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Neuemissionen : Schlechte Zeiten für den Börsengang von SES 21

  • Aktualisiert am

Solarstrom wird immer stärker genutzt Bild: dpa

In einem Wachstumsmarkt bewegt sich der Solarstrom-Spezialist SES 21. Doch das düstere Börsenumfeld erschwert den geplanten Börsengang.

          Das Vorhaben ist angesichts der trüben Börsenlage mutig. Doch die Verantwortlichen der SES 21 AG wollen sich nicht ins Bockshorn jagen lassen. Zusammen mit Konsortialführer Gebhard & Schuster Kursmakler AG bieten sie vom 25. Juni bis zum 08. Juli 900.000 Aktien (WKN: 723 669) zum Zeichnen an. Die Preisspanne liegt zwischen 6,00 und 6,50 Euro und die Erstnotiz soll am 11. Juli im Geregelten Markt der Frankfurter und Münchener Börse erfolgen.

          Im Falle eines erfolgreichen Börsengangs wären dann 26 Prozent aller Aktien frei handelbar. Die Vorstände des bisher vornehmlich in Süddeutschland tätigen Unternehmens haben sich gleichzeitig verpflichtet, ihre Anteilsscheine in den kommenden18 Monaten nicht zu verkaufen. Wäre auch dumm, zumindest wenn sie an die eigenen Versprechungen glauben. Denn basierend auf den voraussichtlich hohen Wachstums- und Ertragsperspektiven der Branche versprachen die Vorstände bei der Präsentation des Unternehmens großes Kurspotenzial.

          Misserfolg der Konkurrenten mahnt zur Vorsicht

          In der Tat agiert die auf Planung, Projektierung und Vermarktung von Solarstromanlagen und Solarwärmeanlagen spezialisierte Gesellschaft in einem ausgesprochenem Wachstumsmarkt. Aus Umweltgründen werden Erneuerbare Energien immer wichtiger, der Staat gewährt Fördermittel beim Einbau von Solaranlagen und die Europäischen Union schreibt in einer Richtlinie die Steigerung des Anteils an Erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung bis zum Jahr 2010 auf rund 22 Prozent vor.

          Von diesem Rahmendaten profitiert natürlich auch die Konkurrenz. Aber anderen börsennotierten Konkurrenten hat dies bisher wenig gebracht. Die Aktien von Wettbewerbern wie Solon AG, Solarworld AG, S.A.G. Solarstrom AG und Sunways notieren allesamt in der Nähe ihrer Tiefststände und meilenweit entfernt von den Rekordkursen.

          Stolze Wachstumsraten anvisiert

          Damit es SES 21 nicht genauso ergeht, kommt es auf die richtige Bewertung an. Legt man dabei den Plan des Unternehmens zugrunde, wonach der Umsatz im laufenden Jahr von 12,1 auf 21,1 Millionen Euro und der Gewinn vor Steuern und Zinsen von 0,6 auf 1,9 Millionen Euro gesteigert werden soll, bewegt sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis gemessen an der Preisspanne zwischen 14,6 und 15,9. Denn die Planzahlen würden umgerechnet einen Gewinn je Aktie von 0,41 Euro bedeuten. Im Jahr 2005 sollen es dann sogar 1,68 Euro werden, basierend auf einem Umsatz von 59,3 Millionen Euro und einem Gewinn vor Zinsen und Steuern von 8,3 Millionen Euro.

          Ganz so optimistisch sind die Analysten bei GPC Research zwar nicht. Denn sie glauben bis 2005 nur an eine Ergebnisverbesserung auf 5,414 Millionen Euro. Trotzdem veranschlagt GPC Research in einer Studie den Unternehmenswert zwischen 6,06 und 8,17 Euro. Ebenfalls in einer anlässlich des Börsengangs geschriebenen Ausarbeitung kommt Murphy & Spitz Research sogar zu einem fairern Wert von 9,76 Euro.

          Umfeld lässt maximal einen verhaltenen Start erwarten

          Aber selbst wenn SES 21 die Versprechungen einhalten kann und die Berechnungen der Analysten stimmen, bleibt abzuwarten, ob die Aktie dieses Potenzial abrufen kann. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt dürfte sich nämlich jedes neue Unternehmen an der Börse schwer tun. Die ehemalige Euphorie der Anleger ist von einem tief sitzenden Misstrauen abgelöst worden. Und bei einem Dax, der inzwischen so tief wie seit September nicht mehr notiert, hat kaum ein Börsianer Lust, sich auf neue, und damit unbekannte Aktien zu stürzen.

          Wenn man sich überhaupt für Neuemissionen interessiert, dann wird aktuell mehr auf die Risiken als auf die Chancen geachtet. Und bei SES 21 bestehen die Risiken im Eintritt neuer Konkurrenten in den lukrativen Markt, in Fehlern bei der geplanten Expansion über das gesamte Bundesgebiet und später auch in Europa sowie in fallenden Verkaufspreisen und damit fallenden Margen.

          Dem Windanlagenbetreiber Repower Systems hat es bisher in der noch kurzen Börsenkarriere jedenfalls wenig gebracht, dass er in einer ebenfalls zukunftsträchtigen Branche tätig ist. Der Kurs ist seit der Erstnotiz am 26. März 2002 von 41 Euro auf derzeit 28 Euro gefallen. Und auch SES 21 wird sich so lange schwer tun, bis der gesamte Sektor nicht wieder von den Börsianern entdeckt wird. Dafür spricht auch die Beobachtung, dass es bis zum frühen Montagnachmittag im Handel per Erscheinen noch keine Nachfrage nach dem Titel gab.

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