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Nokia : Viel Luft nach oben - und nach unten

Nokias Präsident Stephen Elop auf dem Mobile World Congress in Barcelona Bild: AFP

Drei Tage vor dem Messestart des Mobile World Congress in Barcelona war Microsoft mit Nokia eine Allianz eingegangen. Die Frage die sich nun stellt ist, wie es mit dem größten Software-und Handykonzern weitergeht.

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          Auf dem Mobile World Congress in Barcelona, der größten Mobilfunkmesse der Welt, gab es in diesem Jahr nur ein Gesprächsthema: Wie geht es weiter mit Nokia und Microsoft? Drei Tage vor dem Messestart war der größte Softwarekonzern mit dem größten Handykonzern eine Allianz eingegangen. Auf den Geräten der Finnen, die pro Jahr immerhin mehr als 400 Millionen Mobiltelefone verkaufen, läuft künftig vor allem das neue mobile Betriebssystem Windows Phone 7.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Reaktion der Börse auf diesen Strategieschwenk war eindeutig. Innerhalb kurzer Zeit nach der Ankündigung verlor die Nokia-Aktie mehr als ein Viertel ihres Wertes. Solche Sprünge mögen bei kleinen Werten gewöhnlich sein, nicht jedoch bei einem Firmen-Schwergewicht mit einem Börsenwert von immer noch mehr als 24 Milliarden Euro. Und wohlgemerkt schreckten die Finnen nicht mit einer Prognose rückläufiger Gewinne. Es handelte sich lediglich um die Ankündigung einer Kooperation.

          Drei Jahre lang keine überzeugende Antwort auf das iPhone

          Doch diese Ankündigung ist aus Börsensicht aus zwei Gründen problematisch. Zum einen werten sie Fachleute als Eingeständnis gravierender Fehler in der Vergangenheit. Nokia war zwar schon mit den begehrten Smartphones auf dem Markt, als viele Verbraucher mit diesem Begriff nichts anfangen konnten. Doch die Finnen fanden drei Jahre lang keine überzeugende Antwort auf das iPhone, mit dessen Einführung im Jahr 2007 die Firma Apple die Karten im Handymarkt neu mischte.

          Das wäre vielleicht zu verschmerzen, sähe wenigstens die Zukunft rosig aus. Sie tut es, glaubt man dem Nokia-Vorstandsvorsitzenden Stephen Elop. Der frühere Microsoft-Manager, der seit September 2010 den Konzern leitet, spricht von einem „Rennen mit drei Pferden“: Eines ist Apple, das andere Google mit seinem Betriebssystem Android und das dritte Microsoft/Nokia mit der mobilen Windows-Variante. Zum Beweis seiner Zuversicht hat Elop Nokia-Aktien für eine Million Euro erworben. Normalerweise wäre das ein sehr gutes Zeichen. Anleger orientieren sich gerne an kundigen Insidern, die genau wissen, was sie tun, vor allem, wenn es um das eigene Vermögen geht. Allerdings stellt sich hier die Frage, ob man den „Vertrauensbeweis“ wirklich als Vertrauensbeweis werten kann. Als vor kurzem publik wurde, dass Elop noch Microsoft-Aktien hält, aber keine Nokia-Anteile, führte das in Nokias Heimat Finnland zu einem medialen Aufschrei. Elop musste ein ums andere Mal versichern, kein „trojanisches Pferd“ zu sein, das mehr seinem früheren Arbeitgeber verpflichtet ist als seinem aktuellen.

          Nokia ist ein Risikopapier im wahrsten Sinne des Wortes

          Im Grund genommen sind das aber – bleibt man im kämpferisch angehauchten Sprachduktus von Nokia, dessen Chef gerne Winston Churchill zitiert – nur Nebenkriegsschauplätze. Das wirkliche Problem der bisher ungeschlagenen Handy-Macht liegt darin, dass sie ein Jahr verstreichen lassen muss, bevor es mit der Attacke im sehr schnell tickenden Handymarkt richtig losgehen kann. Normalerweise reisen Unternehmen nach Barcelona, um dort neue Smartphones oder Tablet-Computer vorzustellen. Firmen wie HTC präsentierten so viele neue Modelle wie noch nie. Nokia hatte außer einigen unausgegorenen Designstudien jedoch nichts zu bieten. Wie auch? Die Gespräche mit Microsoft liefen im November an, erst in letzter Minute einigte man sich. Tatsächlich könnte sich Nokia eines besonders hohen Tempos rühmen, wenn noch in diesem Jahr Windows-Phone-Handys auf den Markt kämen. Wahrscheinlicher ist, dass man das Weihnachtsgeschäft verpasst und erst 2012 in relevantem Umfang liefern kann.

          So zeigen sich die Analysten überwiegend skeptisch. Bloomberg weist 17 Kaufempfehlungen aus und 21 Verkaufsempfehlungen, 10 Analysten raten zum Halten der Aktie. Im Klartext: Lediglich ein Drittel räumt dem Papier nachhaltige Chancen ein. Für Anleger bedeutet das: Nokia ist ein Risikopapier im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn die Kunden auf Nokia und das durchaus konkurrenzfähige System Windows Phone 7 warten, sehen die Chancen nicht schlecht aus, auch wenn der Konzern spät kommt. Immerhin verfügt Windows über einen sich schnell füllenden App-Store – wichtiges Verkaufsargument in einer Zeit, in der tendenziell die Software wichtiger und die Hardware unwichtiger wird. Steigen sie dagegen schon vorher auf iPhone oder Android um, wäre ein langsamer Niedergang programmiert.

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