen und verbesserte Margen zurückzuführen. So lag die Ebit-Marge im ersten Quartal bei 22,5 Prozent (17,8 Prozent) und habe damit bereits das sehr gute Ergebnis des Gesamtjahres 2006 von 20,1 Prozent übertroffen.

          Positiv ausgewirkt habe sich für Schoeller-Bleckmann die anhaltende Investitionstätigkeit der Ölkonzerne, die ihre Kapazitäten in Exploration und Förderung ausbauten. „Durch unser frühzeitiges Einschwenken auf eine Wachstumsstrategie mit umfangreichen Investitionen konnten wir die positiven Rahmenbedingungen der Oilfield-Service-Industrie auch im ersten Quartal 2007 optimal nutzen“, wird SBO-Chef Gerald Grohmann in der Mitteilung zitiert. Ein Ende des Aufwärtszyklus in der Ölfeld-Service-Industrie sei derzeit nicht erkennbar.

          Hoher Auftragsbestand

          Die Geschäftsentwicklung spiegele sich auch im Auftragsbestand wider. Dieser erhöhte sich um 43 Prozent auf 230,4 (160,8) Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragseingang lag hingegen mit 67,4 Millionen Euro nominell unter dem des ersten Quartals 2006, in dem 77,1 Millionen Euro akquiriert wurden. Dies liege daran, dass einige Bestelleingänge der im ersten Quartal 2007 abgeschlossenen mehrjährigen Langfristverträge darin nicht enthalten seien.

          Die Investitionen zur Kapazitätserweiterung wurden im ersten Quartal 2007 fortgesetzt. So wurde der Ausbau des Maschinenparks mit den Schwerpunkten Ternitz und Houston sowie der Aufbau der neuen Produktion in Ternitz für die zuletzt abgeschlossenen langfristigen Kundenverträge vorangetrieben. Für das Gesamtjahr 2007 seien bislang rund 60 Millionen Euro für Investitionen getätigt oder freigegeben worden.

          Schwacher Dollar kann belasten

          Für die kommenden Monate stellten die zügige Ausweitung der Kapazitäten und das rasche Wachstum des Unternehmens - auch personalseitig - die größten Herausforderungen dar. Belastend könnte eine weitere ungünstige Entwicklung des Dollar-Euro-Wechselkurses sein.

          Insgesamt rechnet SBO für das Gesamtjahr 2007 mit einem „ausgezeichneten“ Ergebnis, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so günstig bleiben wie bisher.

          Aktienbewertung steigt

          Analysten trauen dem Unternehmen weitere Gewinnsteigerungen zu: Das Ebit soll in diesem Jahr auf knapp 60 Millionen Euro steigen, der Umsatz auf fast 285 Millionen Euro. Im Schnitt berechnen sie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17,9 für das laufende und 15,7 für das kommende Geschäftsjahr. Auf Basis der 2008er-Schätzung ist für die Aktie gut das Doppelte des Umsatzes oder das Dreifache des Buchwertes zu zahlen. Die erwartete Dividendenrendite für dieses Jahr beträgt 2,2 Prozent.

          Damit ist die Aktie deutlich teurer geworden, als sie am Jahresanfang war: Mitte Januar betrug das KGV für 2007 noch 14,9. Die erwartete Dividendenrendite betrug für Anleger, die damals kauften, noch 2,9 Prozent.

          Kein Schnäppchen mehr

          Ein Schnäppchen ist die Aktie also keinesfalls mehr. Das Umfeld für Öldienstleister und -ausrüster dürfte auf absehbare Zeit aber freundlich bleiben. Schließlich wird die Ölindustrie selbst dann kräftig investieren, wenn der Ölpreis wieder etwas nachgeben sollte. Darum sollte die Aktie noch etwas Luft nach oben haben, auch wenn eine weiterhin sehr gute Geschäftsentwicklung im Kurs schon eingepreist ist. So große Sprünge wie in den ersten Monaten dürfen Anleger aber nicht erwarten.

          Der charttechnische Aufwärtstrend ist nach wie vor intakt. Derzeit ist nicht erkennbar, warum er demnächst gebrochen werden sollte. Das bisherige Rekordhoch dürfte sich allerdings als Widerstand erweisen, den die Aktie erst einmal überwinden muss. Die zuletzt volatile Kursentwicklung zeigt, dass die SBO-Aktie nichts für nervöse Anleger ist. Absicherungsstrategien können ohnehin nicht schaden.

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