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Ni hao aus Peking : Warnung vor einem Crash in China

Morgengymnastik in Peking Bild: AFP

Asiens Märkte im Zangengriff: Das Ende der lockeren Geldpolitik in Amerika drückt die Kurse genauso wie die Angst vor einer Kreditklemme in der Volksrepublik. Die Bank of China hat schon einmal Gerüchte über eine Zahlungsunfähigkeit dementiert.

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          Es sieht nicht gut aus für die asiatischen Aktienmärkte. Sie werden derzeit kräftig in die Zange genommen. Zum einen drückt die Aussicht, dass sowohl die Vereinigten Staaten als auch Japan den Ausstieg aus der superlockeren Geldpolitik vorbereiten. Zum anderen mehren sich die Zeichen, dass etwas faul ist im Staate China, genauer gesagt in seiner Finanzarchitektur.

          Hongkong vor längster Verluststrecke seit viereinhalb Jahren

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Und so rauschen die Kurse am Freitag weiter in den Keller und beenden eine äußerst betrübliche Börsenwoche. Der Regionalindex MSCI Asia Pacific fällt um 1,3 Prozent, die japanischen und koreanischen Indizes stürzen um mehr als 2 Prozent, in Australien und Neuseeland geht es um mehr als 1 Prozent talwärts.

          In Hongkong, jenem internationalen Handelsplatz, der am engsten mit China verbandelt ist, sinkt der Hang-Seng-Index um 1,9 Prozent und treibt damit die Wochenverluste auf 4,6 Prozent. Falls es bis Handelsschluss bei dem Minus bleibt, wäre das die sechste Negativwoche hintereinander. So schlecht hatten sich die Märkte zuletzt vor viereinhalb Jahren entwickelt.

          Bank of China dementiert Gerüchte über Zahlungsunfähigkeit

          Die Bank of China hat Gerüchte über Zahlungsunfähigkeit dementiert. Nachdem massive Liquiditätsengpässe zu Aufruhr an Chinas Finanzmärkten geführt hatten, unterstrich die große Staatsbank, dass sie nicht in Verzug geraten sei und alle Verpflichtungen zeitgemäß erfüllt habe, wie Staatsmedien am Freitag zitierten. Eine Wirtschaftszeitung hatte berichtet, die Bank of China habe ihre Zahlungen um eine halbe Stunde hinausschieben müssen, weil ihr das Geld ausgegangen sei. Zuvor waren die Zinsen am sogenannte Interbankenmarkt dramatisch in die Höhe geschnellt. Experten sagten, der Handel sei wie nach der Lehmann-Pleite in den USA „eingefroren“.

          Die hausgemachten Schwierigkeiten in China liegen in seinem Finanzwesen. Die Zinsen am Geldmarkt, auf dem sich die großen Akteure wie Banken, Versicherungen oder auch der Staat untereinander mit Kapital versorgen, sind völlig aus dem Ruder gelaufen. Die Sätze sind mittlerweile zweistellig, das hat es ewig nicht gegeben. Darin zeigt sich, dass Liquidität knapp und teuer ist und dass sich die Zentralbank zurückhält, frisches Geld zur Verfügung zu stellen.

          Wann schlägt die Not am Geldmarkt auf die Kredite durch?

          Nun hat der kurzfristige Geldmarkt nicht unmittelbar etwas mit dem langfristigen Kreditmarkt zu tun, über welchen sich Unternehmen und Verbraucher bei den Geschäftsbanken eindecken. Eine Liquiditätsklemme ist noch keine Kreditklemme.

          Über kurz oder lang schlägt die Misere aber doch durch: weil es an Flüssigem für Kreditnehmer fehlt oder weil es für Geldgeber lukrativer ist, vom hohen Interbankenzins zu profitieren anstatt vom niedrigen, in China zudem weitgehend vorgegebenen Kapitalmarktzins.Vor allem aber:

          Sowohl die Knickerigkeit der Geldhäuser untereinander als auch die Zurückhaltung der Notenbank, in die Bresche zu springen, drücken ein wachsendes Unbehagen über die Verlässlichkeit der jeweils anderen aus. Und fehlendes Vertrauen - das wissen wir aus den Finanzmärkten genauso wie aus der Ehe - ist oft der Auslöser schwerer Verwerfungen.

          Gefährlicher Vertrauensverlust in China

          Das Unken darüber geht schon los. Die Bewertungsagentur Fitch sieht eine Bankenkrise aufziehen, erstmals hat auch wieder jemand das Wort „Crash“ in den Mund genommen: Der ehemalige amerikanische Schachgroßmeister und heutige Hedgefonds-Manager Patrick Wolff warnte gegenüber Reuters, dass die Anlegerwelt zu sehr nach Amerika starre und dahinter die Gefahren in China vergesse. „Wir haben immer gesagt, dass die Vereinigten Staaten der sicherste Ort für Investitionen sind, während in China die Zeichen auf Krach stehen.“

          Wolff argumentiert, dass das Land zwar eine Art Marktwirtschaft sei, aber eine zentralstaatlich gelenkte. Das führe zwangsläufig zu Korruption und zur Fehlallokation von Kapital. „Viele Unternehmen stehen vor einer Kreditklemme.“

          Privatbetriebe bekommen ohnehin kein Bankengeld

          Die Argumentation ist deshalb etwas schief, weil sich die wenigsten Privatunternehmen in China über die zumeist öffentlichen Geschäftsbanken finanzieren. Sie träfe die Klemme also gar nicht. Und die Staatsunternehmen als Hauptkreditnehmer sitzen im selben Boot mit Banken, Regierung, Währungshütern, Aufsichtsbehörden und nicht zuletzt mit der alles dominierenden Kommunistischen Partei und ihren Nutznießern.

          Es ist deshalb sehr unwahrscheinlich, dass dieses Boot kentern wird. Notfalls, das hat China in der Vergangenheit schon vorgemacht, werden notleidende Banken und Unternehmen vom Staat gerettet, dem sie ja ohnehin gehören. Chinas Untergang ist schon mehrfach besungen worden, ohne dass er eintrat. Es steht zu hoffen, dass die Schwarzseher auch diesmal irren. Ausgemacht ist das allerdings nicht.

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