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Twitter-Aktie : Noch nicht einmal Trump hilft Twitter

Donald Trump: Einer der eifrigsten Twitter-Nutzer. Bild: dpa

Donald Trump verbreitet seine Botschaften unermüdlich über Twitter. Wer meint, davon würde Twitter profitieren, liegt daneben.

          6 Min.

          Bevor sich Donald Trump Mittwochnacht endlich zur Ruhe begab und schlafen legte, musste er unbedingt noch etwas loswerden. Ein aufreibender Tag lag hinter dem künftigen amerikanischen Präsidenten: wegen der öffentlich gemachten Vorwürfe, Russland habe kompromittierendes Material über ihn gesammelt, und wegen seiner ersten Pressekonferenz seit seinem Wahlsieg, wo er es eine Stunde lang mit kritischen Journalisten zu tun bekam.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Gegen Mitternacht fasste Trump das Geschehen zusammen, er richtete sich direkt an seine Gefolgschaft, wie immer in 140 Zeichen über den Kurznachrichtendienst Twitter. Kurz und bündig pries er seine „großartige Pressekonferenz“, obwohl üble Medienvertreter dabei gewesen wären. Aber die Leute da draußen würden schon verstehen, was vor sich gehe. Ende der Durchsage. Es war Trumps Twitter-Wortmeldung Nummer 34.280. Eine aberwitzige Zahl an Tweets, schier unschlagbar. Und täglich werden es mehr Einträge.

          Donald Trumps unermüdliches Mitteilungsbedürfnis könnte das Beste sein, was Twitter je passiert ist. Über den Kanal kann der künftige Präsident seine simplen Botschaften, knappen Drohungen und knallharten Forderungen unters Volk bringen. Auf diese Weise ist auch Twitter in aller Munde, der Firmenname allgegenwärtig, Donald Trump fast so etwas wie ein Markenbotschafter des sogenannten Microblogging. Doch sosehr Trump von seiner Politik der 140 Zeichen seit dem Wahlkampf profitiert, der Kurznachrichtendienst Twitter hat nichts von seinem aktivsten Promi-Nutzer. Man kann es das Trump-Twitter-Paradox nennen.

          Im Unternehmen herrscht große Unruhe, Führungskräfte gehen reihenweise, 350 der 3800 Beschäftigten werden entlassen. Die Zahlen sind mau, seit seiner Gründung vor bald elf Jahren macht Twitter Verluste, im dritten Quartal 2016 waren es 103 Millionen Dollar. Der Aktienkurs ist nicht weit von seinem Tiefstand entfernt, die Anteilseigner stöhnen. Kurz nach dem Börsengang im November 2013 erreichte die Twitter-Aktie ihren Höchststand von 73,31 Dollar. Inzwischen ist sie nur noch rund 17 Dollar wert, also gerade einmal ein Viertel.

          Der Trump-Effekt an den Finanzmärkten, der sich nach dem Wahlsieg Anfang November zeigte, ging an Twitter vorbei. So toll der Kurznachrichtendienst als Produkt sei, so miserabel sei die Aktie, heißt es an der New Yorker Wall Street und auch hierzulande.

          Jedenfalls nicht an Dauer-Twitterer Trump. Im Präsidentschaftswahlkampf hat er bis zu 70 Tweets abgesetzt - am Tag. Und wer dachte, er würde zwischen seinem Wahlsieg am 8. November und der Amtseinführung am kommenden Freitag die Finger still halten, der sah sich schnell getäuscht. Trump macht über Twitter weiter Politik: gegen China, gegen Mexiko, gegen Automobilhersteller, die nicht in Amerika produzieren wollen, gegen Boeing, das seine Flugzeuge nach China und Iran verkaufen will, gegen Geheimdienste, gegen Medien, gegen prominente Kritiker wie zuletzt die Schauspielerin Meryl Streep.

          Bis zu einem Dutzend Mal täglich hat sich Trump in den vergangenen Wochen via Twitter zu Wort gemeldet. Zum Vergleich: Barack Obama, bis Freitag noch Präsident der Vereinigten Staaten, veröffentlicht im Schnitt vier Tweets pro Woche. Auch was die Gefolgschaft angeht, liegt Obama hinten: Seinem Twitter-Account „Potus“ (President of the United States) folgen 13,4 Millionen Menschen. Trump bringt es auf 19,8 Millionen. Der Siebzigjährige werde auch als Präsident nicht müde, sich über Twitter zu äußern, hat sein künftiger Regierungssprecher angekündigt. Zumal Trump von seinem Vorgänger den Account „Potus“ übernimmt.

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