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Neuemission : Die Post setzt auf globale Trends

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Mit mehreren neuen Geschäftsmodellen versucht der gelbe Riese, auf die Trends im weltweiten Transportmarkt zu antworten. Noch tragen seine Mühen keine Früchte.

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          Die Konzernstrategie der Deutschen Post lässt sich am einfachsten anhand der bestimmenden Trends im weltweiten Transportmarkt beschreiben. Vor allem vier Entwicklungen zeichnen sich ab: Neben dem allgemeinen Trend der Globalisierung sind dies die steigende Nachfrage nach Transportdienstleistungen aus einer Hand, ein zunehmendes Outsourcing betrieblicher Logistikaktivitäten und das erhebliche Wachstum des Warenhandels über das Internet (E-Commerce).

          Globalisierung erfordert weltweite Transportnetze

          Da sowohl die Geschäftsbeziehungen wie auch die Unternehmen selbst weltweit wachsen, steigt auch der Bedarf an grenzüberschreitenden Transportnetzen kontinuierlich an. Bereits lange vor dem Börsengang hat die Deutsche Post mit dem Zukauf von Unternehmen begonnen, um sich im globalen Wettbewerb Marktanteile zu sichern. "Wir haben früh angefangen, und konnten daher noch zu günstigen Bewertungen kaufen", meint Post-Chef Klaus Zumwinkel. Zu den Perlen im Portfolio der Post zählt die schweizerische Danzas-Gruppe, die den wesentlichen Anteil des Geschäftsbereichs Logistik darstellt. Im ersten Halbjahr 2000 hat die Logistik etwa 23 Prozent zum Konzernumsatz beigetragen.

          Im Unternehmensbereich Express, der aus dem klassischen Paketdienst hervorging, ist besonders die Beteiligung an DHL interessant, dem weltweiten Marktführer im internationalen Paketverkehr. Der Expressbereich machte im ersten Halbjahr rund 17 Prozent des Konzernumsatzes aus.
          Allerdings steht die Post beim Aufbau ihrer Transportnetze erst an Anfang. Hartmut Moers von Julius Bär weist darauf hin, dass der weltweite Markt für Landtransporte noch extrem zersplittert ist: "Kaum ein Unternehmen verfügt über einen Marktanteil von über zwei Prozent." Klaus Zumwinkel sieht besonders in Asien noch erhebliche Präsenzlücken und Chancen für sein Unternehmen. Im Vergleich zu den größten internationalen Konkurrenten Federal Express und UPS habe die Post aber bereits heute die größte weltweite Präsenz.

          Trend zur Zusammenfassung der Produktpalette

          Immer mehr Firmen gehen dazu über, Transportdienstleistungen aller Art aus einer Hand zu verlangen. Dieser Trend zum so genannten "One-Stop-Shopping" wird die Konzentration im Transportsektor beschleunigen. Dabei verschwinden die klassischen Produktgrenzen zwischen Briefen, Paketen und der Güterlogistik. Von diesem Trend versucht die Deutsche Post mit einer engen Verzahnung ihrer Geschäftsbereiche zu profitieren. Als Transport-Gesamtdienstleister will sie ihren Kunden eine umfassende Produktpalette anbieten. Gelingt der Post die Integration verschiedener Transportleistungen auf ihren weltweiten Netzen, könnte ihr dies beträchtliche Synergien und Kosteneinsparungen bringen.

          Trend zur Ausgliederung der Logistikbereiche

          Zunehmend erkennen Wirtschaftsunternehmen, dass sie erhebliche Kosten sparen können, indem sie ihre Logistikaktivitäten auf externe Spezialisten übertragen. Die Deutsche Post hat von diesem Trend zum Logistik-Outsourcing bereits profitiert. In diesem Jahr übernahm sie die gesamte Logistikabteilung der Deutschen Telekom, und organisiert nun deren vollständige Lieferkette von der Bestellung bis zur Auslieferung der Telekom-Produkte. Aber auch andere Großunternehmen wie IBM, Siemens oder Tchibo haben Teilbereiche ihrer Logistik auf die Post übertragen. Auf diesem Feld spielt auch die Integration des Geschäftsbereichs Finanzdienstleistungen, die unter dem Dach der Postbank vereinigt sind, eine große Rolle. Mit der Kontrolle über die betrieblichen Lieferketten sichern sich die Bonner Ansatzpunkte zu Kreditgewährungen an Firmenkunden wie auch an Privatkunden. Schon heute bezeichnet sich die Postbank mit über zehn Millionen Kunden als "größte Privatkundenbank Deutschlands". Der Anteil der Finanzdienstleistungen am Konzernumsatz betrug im ersten Halbjahr etwa 25 Prozent.

          Zunahme des elektronischen Handels

          Das Explodieren des Zustellmarkts wegen der virtuellen Marktplätze des Internets sorgt auch bei der Post für Phantasie. Als größter Paketzusteller Europas kann sie auf erhebliche Anteile an diesem Wachstumsmarkt hoffen.
          Doch nicht nur als reine Lieferanten wollen die Rheinländer am E-Commerce-Boom teilhaben. In einer eigenständigen Holding haben sie ihre verschiedenen E-Business-Aktivitäten gebündelt. Dazu gehört vor allem die Handelsplattform Evita, die sich als "elektronische Illustrierte und elektronischer Versandhandel" für Unternehmen und Privatkunden versteht und im umkämpften Markt zu etablieren scheint. Auch anderen virtuellen Marktplätzen will die Post die Übernahme der gesamten Orderabwicklung anbieten. Außerdem plant die Post, sich verstärkt an interessanten Internet-Startups zu beteiligen. Bereits im Mai hat sie eine "strategische Beteiligung" an dem Informationstechnologie-Anbieter GFT bekannt gegeben.

          Emanzipation der Zukunftsbereiche entscheidend

          Die Ergebnisanteile der Wachstumssparten geben beredtes Zeugnis davon, dass die Post ihre vielversprechenden Pläne noch nicht in bare Münze umsetzen konnte. Logistik und Express trugen in der ersten Hälfte dieses Jahres nur 7,1 und 2,3 Prozent zum Betriebsergebnis bei. Der Beitrag der E-Commerce-Aktivitäten ist noch verschwindend gering. Die entscheidende Frage bleibt, ob sich diese Bereiche aus ihrer Abhängigkeit von den Gewinnen aus dem Briefgeschäft lösen können oder nicht.



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