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Neuemissionen : Die Biopetrol-Aktie muß ehrgeizige Versprechen erfüllen

  • Aktualisiert am

Im Labor von Biopetrol Bild: Biopetrol

Die Wachstumsaussichten für Biodiesel gelten als gut. Das macht Produzenten wie Biopetrol für Börsianer interessant. Ob der Börsenneuling seine Versprechungen einhalten kann, muß sich indes erst noch zeigen.

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          Von diesem Montag an ist der Biodiesel-Produzent Biopetrol Industries im Entry Standard der Deutschen Börse gelistet. Im Zuge des Börsengangs wurde über eine nicht-öffentliche Privatplazierung das Grundkapital um sieben Millionen auf 37 Millionen Aktien erhöht. Verkauft wurden die Aktien zu einem Stückpreis von 8,20 Euro. Die Mittelaufnahme beträgt damit 57,4 Millionen Euro, womit sich ein gesamter Börsenwert von rund 300 Millionen Euro ergibt.

          In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres steht der Marktkapitalisierung ein Umsatz von 57,2 Millionen Euro und ein Gewinn vor Steuern von 2,22 Millionen Euro gegenüber. Damit ist klar, daß das Unternehmen in den nächsten Jahren stark wachsen muß, um diese Bewertung zu rechtfertigen. Und in der Tat hat sich die im Jahr 2004 durch ehemalige Manager der Wedeco AG gegründete Gesellschaft einiges vorgenommen.

          Ehrgeizige Expansionspläne

          Mit der derzeitigen Produktionsmenge von rund 150.000 Tonnen Biodiesel sowie 30.000 Tonnen Pharmaglycerin pro Jahr geben sich die Verantwortlichen nicht zufrieden. Sie wollen möglichst schnell die Produktion mit drei neuen Werken bis 2008 verfünffachen. Konkret ist der Aufbau einer Anlage in Rostock geplant, die jedes Jahr 200.000 Tonnen Biodiesel herstellen soll sowie der Aufbau von zwei weiteren Biodiesel-Produktionsstätten in Deutschland und den Benelux-Staaten mit einer Kapzität von jeweils 200.000 Tonnen Biodiesel pro Jahr. Insgesamt werden die Plankapazitäten auf 750.000 Tonnen Biodiesel und auf 70.000 Tonnen Pharmaglyzerin veranschlagt.

          Die ehrgeizigen Planungen beruhen dabei auf einem vorteilhaften Umfeld. Denn der hohe Ölpreis und die damit einhergehende Diskussion über die Begrenztheit der Ölvorkommen lenkt die Aufmerksamkeit verstärkt auf alternative Energiequellen. Eine der wichtigsten Alternative zu herkömmlichen Kraftstoffen ist Biodiesel, der aus nachwachsenden Pflanzen wie Raps gewonnen wird. Dem herkömmlichen Dieselöl wird bis 2015 ein Defizit von 60 Millionen Tonnen vorhergesagt.

          Neben der umweltfreundlichen Herstellung werden Biodiesel im Vergleich mit Mineralöldiesel auch Vorteile durch nur halb so hohe Feinstaub-Emission sowie durch Schwefelfreiheit zugesprochen. Aus Sicht der Verbraucher kommen zudem noch geringere Kosten als beim Kauf von reinem Mineralöldiesel hinzu, da Biodiesel bislang von der Mineralölsteuer befreit ist.

          Günstige Marktbedingungen für Biodiesel

          Angesichts dieser Argumente überraschen die guten Wachstumsaussichten nicht, die Biodiesel in Aussicht gestellt werden, zumal die EU auch noch die erlaubten Beimischungsgrenzen in Diesel-Kraftstoff von derzeit fünf Prozent weiter anheben dürfte. So rechnen die Branchenexperten von Frost & Sullivan in Europa bis 2011 mit einem Marktwachstum von bis zu jährlich 26 Prozent.

          Biopetrol will von diesem Wachstum überproportional profitieren. Erklärtes Ziel ist es, bei hoher Profitabilität zu den europaweit führenden Produzenten aufzuschließen und den derzeit in Deutschland acht Prozent betragenden Marktanteil bis 2008 auf mindestens zehn Prozent zu erhöhen. Werden die selbstgesteckten Ziele erreicht, dann hätte die Aktie sicherlich Potential. Schließlich kann der Wert von einer Tonne Biodiesel derzeit auf 1.000 Euro beziffert werden.

          Allerdings bleibt noch abzuwarten, ob sich der für die Expansion vorgegebene Zeitplan auch tatsächlich einhalten läßt. Branchenkonkurrenten, die nicht genannt werden wollen, haben auf Anfrage hin diesbezüglich zumindest ihre Zweifel angemeldet. Sie sehen die vielen von Biopetrol abgegebenen Versprechungen kritisch und befürchten bei nicht eingehaltenen Prognosen Glaubwürdigkeitsprobleme auf jene Biodiesel-Produzenten zukommen, die zu einem späterern Zeitpunkt an die Börse wollen.

          Anleger sollten erst einmal abwarten

          Aus Sicht der bereits investierten Anleger ist es nun die Aufgabe des Biopetrol-Managements, die Skeptiker unter den Konkurrenten eines Besseren zu belehren. Bis diese Beweisführung erbracht ist, gibt es für noch nicht engagierte Anleger keinen Grund, vorschnell auf die Aktie zu wetten. Vernünftiger scheint es, erst einmal abzuwarten, wie gut die Umsetzung der Expansionsvorhaben gelingt. Denn wenn die Kurse schnell steigen, müssen sich die Käufer fragen, warum sie bereit sind, deutlich mehr zu zahlen als die eben erst außerbörslich eingestiegenen Investoren.

          Für ein zurückhaltendes Agieren spricht übrigens auch die bisherige Erfahrung mit EOP Biodiesel. Der Aktienkurs des im September an den Markt gekommenen Biodiesel-Produzenten wurde erst schnell nach oben gejubelt, bevor er anschließend wieder deutlich zurückkam (EOP Biodiesel-Aktie treibt Anleger an - bisher). Die direkt über die Börse eingestiegenen Anleger dürfte daher bisher trotz aller Wachstumsphantasie noch nicht wirklich glücklich geworden sein mit diesem Investment.

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