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Neuemissionen : Börsenneuling Eutex muß ehrgeizige Wachstumspläne einlösen

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Das Geschäft mit dem Telefon lief bei Eutex schon besser Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Mit dem Telefonminuten-Händler Eutex strebt ein Unternehmen an die Börse, das 2005 deutlich sinkende Umsätze verkraften muß. Ob die Aktie trotzdem interessant ist, hängt daran, ob der Vorstand seine Versprechen einhalten kann.

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          Ein Mini-Börsengang steht zum 1. Dezember an dem von der Deutschen Börse neu geschaffenen Segment Entry Standard an. Der Telefonminuten-Großhändler European Telco Exchange, abgekürzt Eutex, will ab diesem Tag börsennotiert sein und bietet dazu vom 25. bis zum 29. November 787.680 eigene Aktien zum Kauf an.

          Bei einer auf zehn bis zwölf Euro festgelegten Preisspanne ergibt sich ein maximales Emissionsvolumen von 9,45 Millionen Euro. Da 605.680 Aktien aus einer Kapitalerhöhung stammen und der Rest aus Abgaben der Altaktionäre resultiert, fließen der Gesellschaft im besten Fall 7,3 Millionen Euro zu.

          Diese Mittel will das 1999 gegründete Unternehmen dazu nutzen, die Internationalisierung nach Asien, Osteuropa und in den Mittleren Osten voranzutreiben; Netzbetreiber können über eine Eutex-Handelsplattform Verbindungsminuten in Fest- und Mobilfunknetzen weltweit anbieten und einkaufen. Außerdem sollen allgemein die margenstärkeren Geschäftsfelder wie Internet-Telefonie oder Dienstleistungen für den Mobilfunkmarkt ausgebaut werden. In Westeuropa sind die Gewinnspannen in den vergangenen Jahren deutlich unter Druck geraten und betragen derzeit nur noch vier bis 4,5 Prozent.

          Ehrgeizige Wachstumspläne

          Zusammen mit dem Wegfall eines Lieferantendarlehens eines Großkunden zur Finanzierung des Nettoumlaufvermögens in einem Volumen von rund elf Millionen Euro führte das im Vorjahr zu einem spürbaren Rückschlag. Als Folge davon kam der Umsatz 2004 nur leicht von 104,4 Millionen auf 106,2 Millionen Euro voran und das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) rutschte sogar von plus 0,5 Millionen auf minus 0,4 Millionen Euro ab.

          Noch schlechter stellt sich die Situation vermutlich in diesem Jahr dar. Gemäß den Prognosen der Analysten von Independent Research dürfte der Umsatz auf 76,3 Millionen Euro zurückgehen und das Minus beim Ebitda auf 3,8 Millionen Euro steigen. Mit den Erlösen aus dem Börsengang soll in den Folgejahren aber wieder nachhaltig auf Expansionskurs umgeschaltet werden. Außer den erwähnten Expansionsschritten soll dabei ein besseres Management des Nettoumlaufvermögens helfen.

          Von 2007 an sollen bei vervielfachten Umsätzen auch unter dem Strich schwarze Zahlen geschrieben werden, und für 2009 ist dann nach Einschätzung der Verantwortlichen ein „ordentlichen Ergebnis“ geplant, was nach hausinterner Lesart dann der Fall wäre, wenn der Nettogewinn die Marke von zehn Millionen Euro überschreitet. Auf Basis einer Aktienzahl von 2,91 Millionen entspräche dies einem Gewinn je Aktie von 3,44 Euro.

          Kurse im Handel per Erscheinen innerhalb der Bookbuildingspanne

          Gemessen daran wäre der Titel selbst am oberen Ende der Bookbuildingspanne noch ein Schnäppchen. Die jüngst erlittenen geschäftlichen Rückschläge machen aber deutlich, daß es sich hierbei um ein riskantes Investment handelt. Denn ob die Ziele letztlich erreicht werden, ist keineswegs sicher. Als Pluspunkt kann aber immerhin die Zusammensetzung des Managements gewertet werden. Mit Vorstandschef Dirk Reupke und Finanzvorstand Stefan Klebor, die früher bei Talkline gearbeitet haben sowie dem Aufsichtsratsmitglied Gerd Tenzer, einem langjährigen Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom, präsentiert sich dieses Gremium gut bestückt.

          Die Analysten von Independent Research verfallen deswegen aber nicht in Überschwang, sondern veranschlagen den fairen Wert auch unter Berücksichtigung der Bewertungen, die andere Branchenvertreter zugebilligt werden, auf 14,32 Euro. Deutlich forscher sind dagegen die Analysten bei FirstBerlin. Sie beziffern den Wert auf 19,48 Euro je Aktie.

          Um tatsächlich so einen hohen Aktienkurs zugestandenen zu bekommen, wird die Gesellschaft aber vermutlich erst unter Beweis stellen müssen, daß die angepeilten Wachstumsziele keine Luftschlösser sind. Aktuell sind die Börsianer offenbar noch nicht bereit, allzu viele Vorschußlorbeeren zu verteilen. Darauf deutet zumindest der Handel per Erscheinen bei der DKM Wertpapierhandelsbank hin. Dort wird der Titel bisher nämlich nur in einer Geld- und Briefspanne zwischen 11,25 und 11,60 Euro, und damit innerhalb der Bookbuildingspanne gehandelt.

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