https://www.faz.net/-gv6-zgpf

Nokia : Jetzt wird schon eine Aufspaltung berechnet

Nokias Forschungszentrum Bild: dpa

Nokias Aktienkurs ist weiter auf Talfahrt. Der Handyhersteller kostet an der Börse derzeit so wenig wie seit 13 Jahren nicht mehr. Die Übernahme durch Microsoft wird dementiert.

          2 Min.

          Die Börsen-Talfahrt des Handyherstellers Nokia scheint kein Ende zu nehmen. Am Freitag gab der Aktienkurs des Weltmarktführers weiter nach, nachdem das Papier bereits zu Wochenbeginn 18 Prozent an Wert eingebüßt hatte. Nokia kostet an der Börse derzeit so wenig wie seit 13 Jahren nicht mehr. Alleine seit 2007, dem Jahr der Einführung von Apples iPhone, sank die Marktkapitalisierung um rund drei Viertel. Der Kursrutsch in dieser Woche folgte auf revidierte Geschäftsprognosen. Der Weltmarktführer hat seine Vorausschau für das zweite Quartal gesenkt und für das komplette Jahr zurückgezogen.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Inzwischen kursieren bereits Rechnungen, wonach der Mobilfunkkonzern zerschlagen und verkauft den Aktionären mehr bringt denn als Einheit. Im Fall einer Aufspaltung sei Nokia 52 Prozent mehr wert als es derzeit an der Börse der Fall sei, rechnete die Finanzagentur Bloomberg vor. Durch eine Trennung der Bereiche Mobiltelefon, Infrastrukturausrüstung und Kartensoftware sowie der Bilanzierung der Patente könnte Nokia 39 Milliarden Dollar wert sein, hieß es. Dafür wurden Bewertungen vergleichbarer Unternehmen zugrunde gelegt. Die aktuelle Marktkapitalisierung bewegt sich gegenwärtig um die Marke von 25 Milliarden Dollar. Nokia wird derzeit mit dem 3,45-fachen des Ebitda-Gewinns der vergangenen 12 Monate bewertet. Damit ist die Aktie der Finnen deutlich billiger als die der zehn größten Telekomausrüster, die im Schnitt auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,7 kommen.

          Nokias Geschäfte schrumpfen weiter

          Zu den Interessenten an Teilbereichen des Handykonzerns zählte Lee Simpson, Analyst bei Jefferies in London, Konkurrenten wie Samsung oder HTC. Auch Microsoft, Nokias Partner mit Blick auf das neue Mobilbetriebssystem Windows Phone, wird immer wieder als potentieller Übernehmer gehandelt. Das letzte und prompt dementierte Gerücht lautet, Microsoft wolle Nokias Handysparte für 19 Milliarden Dollar kaufen.

          In der Finanzwelt wäre man einer Zerschlagung gegenüber wohl nicht abgeneigt, zumal Anleger alleine in diesem Jahr viel Geld mit ihrem Nokia-Investment verloren haben. „Es ist eine klassische Situation, wo die Einzelteile mehr wert sind als das Gesamtunternehmen“, sagte Matt McCormick, Fondsmanager bei der amerikanischen Finanzfirma Bahl & Gaynor. „Die Uhr tickt. Nokia ist eine gute Marke, aber eine lahme Marke, und sie müssen etwas unternehmen. Sie sind ein starker Kandidat für eine Übernahme.“ Michael Mahoney, Fondsmanager bei Falcon Point Capital in San Francisco, schlug in die gleiche Kerbe: „Es muss einige Anbieter geben, die über Nokia nachdenken. Jetzt ist der Zeitpunkt da, sich Nokia genau anzuschauen.“

          Firmenchef Stephen Elop betonte unterdessen, man habe eine Akquisition mit Microsoft niemals diskutiert. Für die kursierenden Gerüchte gebe es keinerlei Grundlage. „Wir haben einen großartigen Plan für die Zukunft, und wir sind darauf fokussiert, diesen Plan auch auszuführen“, sagte er. Der Plan sieht vor allem vor, im Geschäft mit lukrativen Smartphones wieder Boden gutzumachen. Dies soll durch Microsofts Mobilbetriebssystem Windows Phone gelingen, mit dem Nokia künftig seine Handys bestücken will – statt dem bisherigen und als unattraktiv geltenden Symbian-System.

          Der Umstieg lässt jedoch Nokias Geschäft zunächst weiter schrumpfen. Nach den zum Wochenbeginn veröffentlichten neuen Erlös- und Gewinnprognosen soll der Umsatz in der Sparte „Devices & Services“, die das Kerngeschäft mit Mobiltelefonen umfasst, nun deutlich unter der anvisierten Bandbreite von 6,1 bis 6,6 Milliarden Euro liegen. Die operative Marge werde erheblich hinter den in Aussicht gestellten 6 bis 9 Prozent zurückbleiben; vielmehr soll sie sich um den Bereich der Gewinnschwelle bewegen. Zur Begründung wurden ein dynamischer Wettbewerb und Markttrends vor allem in Europa und China angeführt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ist die Welt noch zu retten? Eine Frau bei einer Demo in Lissabon.

          Raus aus der Klimakrise : „Moralappelle bringen nichts“

          Der Kölner Spieltheoretiker und Verhaltensökonom Axel Ockenfels erklärt im Interview, wo der Knackpunkt im Klimakonflikt liegt – und auf welcher Grundlage das Problem von der Weltgemeinschaft gelöst werden könnte.

          Muhammad Bin Salmans Pläne : Der Ölprinz mit der Billion

          Er ist jung und braucht das Geld: Der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman bringt den weltgrößten Ölkonzern Saudi Aramco an die Börse. Damit will er nicht nur das Land reformieren, sondern auch die eigene Macht sichern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.