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Neuemissionen : MBB Industries wirbt mit guter Erfolgsbilanz

  • Aktualisiert am

Bild: MBB Industries

Mit MBB Industries strebt eine weitere Beteiligungsfirma an die Börse. Anleger lockt die Gesellschaft mit einer guten Erfolgsbilanz. Im Handel per Erscheinen liegen die Kurse aber trotzdem nur am oberen Ende der Preisspanne.

          Die Börsenpläne von Air Berlin haben mit einer gesenkten Preisspanne einen Dämpfer erhalten. Das allgemein in Fahrt gekommene IPO-Karussell in Deutschland läßt sich durch diesen Rückschlag aber nicht aufhalten. Zu den Kandidaten, die sich Chancen ausrechnen, ohne Panne an die Börse zu kommen, zählt die Beteiligungsgesellschaft MBB Industries.

          So wie es aussieht, wird diese Emission indes auch nicht unbedingt ein spektakulärer Erfolg werden, aber auch nicht scheitern. Zumindest dann, wenn man den Kursen im Handel per Erscheinen traut. Dort werden die Aktien derzeit in einer Spanne von 9,65 bis 9,85 Euro taxiert. Die Notiz bewegt sich somit am oberen Rand der Emissionsspanne von 8,50 bis 9,80 Euro.

          Auch die Stimmen, die nach einer Präsentation des Unternehmens auf der von der Deutschen Börse veranstalteten General-Standard-Konferenz zu vernehmen waren, lassen auf ein durchschnittliches Börsendebüt schließen. Es fanden sich sowohl Zuhörer, denen die Präsentation gefiel als auch Teilnehmer, die sich anschließend eher reserviert äußerten.

          Gesellschaft überzeugt mit hohen Margen

          Hinter dem Unternehmen steckt eine 1995 gegründete Berliner Beteiligungsgesellschaft, die sich auf mittelständische Unternehmen und kleinere Beteiligungsholdings mit einer Umsatzgrößenordnung von zehn bis 50 Millionen Euro konzentriert. In diese Kategorie fallen in Deutschland rund 61.300 Unternehmen. Da wegen ungelöster Nachfolgefragen, Managementfehlern oder sonstigen Problemen ein anhaltend hoher Verkaufsdruck im Mittelstand besteht, finden sich derzeit für MBB Industries viele potentielle Übernahmeziele. Die meisten Konkurrenten konzentrieren sich in der Regel auf größere Unternehmen.

          Der Vorstand spricht von einer gut gefüllten Akquisitionspipeline. Angestrebt werden ein bis drei Abschlüsse im Jahr, wobei zu den Auswahlkriterien Punkte wie ein Ertragspotential von mehr als zehn Prozent gehören. Derzeit umfaßt das Portfolio drei in Nischen tätige Unternehmen mit einem konsolidierten Umsatz von knapp 37 Millionen Euro, einem operativen Gewinn von 3,8 Millionen Euro und einer Ebitda-Marge von 15,4 Prozent.

          Anleger versuchen die Verantwortlichen mit dem Verweis auf ein bewährtes Geschäftsmodell und einen seit Beginn des Jahres 1995 positiven Erfolgsbilanz anzulocken. Der interne Zinsfuß (Internal Rate of Return) wird dabei auf mehr als 50 Prozent pro Jahr beziffert (In den vergangenen zehn Jahren wurden Beteiligungen an zehn Gesellschaften erworben und sieben Beteiligungen abgegeben). Durch die beim Börsengang eingenommenen Finanzmittel soll eine Skalierung des Geschäftsmodells erreicht werden. Das heißt, das Wachstum soll beschleunigt werden. Angepeilt ist die Akquisition von Unternehmen mit Wertsteigerungspotential mit einem Umsatz von zehn bis fünfzig Millionen Euro.

          Erfolgreicher Auftakt in das Geschäftsjahr 2006

          Im Geschäftsjahr 2005 betrug die Betriebsleistung 39,5 Millionen Euro, das Ebitda belief sich auf 6,074 Millionen Euro. Beim Ergebnis nach Steuern ergab sich ein Wert von 1,975 Millionen Euro, was einer Marge von fünf Prozent entspricht. Die Eigenkapitalquote belief sich Ende 2005 auf 37 Prozent. In den ersten beiden Monaten 2006 hat die Gesellschaft einen erfolgreichen Jahresauftakt erwischt. Die Gesamtleistung stieg in diesem Zeitraum um 35 Prozent auf 6,829 Millionen Euro und der Gewinn vor Steuern um 292 Prozent auf 265.000 Euro.

          Im Zuge der bis zum fünften Mai gelaufenen Zeichnungsfrist wurden bis zu 1,6 Millionen Aktien aus einer Kapitalerhöhung sowie bis zu 240.000 Aktien im Greenshoe aus dem Besitz der Altaktionäre angeboten. Von den maximal erlösten Mitteln von 18 Millionen Euro werden MBB Industries folglich bis zu 15,7 Millionen Euro zufließen. Das Grundkapital von bisher fünf Millionen Euro wird sich nach dem Börsengang auf bis zu 6,6 Millionen Euro erhöhen und der Streubesitz unter Einbeziehung des Greenshoes nach dem Börsengang 27,9 Prozent betragen. Die Erstnotiz im Entry Standard der Frankfurter Börse ist für den Dienstag geplant. Gesellschaft und Altaktionäre haben sich auf eine Veräußerungssperre von zwölf Monaten eingelassen.

          Bei MBB Industries überzeugt die hohe Marge, wobei die HGB-Bilanzierung als konservativer als bei vielen Konkurrenten einzustufen ist. Kann die Gesellschaft die in der Vergangenheit erzielten Erfolge auch in der Zukunft nur annähernd fortschreiben, dann dürfte sich der Aktienkurs positiv entwickeln. Läuft alles nach Plan, könnte der Gewinn je Aktie von im Vorjahr 0,36 Euro eventuell schon bis 2007 in eine Größenordnung von rund 0,60 Euro und mehr hineinwachsen.

          Allerdings bleibt abzuwarten, wie sich künftig die Wettbewerbssituation in dem beackerten Segment entwickeln wird. Wie sich auch an der steigenden Zahl an börsennotierten Beteiligungsgesellschaften zeigt, scheinen immer mehr Akteure Gefallen an diesem Geschäft zu finden. Die bisherige Erfolgsbilanz läßt aber immerhin darauf hoffen, daß sich MBB Industries in diesem härter werdenden Wettbewerb gut behaupten wird.

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