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Neue Technologie : Laser soll Börsenhandel noch schneller machen

  • -Aktualisiert am

Zeit ist Geld: Schneller als Laser ist kaum möglich Bild: dpa

Unter Hochfrequenzhändlern findet ein Wettrüsten statt: Bald wollen sie die gleiche Technologie einsetzen wie Kampfjets. Durch den Einsatz von Lasergeräten soll der Börsenhandel schneller ablaufen.

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          Für Hochfrequenzhändler an der Wall Street zählt nur eins: volles Tempo. Das scharfe Wettrennen dieser Wertpapierhäuser, deren Computerprogramme schon jetzt Aktien im Millisekundentakt handeln, wird in den kommenden Monaten in eine neue Dimension vorstoßen. Erstmals sollen Wertpapieraufträge über Laserstrahlen gesendet werden. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, hat ein kleines Telekommunikationsunternehmen aus Chicago eine Reihe von Lasergeräten installiert, die das Datenzentrum der New Yorker Börse Nyse in New Jersey mit dem knapp 60 Kilometer entfernten Pendant der elektronischen Börse Nasdaq verbinden sollen. Die Geräte, die auf Wohnhochhäusern und Bürogebäuden stehen, sollen der erste Teil eines Netzwerks werden, das alle amerikanischen Börsen verbindet.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Während sich Aufsichtsbehörden nach mehreren Computerpannen in den vergangenen Jahren fragen, ob Hochfrequenzhandel die Finanzmärkte weniger stabil macht, rüsten die Marktteilnehmer technologisch immer weiter auf. Vor vier Jahren waren auf direktem Weg verlegte Glasfaserkabel noch der letzte Schrei. Die Telekom-Gesellschaft Spread Networks hatte 2010 ein Glasfaserkabel vom Nasdaq-Computerzentrum in Luftlinie zu einem Datenzentrum in Chicago verlegt – durch Berge, über Flüsse und durch Farmland. Normalerweise wurden diese Datenkabel entlang von bestehenden Eisenbahnstrecken verlegt, um Sprengstoff zu sparen. Die Zeit für die Datenübertragung von New Jersey nach Chicago und zurück wurde um 3 Millisekunden auf 13,3 Millisekunden verkürzt. Handelsfirmen standen Schlange.

          Technologie vom amerikanischen Militär genutzt

          Mittlerweile gilt das in der Branche als Schneckentempo. Bevorzugt wird derzeit die drahtlose Datenübertragung mittels elektromagnetischer Mikrowellen. In Europa existieren bereits derartige Verbindungen zwischen London und Frankfurt. Die Zeit für die Übertragung von Daten soll im Vergleich zu Glasfaserkabeln um 40 Prozent geschrumpft sein, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters im vergangenen Jahr.

          Mit Laserstrahlen soll das Tempo nun nochmals verschärft werden. Die Technologie wird schon vom amerikanischen Militär genutzt, das Laserstrahlen zur Kommunikation zwischen fliegenden Kampfjets einsetzt. Eine Übertragung durch Mikrowellen gilt im Vergleich zu Laserstrahlen zudem als wetteranfällig. Regen und Wind können die Übertragung beeinträchtigen. „Das Wettrennen hört niemals auf“, sagt Michael Persico, Gründer des Unternehmens Anova Technologies, das die Datenzentren von Nyse und Nasdaq mit Laserstrahlen verbinden will. Anova bietet schon jetzt ein Mikrowellen-Netzwerk an.

          Gebühren für stornierte Aufträge

          Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat die Überwachung des Hochfrequenzhandels unterdessen zur Priorität gemacht. „Wir müssen darüber nachdenken, warum dieses technologische Wettrüsten stattfindet und ob es unsere Märkte bedroht“, sagte Kara Stein, ein Mitglied der fünfköpfige SEC-Kommission, kürzlich in einer Rede. Die Behörde ist seit dem Blitzcrash im Mai 2010 alarmiert. Die Aktienkurse waren damals binnen Minuten ohne offensichtlichen Grund abgestürzt und hatten sich danach genauso schnell wieder erholt.

          Die SEC prüft derzeit, ob Hochfrequenzhändler die Märkte mit Aufträgen fluten, um Preise zu manipulieren und von kleinsten Abweichungen zu profitieren. Die Behörde erwägt, Gebühren für stornierte Aufträge zu erheben, um die Praxis einzudämmen.

          Hochfrequenzhandel dominiert die amerikanischen Börsen. Nach Schätzungen der Analysegesellschaft Aite Group sind die Handelsmaschinen bereits für 70 Prozent des ausgeführten Handelsvolumens an den Aktienmärkten verantwortlich. Befürworter des extrem schnellen Computerhandels argumentieren, dass aufgrund des stärkeren Wettbewerbs die Preise für Aktiengeschäfte gefallen sind. Zudem sei es einfacher geworden zu handeln, weil Hochfrequenzhändler für einen ständig liquiden Markt sorgten.

          Die SEC hat inzwischen auch aufgerüstet. Im vergangenen Jahr nahm sie ein vom Hochfrequenzhändler Tradeworx entwickeltes Computersystem in Betrieb, mit dem die Aufseher Milliarden von Handelsdaten an den Börsen schnell kontrollieren und bewerten können. Das kostet 2,5 Millionen Dollar im Jahr. Nun wird es wahrscheinlich bald Zeit, in ein Lasergerät zu investieren.

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