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Nikkei : Hausse in Tokio

  • Aktualisiert am

Die Zeichen stehen auf Wachstum Bild: picture-alliance / dpa/afp

Der Nikkei ist über die Marke von 15.000 Punkten gestiegen und hat damit den höchsten Stand seit fünf Jahren erreicht. Kapital aus dem Ausland strömt in den japanischen Markt: Seit Jahresbeginn sind 66 Milliarden Euro zugeflossen.

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          Der Nikkei hat mit mehr als 15.000 Punkten den höchsten Stand seit fünf Jahren erreicht. Das japanische Börsenbarometer legte am Donnerstag fast 2 Prozent zu, während sich der Yen gegenüber dem Dollar abermals verbilligte. Er fiel auf das niedrigste Niveau seit anderthalb Jahren. Das verschafft den ausfuhrorientierten Unternehmen Japans Kostenvorteile. Im bisherigen Jahresverlauf stieg der Nikkei um 32 Prozent, der Topix-Index um 36 Prozent.

          Ein Ende dieser Hausse ist nach Einschätzung vieler Analysten nicht in Sicht. Allerdings ist der Nikkei immer noch weit von seinem Rekordhoch entfernt, das er Ende 1989 bei fast 39.000 Punkten erreicht hat. Die Investmentbanken Morgan Stanley und JP Morgan erwarten den Nikkei Anfang 2006 bei 16.500 Zählern („Rotation am Arbeitsmarkt und Reformen nutzen japanischen Aktien“).

          Goldman Sachs rechnet für die kommenden Monate mit positiven Überraschungen. Gründe dafür seien die vielversprechenden Gewinnprognosen der Unternehmen, die sich abzeichnende Fortsetzung der extrem lockeren Geldpolitik der Bank von Japan (BoJ) mit Leitzinsen nahe null Prozent und eine überreichliche Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld, sowie die positiven Wachstumsaussichten für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, hieß es bei Merrill Lynch.

          Konjunkturoptimusmus

          Für das laufende und für das kommende Jahr rechnen Regierung und Zentralbank mit einer Steigerung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von jeweils knapp 3 Prozent. Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzen Japans konjunkturelle Aussichten optimistisch ein. Sucht doch das Kabinett von Ministerpräsident Junichiro Koizumi durch eine breit gefaßte Reformagenda mit weiteren Öffnungen und Deregulierungen der Waren-, Kapital- und Arbeitsmärkte sowie einem großangelegten Programm zur Privatisierung staatlicher Unternehmen der landesweiten Wirtschaft nachhaltige Wachstumsimpulse zu geben.

          Das kommt an der Börse gut an. Seit Koizumi aus einer Unterhauswahl des Parlaments im September als Sieger hervorging, stieg der Nikkei um 25 Prozent. Dabei profitierten die Aktien auch von den bereits umgesetzten Reformen in den Unternehmen. Die Privatwirtschaft stellte sich in den vergangenen Jahren der deflationären Tendenz mit Preisrückgängen an den heimischen Verbrauchermärkten von durchschnittlich 3 Prozent neu auf. In vielen Firmen seien Überkreuzbeteiligungen und alte Seilschaften in den Vorstandsetagen gekappt, der Berg an Verbindlichkeiten und Kostenblöcke im laufenden Geschäft verringert sowie Verbundvorteile über Fusionen und Akquisitionen gehoben worden, erklärten die Investmentbanker von Morgan Stanley.

          Operative Gewinnmarge gestiegen

          Die durchschnittliche operative Gewinnmarge der großen börsennotierten Unternehmen übersprang in der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres erstmals die Hürde von 5 Prozent. Firmen wie Toyota, Sharp oder Komatsu haben ihren Aktionären für das laufende Jahr abermals Rekordgewinne in Aussicht gestellt. Vor diesem Hintergrund peilen sie schrittweise Erhöhungen der Dividenden an. Das planen auch Japans Großbanken. Finanzhäuser wie Mitsubishi, Sumitomo und Mizuho verbuchen nach Jahren riesiger Verluste nun wieder Überschüsse. Für das Gesamtjahr rechnet die Branche mit Gewinnen von insgesamt 20 Milliarden Euro.

          Das ließ in- und ausländische Anleger während der zurückliegenden Quartale an Tokios Aktienmarkt zugreifen. Die Nettokapitalzuflüsse von Investoren aus Europa, Amerika und Asien belaufen sich seit Januar auf die Rekordsumme von 66 Milliarden Euro. Während Ausländer schon seit Monaten alles kaufen, was in Tokio einen klangvollen Namen und eine positive Gewinnrechnung hat, engagieren sich nun auch mehr und mehr japanische Anleger auf dem eigenen Markt. Sie richten die Zusammensetzung ihrer Vermögen neu aus. Hatten sie bislang eine Vorliebe für Bargeld, setzen sie nunverstärkt auf Aktien. Dabei haben sie vor allem Fonds im Blick, die auf Basis ausländischer Währungen arbeiten.

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