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Kursverlust : Ölaktien sind eine Wette auf den Erfolg der Opec

Es herrscht Tiefstimmung bei den Investoren gegenüber der Ölaktie. Bild: Hassan Ammar/AFP/Getty Images

Die Opec versucht, die Ölförderung auf der ganzen Welt zu drosseln. Doch Amerikas Branche hält dagegen. Die Anleger können mit Ölaktien auf den Ausgang wetten.

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          Das Analysehaus Sentix spricht von einem „Schockerlebnis“ für Ölaktionäre. In der vergangenen Woche ist der Ölpreis zum ersten Mal seit längerem wieder deutlich gefallen. Gerade hatte man sich daran gewöhnt, dass er als Folge des Opec-Deals im vorigen Jahr in einem Band zwischen etwa 55 und 57 Dollar je Fass (159 Liter) pendelte.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und plötzlich bricht er ein auf knapp über 50 Dollar für die Nordseesorte Brent und sogar weniger als 50 Dollar für die amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI). Hintergrund waren zunächst Daten über hohe Lagerbestände in Amerika – später kamen höhere Ölfördermengen in Saudi-Arabien hinzu.

          Das hat die Einstellung der Investoren gegenüber Ölaktien offenbar um 180 Grad gedreht. Laut einer monatlichen Umfrage des Analysehauses Sentix unter mehr als 4000 privaten und institutionellen Anlegern jedenfalls ist die Stimmung gegenüber Ölaktien jetzt im März immerhin auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 2002 gefallen. „Die aktuelle Reaktion muss als Schock auf den jüngsten Preisrutsch am Ölmarkt gesehen werden“, schreibt das Analysehaus.

          Die Kurse vieler wichtiger Ölaktien sind dementsprechend in der vergangenen Woche stark gefallen und erholen sich nur nach und nach wieder. Der europäische Index Stoxx Europe 600 Oil & Gas, kurz SXEP, sank innerhalb einer Woche von 313 auf im Tiefpunkt 301 Punkte, bevor er sich auf 306 Punkte wieder etwas erholte.

          Chevron, Total, Royal Dutch Shell, Statoil, BP und Exxon – sie alle haben zunächst kräftige Kursverluste erleiden müssen, die sich nur nach und nach wieder etwas verringern. Ein Sonderfall sind die Öl-Ausrüster Wood und Amec Foster Wheeler. Wood hatte Anfang der Woche eine Übernahme von Amex Foster Wheeler angekündigt – und so deren Kurs um zeitweise 14 Prozent nach oben getrieben. Aber das sind offenkundig Ausnahmen.

          STXE 600 OIL+GAS PR.EUR

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          Ölaktien haben verloren, und das hängt auch mit einer Stimmung zusammen. Für Anleger stellt sich also die Frage: Sind das jetzt Kaufkurse? Wer derzeit in diesem Sektor investiert, wettet auch auf den Ausgang eines geopolitischen Wettstreits: Wie wird das Kräftemessen zwischen der Opec, die eine Förderkürzung vereinbart hat, und Amerika, das seine Förderung ausbaut, am Ende ausgehen? Als wie vertragstreu werden sich die Opec-Kartellanten erweisen? Und wird die Opec, die im Mai über eine Verlängerung der Förderkürzung befinden will, dafür noch einmal alle Beteiligten zusammenbekommen?

          „Im Sektor ist wieder Nüchternheit eingekehrt, und die zunehmend fehlende Euphorie könnte für uns in den nächsten Wochen zum Einstiegsgrund werden“, sagt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. Der Ölpreis ist seit dem 23. Februar um 11 Prozent zurückgegangen. Das sei zwar eine deutliche Bewegung, allerdings sei sie nicht vergleichbar mit dem Ölpreis-Absturz Anfang 2016 um mehr als 25 Prozent. Es gebe einen wichtigen Unterschied: Damals war der Preisrückgang zumindest auch als Nachfrageschwäche gedeutet worden – das sei heute nicht so.

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