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Öl : Repsol-Aktie läuft wie geschmiert

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Die Repsol-Aktie läuft wie geschmiert, seitdem die spanische Ölgesellschaft mit den Quartalszahlen überrascht hat. Der Schwung und die niedrige Bewertung sprechen für den Titel, ebenso der weiter hohe Ölpreis.

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          Der Ölpreis verliert zwar etwas an Boden, doch der Kurs der Aktie von Repsol bewegt sich nahe am Jahreshoch. Am Mittwoch legt der Titel an der Heimatbörse in Madrid um 0,2 Prozent auf 15,33 Euro zu. In Frankfurt gewinnt er knapp ein Prozent auf 15,50 Euro und in New York 0,8 Prozent auf 16,75 Dollar.

          Die Beliebtheit dieses Öl-Titels ist bei Anlegern rund um den Globus infolge der jüngsten Geschäftsergebnisse spürbar gestiegen. Auch der weiter hohe Ölpreis, der sich stabil deutlich jenseits der 30-Dollar-Marke bewegt, trägt zu der verstärkten Nachfrage bei. Da ein Ölpreisverfall nicht absehbar und die Aktie in Schwung ist, dürfte sie weiter hochlaufen und ihr Jahreshoch bald übertrumpfen.

          Erwartungen der Analysten übertroffen

          Repsol hat im zweiten Quartal das Betriebsergebnis um 12,1 Prozent auf 946 Millionen Euro gesteigert. Zwar sank der Nettogewinn um 50,7 Prozent auf 493 Millionen Eurpo, doch hatte das Unternehmen im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres ihre Beteiligung von 23 Prozent an Natural Gas verkauft, was sich in den Zahlen niederschlug. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte auf 53 Cent nach 39 Cent vor einem Jahr.

          Repsol kamen dabei die gestiegenen Rohstoffnotierungen bei Öl und Gas zupaß, so daß das entsprechende Geschäft einen Anstieg des Betriebsergebnisses von 25 Prozent auf 543 Millionen Euro einbrachte. Um 101 Prozent auf 348 Millionen Euro kletterte das Betriebsergebnis beim Raffinerie- und Tankstellengeschäft. Dagegen mußte Repsol in der Petrochemie wegen gestiegener Rohstoffkosten und des starken Euro einen Rückgang von zwölf Prozent auf 58 Millionen Euro beim Gewinn einstecken; daran änderte auch der Preisanstieg bei Basischemikalien, die von der Petrochemie hergestellt werden, nichts.

          Lob und Bedenken von Analystenseite

          Bei Analysten stießen diese Daten auf Beifall: „Insgesamt war das Zahlenwerk vielversprechend“, meint Harald Feldhoff von der WGZ-Bank. Goldman Sachs & Co. sprachen von starken Zahlen und einen soliden Barmittelzufluß von 1,193 Milliarden Euro, der es dem Management den Abbau von Schulden in Höhe von 890 Millionen Euro erlaubt habe.

          Doch fanden die Analysten auch Haare in der dicken Suppe: Repsol müsse weiter Schulden abbauen, um sicherzustellen, daß das Niveau der Verbindlichkeiten tatsächlich sinke. Das Verhältnis von Schulden zum Umsatz von 73 Prozent sei noch hoch, heißt es bei Goldman Sachs weiter. Dennis Nacken von Helaba Trust sieht zunehmende Ertragsrisiken: „Aufgrund des vermutlich mittelfristig höheren Ölangebots vor allem aus dem Irak, Venezuela und Rußland besteht die Gefahr, daß die Rohstoffnotierungen rückläufig notieren.“ Dies meint auch Feldhoff, während Goldman Sachs einen Mangel an kurstreibenden Nachrichten aus dem Unternehmen bis zur Präsentation der Strategie im November sehen.

          Titel niedrig bewertet

          Gleichwohl: Die auf die Rohstoffnotierungen gerichteten Bedenken, die in der jüngeren Vergangenheit die Kursphantasie bei anderen Ölaktien zerstreut hatten, haben sich bisher nicht bewahrheitet. Der Ölpreis ist weit von der Marke „25 Dollar oder weniger“ entfernt, bei der von Analysten im Fall eines Sieges der „Allianz der Willigen“ im Irakkrieg mittelfristig gesehen worden war. Wann Venezuela wieder zu alter Förderstärke aufläuft und der Irak namhaft einsteigt, ist offen.

          Zudem spricht das niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,9 für Repsol; das spanische Unternehmen ist auch im Branchenvergleich nicht hoch bewertet, da Royal Dutch/Shell auf ein KGV von 12,75 kommt und BP auf 16,1. Auch charttechnisch gibt es ermutigende Zeichen: Zwar ist der langfristige Abwärtstrend erst bei etwa 16,10 Euro überwunden, doch könnte die Marke noch in dieser oder der nächsten Woche geknackt werden, wenn die Aktie ihren Schwung beibehält; seit 7. August hat sich der Titel um gut neun Prozent verteuert und seit dem Märztief um knapp 30 Prozent. Damit hat er deutlich besser performt als Royal Dutch (plus 22 Prozent seit März) und BP, die im gleichen Zeitraum um 13 Prozent zulegten.

          Solange es beim Ölpreis keinen Knick gibt, wirkt die Aktie zumindest im Branchenvergleich attraktiv. Ein starkes Kaufsignal würde sie setzen, wenn sie die breite Widerstandszone hinter sich ließe, die bis 16,80 Euro reicht.

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