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Neuer Markt : Jobpilot liefert Kursexplosion mit Seltenheitswert

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Steilflüge machen nicht nur Piloten Spaß Bild: dpa

Bis zum Nachmittag hat sich der Aktienkurs des Internet-Jobportals fast verdreifacht.

          Der Aktienkurs der am Neuen Markt gelisteten Jobpilot macht am Gründonnerstag einen rekordverdächtigen Satz: Bis zum Nachmittag hat sich der Börsenwert des Internet-Jobportals mit 7,30 Euro fast verdreifacht. Mit rund 241.000 Titeln bis zum Nachmittag erlebte die Jobpilot-Aktie einen neuen Rekordumsatz. Am Mittwoch waren 49.000 Stücke gehandelt worden.

          Damit erholte sich der Wert drastisch von seinem 52-Wochen-Tief am Dienstag bei 1,85 Euro. Im April 2000 war die Aktie zu 23 Euro an die Börse gebracht worden.

          Seit Anfang April sind die Volumina auffällig gestiegen. Zuvor waren durchschnittlich selten mehr als 10.000 Stück pro Tag umgegangen. Marktbeobachter vermuten, dass hinter den massiven Käufen Wiedereindeckungen von Spezialfonds stehen. Bis Ende März war die Aktie nämlich ebenfalls bei hohen Stückzahlen massiv unter Druck geraten.

          Keine fundamentale Ursache

          Bei Jobpilot selbst wird dieser Eindruck bestätigt: Aus dem Unternehmen gebe es keine wesentlichen Neuigkeiten, sagte Unternehmenssprecher Lindenfeld. Die Gesellschaft habe aber in den vergangenen Tagen „solide Gespräche“ mit Investoren geführt und dabei erklärt, dass sein Geschäftsmodell weniger auf Werbung setze als andere Internet-Firmen. Jobpilot konzentriere sich dafür stärker auf Serviceangebote und Workflow-Software. Es gebe offenbar Investoren, die dies nun verstünden und jetzt kauften.

          Wenn nur zwei oder drei der Investoren einstiegen, würde dies für einen solchen Kursanstieg reichen, sagte Lindenfeld. Die Marktkapitalisierung von Jobpilot habe zeitweise unter der zum Stichtag 31. Dezember festgestellten Liquidität gelegen, wobei der Sprecher aber keine Angaben zur derzeitigen Cash-burn-rate machen wollte.

          Am Donnerstagmorgen sei ein großer Käufer aufgetreten, der am Markt aber zunächst nicht ausreichend Stücke gefunden habe, sagte Lindenfeld erneut ohne Namen zu nennen. Er habe dann sein Paket verkleinert. Diese große Order, die über längere Zeit nicht erfüllt werden konnte, habe die Kursexplosion ausgelöst, meinen Händler. Diese hätte dann zum Einstieg zahlreicher „Schäppchenjäger“ geführt.

          Nach Ansicht einiger Analysten ist das Unternehmen für Konkurrenten ein guter und preiswerter Kauf. Marcus Schapps, Sprecher der mit gut 27 Prozent an Jobpilot beteiligten United Internet, dementierte unterdessen Kaufabsichten. Nach den Daten der Deutschen Börse ist neben United Internet der Vorstandsvorsitzende Roland Metzger mit 43,91 Prozent der Anteile der wichtigste Aktionär. Der Streubesitz beträgt den Angaben zufolge 22,48 Prozent.

          Am 4. Mai will Jobpilot über das erste Quartal 2001 berichten. Daraus erhoffen sich die Marktbeobachter Aufschluss darüber, ob Jobpilot tatsächlich wie angestrebt im vieten Quartal die Gewinnzone erreicht. Wie etwa die Jobbörse „monster.com“ in den USA zeige, sei das Geschäftsmodell des Unternehmens durchaus valide, meint Stefan Schießer, Analyst bei der GZ-Bank. In diesem hochvolatilen Umfeld sollten sich Anleger aber vor Engagements hüten.

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