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Neuemissionen : Wenige große Börsenneulinge

Künftig börsentäglich neu bewertet: Zentrale des Deutschen Annington Bild: dpa

2013 dürften Börsenneulinge so viele Aktien plazieren wie zuletzt im Jahr 2007. Die kleineren Unternehmen im M-Dax müssen um ihren Platz bangen.

          Mit Deutsche Annington hat sich am Dienstag ein weiteres großes Unternehmen auf den Weg zur Börse gemacht. Die Wohnungsgesellschaft gab ihre Absicht zum Börsengang bekannt und will dem Vernehmen nach Anfang bis Mitte Juli neue Aktien im Wert von 1,2 Milliarden Euro verkaufen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bis dahin werden wohl auch der Gabelstaplerhersteller Kion (Emissionsvolumen: bis zu 1 Milliarde Euro) und der Wissenschaftsverlag Springer Science (760 Millionen Euro) ihre Aktien an die Börse gebracht haben, wenn nicht im Fall von Springer Science noch ein Käufer das gesamte Unternehmen erwirbt.

          Falls die Aktienplazierungen von Annington, Kion und Springer Science gelingen, dürfte das Emissionvolumen in diesem Jahr auf mehr als 4 Milliarden Euro steigen. „2013 hat gute Chancen, das beste Jahr für Börsengänge seit 2007 zu werden“, sagt Christoph Stanger. Die Aktienfonds als wichtigste Käufer von Börsenneulingen hätten erstmals seit langem wieder Mittelzuflüsse, weil sich die Anleger bewusst werden, dass bei einer Zinswende Anleihen riskant sind.

          Flaute seit 2012 beendet

          Der bei der Investmentbank Goldman Sachs für Aktienemissionen zuständige Stanger nennt zwei weitere Gründe für den Aufschwung: „Die Kursschwankungen am Aktienmarkt, die für die Plazierung von neuen Aktien nicht hoch sein dürfen, sind auf Normalniveaus zurückgegangen und zeigen die seit Sommer 2012 gewachsene Stabilität des Marktes. Und die Bewertungen der Aktien sind trotz kräftiger Kurssteigerungen, gemessen an Kurs-Gewinn-Verhältnissen im Dax von durchschnittlich 11, noch im vernünftigen Rahmen.“

          Zuletzt gingen im Jahr 2007 große Unternehmen wie Gerresheimer, Tognum und HHLA an die Börse. Damals plazierten im streng regulierten Prime Standard der Deutschen Börse 21 neue Unternehmen Aktien im Wert von 6,9 Milliarden Euro. Dann kam die Finanzkrise, die Aktienkurse der Vergleichsunternehmen fielen, und es fehlte auch wegen der hohen Kursschwankungen an stabiler Nachfrage für neu an die Börse drängende Unternehmen.

          Kursentwicklung ausgewählter Unternehmen und V-Dax-New

          Nur wenige, meist kleine Unternehmen fanden noch den Weg an die Börse. Erst seit Oktober 2012, als dem Versicherer Talanx und der Telefongesellschaft O2 der Börsengang gelang, ist die Flaute beendet. Auch das Debakel um die Hess AG, die nur wenige Wochen nach dem Börsengang insolvent wurde, steckte der Markt weg. In diesem Jahr gingen schon die Wohnungsgesellschaft LEG, der Medienkonzern RTL und der Spezialchemiekonzern Evonik an die Börse.

          Dennoch erwarten einige Beobachter mehr vom Markt für Börsengänge (IPO). Schließlich ist der Dax nach einem hervorragenden Jahr 2012 seit Jahresanfang um weitere 8 Prozent gestiegen. Damit herrschen für Unternehmensverkäufer eigentlich gute Bedingungen. Johannes Reich, Partner des Bankhauses Metzler, zeigte sich vor kurzem ernüchtert und sagte, es sei kaum vorstellbar, dass der IPO-Markt noch schlechter laufe als derzeit.

          Reich beklagte, dass Versicherern der Kauf von Aktien durch neue Regeln verleidet werde. Andere Marktteilnehmer sehen eine Mitschuld bei der Deutschen Börse. Sie tue zu wenig, um die durch den Neuen Markt stark in Mitleidenschaft gezogene Aktienkultur in Deutschland zu fördern. Auffällig ist, dass seit Oktober vor allem große Emissionen an die Börse gebracht werden. Talanx und LEG haben es schon in den M-Dax geschafft, und auch Kion und Springer Science haben gute Chancen.

          Deutsche Annington und Evonik sind sogar mittelfristig Dax-Kandidaten. Damit droht kleineren Unternehmen im M-Dax wie Baywa, Puma und Krones der Abstieg aus dem Index. Allerdings sind die zu Jahresbeginn gehandelten Börsenkandidaten außer dem Armaturenhersteller Grohe nun auf dem Weg zur Börse. Weitere Unternehmen dürften sich erst im zweiten Halbjahr aus der Deckung wagen.

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