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Ölaktien : Schwarzes Gold bleibt eine Empfehlung

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Die hohen Treibstoffpreise füllen die Kassen der OMV und anderer Ölkonzerne Bild: OMV

Anleger von Unternehmen aus der Erdöl- und Erdgasbranche haben weiter Rückenwind. Auch eine Reihe zentral- und osteuropäischer Unternehmen bieten Kurspotential, allen voran die österreichische OMV.

          5 Min.

          In der Erdöl- und Erdgasbranche herrscht Goldgräberstimmung. Die Unternehmen profitieren neben dem hohen Ölpreis vor allem vom Energiehunger der rasant wachsenden Volkswirtschaften in Asien und Osteuropa. Allein auf China wird nach Einschätzung der Organisation Erdöl exportierender Länder Opec mehr als ein Drittel des Öl-Nachfragewachstums entfallen.

          Das treibt die Gewinne der Unternehmen. Citigroup rechnet auf Basis eines langfristigen Ölpreises von 100 Dollar je Barrel (zu 159 Liter) für die integrierten europäischen Konzerne mit einem Gewinnwachstum von 18 Prozent in diesem Jahr und 27 Prozent im kommenden Jahr. Noch optimistischer ist UBS mit Wachstumserwartungen von 20 Prozent in diesem Jahr und 34 Prozent im nächsten Jahr.

          Günstige Bewertungen

          Die Branche ist im langjährigen Vergleich recht günstig bewertet: Daiwa Institute of Research erwartet ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 9,2 für dieses Jahr und 10,7 für kommendes Jahr. UBS schätzt 8,7 und 8,1. Im Vergleich zum DJ Stoxx ist der Sektor jedoch nicht mehr so billig, wie das noch bis vor vier Jahren der Fall war.

          Bild: F.A.Z.

          Neben den großen Multis wie Royal Dutch, Total und BP gibt es für Anleger eine Reihe von kleineren Unternehmen. Darunter finden sich in Zentraleuropa OMV und MOL, ferner Petrom, INA, PKN und Unipetrol. Wie ihre westeuropäischen Konkurrenten verzeichnen auch sie seit Jahresbeginn nur geringe Kurszuwächse. „Der Markt antizipiert die gedämpfte Nachfrage“, begründet Philipp Chladek, Analyst der Raiffeisen Centrobank (RCB) in Wien, diese Entwicklung.

          OMV expandiert nach Osten

          Dennoch dürfen Anleger hier Potential erwarten. Ein herausragender Akteur ist die österreichische OMV. Deren Kurs hat ebenso seit Jahresbeginn nur wenig zugelegt. Dadurch fällt die Bewertung im Vergleich äußerst günstig aus, so dass die Aktien von vielen Investmenthäusern zum Kauf empfohlen wird.

          OMV ist der führende Erdöl- und Erdgasanbieter im Donauraum, ihrer Kernregion mit mehr als hundert Millionen Einwohnern vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer. Dort kontrolliert sie ein Fünftel des Tankstellennetzes. Durch die vor vier Jahren übernommene rumänische Petrom hat sich der teilstaatliche Wiener Konzern den Zugang zu riesigen Ölvorräten nicht nur in Rumänien, sondern auch in Kasachstan und im Schwarzen Meer gesichert.

          Mit der Integration der Petrom scheint OMV voranzukommen. Seit der Übernahme wurde der Personalstand der Beteiligung auf 28 000 halbiert. Der rumänische Ölriese hat mit 57 000 Mitarbeitern damals fast zehnmal so viel Personal wie die OMV beschäftigt. Bedeutend an Petrom sind die Erdölreserven. Selbst wenn die meisten Ölfelder bereits reif sind - was die Ausbeutung im Jahr künftig tendenziell verringere und teurer mache -, seien diese ein wichtiges Vermögenselement, da die Ölpreise hoch bleiben dürften, schätzt die Wiener Erste Bank ein.

          Zudem liefert Rumänien einen bedeutenden Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsposition im Tankstellen-Geschäft gegenüber den Konkurrenten MOL und INA. Rumänien ist gleich nach Polen der größte Treibstoff-Markt in Zentral- und Osteuropa mit jährlichen Zuwächsen von 10 Prozent.

          Kampf um und mit MOL

          Der OMV spielt die Ölpreishausse in die Hände. Die Gesellschaft erwirtschaftet drei Viertel ihres Gewinns und ein Fünftel des Umsatzes aus der Förderung. Deren Erzrivale MOL ist hingegen stark auf das Raffineriegeschäft ausgerichtet und profitiert daher von den hohen Erdölpreisen nicht so stark wie andere Mitbewerber.

          Rund zwei Drittel der Erlöse stammen aus dem Geschäftsfeld Raffinerie und Marketing und nur ein Zehntel aus Exploration und Produktion. Das führende Erdöl- und Erdgasunternehmen Ungarns und einer der führenden Raffineure Europas steht seit einem Jahr im Übernahmevisier der OMV.

          Der österreichische Petrochemiespezialist ist mit fast einem Fünftel der Anteile der größte Gesellschafter der MOL. Für dessen Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer würde ein Zusammenschluss einen starken Spieler in Zentral- und Osteuropa schaffen und den Konzern bei der anstehenden Konsolidierung in der Branche in den kommenden Jahren schützen.

          Ungarische Wagenburg

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