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Neue Brancheneinteilung : Osram entgeht doch noch dem Tec-Dax

Technik, aber kein Tec-Dax: Eine Osram-Glühbirne Bild: REUTERS

Der Vorstoß von Investoren hat verhindert, dass Börsenneuling Osram im September in den Tec-Dax kommt. Nun erfolgt der Aufstieg in den allseits präferierten M-Dax.

          Die Aktie des Börsenneulings Osram Licht AG wird künftig der Branche „Industrials, Diversified (Classic)“ zugeordnet und nicht mehr „Advanced Industrial Equipment (Technology)“. Diese neue Brancheneinteilung - deutsche Branchennamen werden nicht verwendet - teilte die Deutsche Börse am Mittwoch mit. Osram wird damit nicht mehr in der Rangliste der Börse für den Tec-Dax geführt, sondern in derjenigen für den M-Dax. Am 4. September trifft sich der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse um über die Indexzusammensetzung zu beraten. Bislang wäre Osram mit höchster Wahrscheinlichkeit in den 30 Technologiewerte umfassenden Tec-Dax aufgestiegen, nun wird es wohl der 50 Werte umfassende M-Dax. Über beiden Indizes sind die 30 Dax-Werte als höchste Börsenliga angesiedelt.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Die kurzfristige Neuzuteilung in eine andere Branche geht nach Börsenangaben auf das Betreiben mehrerer Marktteilnehmer zurück. Der Osram-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Dehen hatte zuvor in einem Gespräch mit dieser Zeitung gesagt: „Unsere Investoren wünschen sich den M-Dax.“ Entsprechend positiv reagierte das Unternehmen am Mittwoch auf die Entscheidung. Vor dem Hintergrund des breiten Produktangebotes und der differenzierten Kundenbasis sei Osram der Ansicht, dass die nun erfolgte Zuordnung die Geschäftstätigkeit des Unternehmens passend spiegele, sagte ein Sprecher. Schon während der Präsentationen und der Vorstellung des Unternehmens war es immer eine Gratwanderung gewesen, inwieweit Osram ein Halbleiterunternehmen mit Blick auf die notwendigen Investitionen in die Leuchtdioden-Technik ist, die für den künftigen Erfolg in der Lichtbranche immer wichtiger wird. Gerne stellte das Management die Herausforderung für einen Hochtechnologie-Anbieter mit dem Angebot halbleiterbasierter Produkte in den Mittelpunkt. Zugleich aber werden die Märkte noch mit etablierten Techniken bedient wie in der Autoindustrie oder auch im privaten Gebrauch. Dieses Geschäft macht immerhin drei Viertel des Umsatzes aus, wenn auch mit deutlich sinkender Tendenz. Da Osram die erste reine Licht-Aktie in Deutschland und auch in Europa ist, erschien eine Brancheneinordung schwierig. Auf der Seite der Analysten ist die Zuordnung insofern schwergefallen, als dass einige die Titel zu den konsum-, andere zu den industrie- und wiederum welche zu den technologienahen Werten zählen.

          Der nun erfolgte und erfolgreiche Vorstoß einer Branchenneuzuteilung ist jedoch ein bislang einzigartiges Misstrauensvotum gegen einen Börsenindex. Dass die Deutsche Börse dem tatsächlich gefolgt ist, wurde unter Marktteilnehmern mit Verwunderung aufgenommen. Das Image des Tec-Dax ist ohnehin schon stark angeschlagen. Im Jahr 2003 wurde der Index als Nachfolger des Neuen Marktes gegründet. Nur wenige Technologiewerte konnten sich darin jedoch erfolgreich etablieren. Die Zahl der Wechsel ist rege. Insgesamt neun Solarunternehmen gehörten dem Tec-Dax an. Heute ist nur noch SMA Solar übrig. Die frei werdenden Plätze waren zuletzt immer schwieriger zu besetzen. Der größte Wert im Index ist Börsenneuling Telefónica Deutschland (O2). Mit Osram wäre ein weiteres Schwergewicht dazugekommen, das mehr wert gewesen wäre als die kleinsten elf der 30 bisherigen Tec-Dax-Unternehmen. Das Investoreninteresse am Tec-Dax blieb jedoch stets gering. Im einzigen Indexfonds auf den Tec-Dax sind derzeit rund 90 Millionen Euro angelegt; im entsprechenden Produkt auf den M-Dax sind es hingegen rund 1,2 Milliarden Euro.

          Neben Osram dürften Evonik und RTL im September in den M-Dax aufsteigen. Abstiegskandidaten sind Baywa, Puma und Rational. Im Dax ist die Position von K+S weiterhin stark gefährdet. Als Nachrücker wird vor allem Metro gehandelt. In den Tec-Dax könnten Nemetschek und Compugroup aufsteigen. Euromicron und Kontron gelten als Abstiegskandidaten.

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