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Neuemission : Repower muss man nicht haben

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Repower-Chef Fritz Vahrenholt: "Uns fehlt nur noch das Eigenkapital" Bild: REpower Systems AG

Gemessen an seinen Versprechungen ist der Börsendebütant bereits Neuer Markt-reif. Aber die Windkraftbranche hat bisher enttäuscht.

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          Der für 26. März geplante Börsengang von Repower Systems ist ein wichtiges Hoffnungszeichen für den Neuen Markt. Nachdem das Zweitlisting des Erotikanbieters Private Media Anfang Februar scheiterte, wäre Repower die erste neue Notierung seit Juli 2001. Insofern knüpfen sich ziemlich viele Hoffnungen daran, dass es diesmal klappt.

          Aber ist der Hersteller von Windkraftanlagen auch ein würdiger Debütant?
          Die vom Vorstand für dieses Jahr erwartete Wachstumsrate von über 100 Prozent, ausgehend von einem Umsatz von 146,7 Millionen Euro 2001, klingt ja nicht schlecht. Allerdings klingt sie auch kaum nach neuer Bescheidenheit, wie sie angesichts des schlechten Kapitalmarktumfelds - und der Enttäuschungen im Windkraftsektor - angezeigt wäre.

          Branche hat bisher enttäuscht

          Die Preisspanne für die bis zum 22. März laufende Zeichnungsfrist lautet 38 bis 45 Euro, was nach den Gewinnschätzungen der Konsortialbanken für 2003 einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,8 bis 11,6 entspricht. Immerhin weist Repower für 2001 bereits einen Jahresüberschuss von neun Millionen Euro aus. Als „fairen Wert“ für den Titel nennen die Analysten 40 bis 50 Euro.

          Licht und Schatten lagen bei Windparks bisher nahe beieinander

          Doch kommt Repower aus einer Branche, die bislang die hohen Erwartungen nicht erfüllte. Wie seine Wettbewerber Energiekontor, Umweltkontor, Plambeck und P&T Technology produziert und entwickelt Repower Windparks, die dann an Betreibergesellschaften verkauft werden. Die beiden Großen Energiekontor und Umweltkontor, die wegen ihrer internationalen Vorreiterposition lange in der Gunst der Analysten vorne lagen, haben die Anleger mit ihren Ergebnissen für 2001 gründlich enttäuscht.

          Verschiedene Prognosekürzungen und zahlreiche Projektverzögerungen zeigten, dass auch Windräder nicht in den Himmel wachsen (vgl. Link). Nicht nur in mancher Rentabilitätsrechnung hatten sich Projektierer und Analysten geirrt. Man hatte auch etwa die Projekt-Verzögerungen unterschätzt, die sich aus dem Übergang der Genehmigungskompetenz von den Kommunen auf die Länder ergeben.

          Börsengang erscheint übereilt

          Ob die Gewinnschätzungen im Fall Repower realistischer sind? Die utopisch anmutenden Wachstumserwartungen der Commerzbank für Private Media lassen jedenfalls nicht auf eine neue Bescheidenheit der Emissionsbanken Schroder Salomon Smith Barney, Commerzbank und Vereins-und Westbank schließen.

          Erst 2001 ist Repower aus dem Zusammenschluss von vier mittelständischen Anbietern enstanden. Dass es schon jetzt den Sprung aufs Parkett wagt, bevor die Integration der vier Einheiten gelungen sein kann, erinnert an die übereilten Börsengänge vergangener Tage. Warum also auf einen (mit einer vorgesehenen Marktkapitalisierung von 205 bis 243 Millionen Euro) Kleineren der Branche setzen?

          Wie so oft sind Privatanleger wie Experten darauf verwiesen, auf Versprechungen technologischer Vorsprünge und überdurchschnittlicher Wachstumsraten zu vertrauen. Versprechungen, die in der Tradition des Neuen Marktes und der Windkraftbranche fast immer enttäuscht wurden.

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