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Öl : Conoco-Phillips-Aktie läuft wie geschmiert auf Rekordhoch

  • Aktualisiert am

Öl-Förderplattform von ConocoPhillips in der Nordsee Bild:

Auf ein Rekordhoch ist die Aktie von Conoco-Phillips am Dienstag an der Wall Street gelaufen. In Europa läuft der günstig bewertete Titel am Mittwoch weiter nach oben. Der Kauf einer Beteiligung an Lukoil eröffnet neue Chancen.

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          Nie war sie so teuer wie derzeit, die Aktie von Conoco-Phillips. Der Titel des amerikanischen Ölkonzerns hat am Dienstag an der Wall Street um 2,65 Prozent auf 83,21 Dollar zugelegt. Am Mittwoch legt er in Europa weiter zu. Auf dem Frankfurter Parkett werden 67,21 Euro bezahlt, das sind gut 0,9 Prozent mehr als am Vortag; umgerechnet entspricht der Kurs 83,54 Dollar.

          Conoco-Phillips zählte am Dienstag nicht nur zu den besten Werten im marktbreiten S&P 500-Index, sondern läuft diesem auch deutlich voraus. Zudem hat sich die Aktie besser entwickelt als der Öl-Index, dem sie und zehn weitere Titel amerikanischer und europäischen Konzerne angehören. Dabei ist Conoco-Phillips, in Deutschland mit der Tankstellen-Marke Jet vertreten, nicht nur von einem schönen Aufwärtstrend gekennzeichnet: Im Vergleich zur Konkurrenz ist der Titel auch noch günstig bewertet. Und der Erwerb einer Beteiligung am russischen Mitbewerber Lukoil eröffnet neue Chancen.

          Einfluß in Rußland ausgebaut

          Der drittgrößte amerikanischen Ölkonzern ConocoPhillips erwirbt für knapp zwei Milliarden Dollar den verbliebenen Staatsanteil von 7,6 Prozent an der russischen Lukoil. Damit hat sich Conoco mit seinem Gebot im Bieterverfahren um den Lukoil-Anteil durchgesetzt, wie Reuters am Mittwoch aus Kreisen des russischen Ölkonzerns erfuhr. Der Preis von 1,988 Milliarden Dollar bewertet Lukoil nach Reuters-Berechnungen mit 30,76 Dollar je Aktie.

          Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Conoco-Phillips an der Wall Street.
          Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Conoco-Phillips an der Wall Street. :

          Das Bieterverfahren um den Lukoil-Staatsanteil hatte Ende August begonnen. Conoco galt als Favorit. Reuters hatte aus Branchenkreisen erfahren, daß der amerikanische Konzern nach der Auktion seinen Anteil an Lukoil auf 25 Prozent aufstocken wolle, um Milliarden von Barrel an Rohölreserven in seine Bücher aufnehmen zu können.

          Konzernchef James Mulva hatte sich vor dem Abschluß des Geschäfts mit dem russischen Präsidenten Putin getroffen und dessen Wohlwollen erfahren. Putin habe ihm gesagt, Conoco-Phillips könne auf seine Unterstützung zählen.

          Periodengewinn um 75 Prozent gestiegen

          Analysten äußerten sich lobend: „Aus der strategischen Sicht ist es nicht schlecht: Man kann ein Geschäft mit den Regierenden machen, und das Geschäft ist gelaufen“, meinte Harvey Sawikin, der für das New Yorker Firebird Management russische Aktien betreut, laut Bloomberg. Mit dem Anteil an Lukoil, den der Konzern auf 20 Prozent ausbauen will, erweitert er seinen Einfluß auf dem russischen Markt. Conoco-Phillips gehört schon ein Anteil von 50 Prozent an einem Gemeinschaftsunternehmen mit OAO Rosneft, das Öl in Nordrußland pumpt.

          Wie die Konkurrenz profitiert der amerikanische Ölriese deutlich von der anhaltenden Ölpreis-Hausse. Im zweiten Quartal schoß sein Periodenüberschuß im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um 75 Prozent auf 2,08 Milliarden Dollar oder 2,97 Dollar je Aktie; nach sechs Monaten steht ein Gewinn von 5,30 Dollar je Aktie zu Buche. Analysten erwarten ein Jahresergebnis von 9,79 Dollar je Anteilsschein, woraus sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,4 errechnet. 54 Prozent hat der Konzern also schon erwirtschaftet und insofern gute Chancen, die Erwartungen auf Jahresbasis zu erfüllen, zumal die Hausse die Gewinne sprudeln lassen dürfte. Bei seinem jüngsten Ausblick äußerte sich die Konzernspitze in einer Eklärung zu den Quartalszahlen zuversichtlich, die Lage weiter zu verbessern, ohne genaue Zahlen zu nennen.

          Aktie günstiger als Konkurrenzpapiere

          Mit einem KGV von 8,4 ist der Titel nicht nur deutlich günstiger bewertet als der S&P 500, der auf etwa 15,5 kommt. Auch Konkurrenztitel sind teurer: Marathon Oil ist mit 11,0 bewertet, Chevron-Texaco mit 10,3 und Exxon-Mobil mit 14,5. Angesichts dessen wirkt die Aktie noch unterbewertet und dürfte folglich noch Potential nach oben haben. Der Schwung, den sie aufweist, spricht zudem für sie: Binnen Jahresfrist hat sie sich um 52 Prozent und in den vergangenen vier Wochen um 14 Prozent verteuert, während der Öl-Index um 44 Prozent und 10,5 Prozent hochgelaufen ist; das Jahresplus des S&P 500 beträgt 11,4 Prozent. Mithin bietet sich der Titel weiter zum Kaufen an. Zumal die Ölpreis-Hausse nicht bald vorbei sein dürfte (FAZ.NET-Spezial: 50 Dollar für das Öl sind erst der Anfang).

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